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19.02.10

WM-Kolumne

Die Vuvuzela-Tröten sind gesundheitsschädlich

Der Streit um die Vuvuzelas ist neu entflammt. Während einige das Lärminstrument schon als "Kulturgut" bezeichnen, ist es für andere eine "Waffe". Dazu kommt noch, dass Wissenschaftler in Pretoria nun herausgefunden haben, dass die WM-Tröten sogar gesundheitsschädlich sind.

© picture-alliance/ dpa/EPA
Vuvuzela

Vuvuzelas sind laut, sehr laut. Ich habe einmal in der Nähe gestanden, als ein, zugegebenermaßen, ausgesprochen kräftiger Bauarbeiter kurz vor Fertigstellung des neuen WM-Stadions in Greenpoint das Fußballhorn vorführte. Ohrenbetäubend. Das "Klingeln der Ohren" (auf lateinisch: Tinnitus aurium), das ich danach empfand, ist wohl die typische Reaktion, wenn ein Mensch weniger als zwei Meter entfernt steht. Danny Jordaan, Chef des südafrikanischen Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft (LOC), die in Johannesburg in gut drei Monaten beginnt, hätte es treffender nicht sagen können: "Das wird die lauteste WM, die es je gegeben hat."

Dabei ist auch in Südafrika, ganz zu schweigen von andauernden internationalen Diskussionen, die Tröte weiterhin umstritten. In der Öffentlichkeit ist zwar mittlerweile von einem "Kulturgut" die Rede. Aber das ist übertrieben, denn Vuvuzelas sind erst in den vergangenen Jahren in Mode gekommen. Auch die Herkunft ist ungewiss. Derzeit streiten die Oberen von einer der vielen christlichen Freikirchen in Südafrika, die sich häufig am Sonntag unter einem Baum zu schönen Gesängen und eben Vuvuzela-Tönen treffen, mit Fußballspielern. Die Kicker sagen, die Tröte sei ihre Erfindung, und ein Schlauer versucht gar, sich das Lärminstrument patentieren zu lassen.

Das Ding kann locker bis zur Länge eines Armes groß sein und ist entweder aus Leichtmetall oder Plastik hergestellt. "Eine Waffe", sei das, zum Schlagen, Stechen und Werfen, sagen die Skeptiker, und auch die Fußballfunktionäre haben bereits angekündigt, dass sie "bei Missbräuchen die bisherige Legalität von Vuvuzelas bei WM-Spielen überdenken" müssten. Die Verzierungen der Trompeten sind bunt, und häufig fantasie-, vielfach sogar kunstvoll. Selbst Gegner vermögen an diesem Punkt nicht völlig feindselig zu argumentieren. Ist es nicht toll, dass vor allem dunkelhäutige Südafrikaner soviel Zeit darauf verwenden, ihrem Fußballenthusiasmus Ausdruck zu verleihen?

Nun aber hat eine Studie von der Universität der Hauptstadt Pretoria der ganzen Sache neue, und erstmals wissenschaftlich gemessene Erkenntnisse, zu Grunde gelegt. Der anfangs beschriebene Lärm einer Vuvuzela liegt zwischen 113 und 131 Dezibel. "Das sind", sagt Professor De Wet Swanepoel, einer von drei Autoren, die ihre Erkenntnisse jetzt im "South African Medical Journal" veröffentlichen, "gemäß dem südafrikanischem, nationalen Standard für Lärmbelastung am Arbeitsplatz eindeutig zu viel." Niemand dürfe näher als zwei Meter an eine solche Lärmquelle herankommen, und das, so fügte der Wissenschaftler spaßverderberisch hinzu, schließe den Bläser ein.

Und es kommt noch schlimmer: Schon bei einem Spiel mit 25.000 Zuschauern (bei der WM werden mindestens drei-, bei Spitzenspielen viermal so viele Fans erwartet) steigt der Lärmpegel auf bis zu 144 Dezibel, "somit können unbeteiligte Zuschauer innerhalb des Zweimeterradius einen permanenten Gehörschaden davontragen", so die Forscher. Kein Wunder, dass die LOC-Oberen umgehend Sturm liefen. Die Studie sei "unwissenschaftlich" und könne rein gar nichts beweisen, verkündeten sie. Sprecher Rich Mkhondo sagte: "Das hat mit uns nichts zu tun."

Da allerdings könnte sich der Mann ziemlich täuschen. Nun haben sich nämlich Anwaltskanzleien, südafrikanische wie auch amerikanische, schon mal vorsorglich mit der Sache befasst. Das Spezialgebiet der Johannesburger Juristen sind Prozesse wegen ärztlicher Kunstfehler.

Paul M. Schumacher hat über 20 Jahre als Korrespondent aus Afrika für den "Spiegel"?berichtet. Er lebt heute auf seiner Weinfarm bei Kapstadt.

Hhier finden Sie alle News zur Fußball-Weltmeisterschaft

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