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14.02.10

Fussball

Warum Christoph Daum Mitleid mit dem DFB hat

Christoph Daum gilt als Mann der klaren Worte. Im Interview auf Morgenpost Online spricht der 56-Jährige über seine Zeit als Trainer bei Fenerbahce Istanbul, die Titelchancen seines Ex-Klubs Bayer Leverkusen und den Streit zwischen Bundestrainer Joachim Löw und dem Deutschen Fußball-Bund.

dpa/DPA

Enttäuschung für Christoph Daum: Mit Fenerbahce Istanbul verpasste er am letzten Spieltag den türkischen Meistertitel 2010.

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Morgenpost Online: Der deutsche Fußball war einer großen Zerreißprobe ausgesetzt. Wie haben Sie den Streit zwischen Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff mit der DFB-Spitze erlebt?

Christoph Daum: Ich war erstaunt, dass es soweit gekommen ist. Dabei ist mir noch immer unbegreiflich, wie der DFB es zulassen konnte, dass die ganze Angelegenheit eine so große mediale Aufmerksamkeit bekommen hat. Als weltweit größter Sportverband muss man daran interessiert sein und alles dafür tun, so etwas intern zu klären. Egal, wie kontrovers es bei den Gesprächen zugeht. Der DFB wollte vielleicht Stärke zeigen und seinen Stellenwert gewahrt sehen, was ich absolut verstehen kann. Dennoch ist auch er ein Verlierer.

Morgenpost Online: Warum?

Daum: Weil er sich etwa die Frage gefallen lassen muss, wie Interna nach außen dringen konnten.

Morgenpost Online: In der Öffentlichkeit steht aber Oliver Bierhoff als größter Verlierer da. Einige Kritiker fragen sich, wozu man ihn überhaupt noch braucht?

Daum: Oliver Bierhoff ist enorm wichtig. Auch er hat einen großen Anteil daran, dass sich das Bild der Nationalmannschaft so ins Positive verändert hat. Seine Position, quasi die Schnittstelle zwischen Mannschaft und Verband, ist heutzutage in diesem Geschäft unverzichtbar. Bei all' dem, was auf die Trainer und die Spieler einprasselt, brauchst du jemanden, der dir den Rücken frei hält oder auch mal das Wort ergreift, wenn es unbequem wird.

Morgenpost Online: Der DFB hat die Vertragsgespräche auf die Zeit nach der Weltmeisterschaft vertagt. War es nicht ohnehin ein Fehler, vor dem Turnier in Südafrika über eine mögliche Verlängerung zu sprechen?

Daum: Mag sein. Andererseits sehe ich derzeit absolut keine bessere Alternative zu Löw. Das war ja bislang wohl auch immer die Meinung von Präsident Theo Zwanziger.

Morgenpost Online: Die Beteiligten haben beteuert, im Hinblick auf die WM nun an einem Strang zu ziehen. Sehen Sie den Erfolg durch das Geschehen dennoch in Gefahr?

Daum: Wir müssen doch mal eines festhalten: Das Ganze hat doch nur diese Dimension bekommen, weil es die Mannschaft der Nation ist. Wenn es diese Kontroverse in einem Verein gegeben hätte, hätte vielleicht niemand Notiz davon genommen. Also: Das sind alles Profis, die wissen, worauf es jetzt ankommt. Die werden im Interesse Deutschlands nun alle noch eine Schippe draufpacken und versuchen, so gut zu arbeiten, dass am Ende niemand sagen kann, sie hätten nicht alles für den Erfolg getan.

Morgenpost Online: Es wurde bereits darüber spekuliert, ob Joachim Löw überhaupt noch Lust hat, nach der WM weiter zu arbeiten. Der Bundestrainer war vor allem verärgert darüber, in der Öffentlichkeit als "Raffzahn" da zu stehen.

Daum: Es ist völlig absurd, Joachim Löw in diese Ecke zu stellen, zumal er immer betont hat, Bundestrainer nie des Geldes wegen zu sein. Wenn er gewollt hätte, hätte er doch schon längst für die Zeit nach der WM anderswo als Nationaltrainer anheuern können – und sicherlich für ein Vielfaches von dem Geld, das er beim DFB bekommt. Ich habe das Gefühl, dass einige beim DFB die Marktlage und die Nachfrage nach Nationaltrainern verkennen. Niemand sollte Joachim Löws Stellenwert unterschätzen. Wenn er jetzt noch in Südafrika Erfolg hat, hat er alle Trümpfe in der Hand. Da möchte ich nicht in der Haut des DFB stecken.

Morgenpost Online: Sie arbeiten in der Türkei. Auch dort soll Löw Kandidat für das Amt des Nationaltrainers sein.

Daum: Allerdings. Er war hier ein ganz, ganz heißer Kandidat.

Morgenpost Online: Ein anderes Thema: Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf des 1. FC Köln, den Sie im Juli 2009 verlassen haben?

Daum: Ich sehe eine sehr, sehr gute Entwicklung. Es tut mir Leid für die Mannschaft, dass sie im Pokal ausgeschieden ist. Zumal es beim Spiel in Augsburg einige Entscheidungen gegeben hat, die für mich nicht nachvollziehbar sind. Jetzt geht es für Köln darum, die Klasse zu halten und zu schauen, wie man zusätzliche Einnahmen generieren kann. Denn mit neuem Personal könnten sie sich spielerisch noch verbessern.

Morgenpost Online: Lukas Podolski, an dessen Transfer Sie noch mitgewirkt haben, konnte nach seiner Rückkehr bislang nicht überzeugen.

Daum: Ich behaupte nach wie vor, dass er ein Glücksfall für den 1. FC Köln ist. Aber ich habe schon damals gesagt, dass man ihm Zeit geben muss und er ein Jahr braucht, um wieder richtig in Köln anzukommen. Es war doch klar, dass er Probleme mit der Heilsbringerrolle haben wird. Das war zu viel Last. Lukas wird nur dann eine richtig gute Rolle spielen, wenn man ihm noch zwei, drei Top-Leute mit an die Seite stellt. Dann wird er auch die große Führungs- und Identifikationsfigur.

Morgenpost Online: 2000 haben Sie mit Bayer Leverkusen am letzten Spieltag die Meisterschaft verpasst. Trauen Sie dem Team in dieser Saison den Titel zu?

Daum: Sie haben bislang eine hervorragende Saison gespielt und stehen sensationell gut da. Ich wünsche der Mannschaft die Meisterschaft. Aber es wird schwer. Zum einen sind da die Bayern, zum anderen ist da der Druck. Es wird auch darauf ankommen, ob sie dem standhalten können.

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