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09.02.10

Vancouver 2010

Kirchen protestieren gegen Prostitution

Wenige Tage vor der Eröffnung der olympischen Winterspiele in Vancouver machen die Kirchen eindringlich auf die Gefahren von Prostitution und Menschenhandel aufmerksam. Doch der Aufschrei interessiert das Gewerbe nicht. Die Vorbereitungen auf den Besucheransturm aus aller Welt sind schon fast abgeschlossen

dpa/DPA

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Die Kirchen schlagen Alarm, in den Augen der aufgeregten leichten Damen blitzen bereits die Dollar-Noten, nur die Polizei bleibt vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver ganz cool. "Wir werden während Olympia kein Exempel statuieren und die Prostituierten jagen. Straßenprostitution wird es immer geben. Wir sorgen nur dafür, dass die Frauen und Männer sicher sind. Wir haben eine spezielle Einheit, die seit Jahren sehr eng mit ihnen zusammenarbeitet", sagte Polizistin Lindsey Houghton.

In der 580.000 Einwohner zählenden Stadt Vancouver waren bislang immer rund 2000 Frauen und Männer im horizontalen Gewerbe tätig. Laufhäuser sind in Kanada noch verboten, die nicht strafbare Prostitution wird über Eskort-Service und auf der Straße betrieben. Nach Angaben der Kirchen könnte sich die Nachfrage während Olympia verdoppeln. Ein Großteil der Frauen, Männer und Jugendlichen ab 13 Jahren, die vom Sexgewerbe eingesetzt werden, sollen nach Angaben von Experten Opfer von Menschenhandel sein.

Deshalb laufen die Kirchen wenige Tage vor der Eröffnungsfeier Sturm. "Der Kauf und Verkauf von Menschen untergräbt den olympischen Geist im Kern. Wir beten, dass die Solidarität und der Erfolg der Olympischen Spiele zu neuem Respekt für menschliches Leben weltweit führen", heißt es in einer gemeinsamen Botschaft der anglikanischen und römisch-katholischen Bischöfe. Die sozial und evangelistisch tätige Freikirche will mit Broschüren, Plakaten und ausgebildetem Personal auf die Gefahren von Prostitution und Menschenhandel aufmerksam machen.

Doch der Aufschrei der Kirchen interessiert die Frauen und Männer aus dem Gewerbe nicht. Vielmehr sind die Vorbereitungen auf den Besucheransturm aus aller Welt schon fast abgeschlossen. So ist der berühmteste Stripclub Vancouvers, das Brandi’s, bereits komplett olympisch dekoriert. "Wir haben nur Angst vor der Olympia-Polizei, dass sie uns das alles wieder abhängt. Wir haben ja keine offizielle Lizenz", sagt Besitzerin Brandy Sarionder, die mit einem "nie zuvor gesehenen" Ansturm auf ihr Etablissement rechnet.

Die Eskort-Damen von Kanadas größter Begleit-Service-Agentur "Carman Fox" and Friends freuen sich unterdessen derart auf die Geldbörsen der angeblich so "perversen Engländer und Deutschen", dass sich Agentur-Chefin Fox vor Bewerbungen derzeit kaum retten kann: "Das wird wie Expo auf Steroiden. Es gibt unendlich viele Frauen, die nur wegen der Spiele ’Foxes’ werden und damit Geld verdienen wollen. Sie bewerben sich aus Toronto, aus Edmonton, einfach aus ganz Kanada. Weil es so viele sind, interviewe ich derzeit immer gleich vier auf einmal. Ich werde bis zum Beginn der Spiele sicher noch 30 Frauen einstellen."

Allerdings könnte es auch gut sein, dass sich das kanadische Sexgewerbe zu viel von den Besuchern der Winterspiele verspricht. Studien der letzten Sportgroßveranstaltungen haben gezeigt, dass ein Boom der Prostitution eher ausblieb. So hatten sich bei Olympia 2008 in Peking und insbesondere bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland die Vorhersagen für einen massiven Anstieg der Prostitution nicht erfüllt.

"Olympia ist ein Familien-Event. Ich sehe die Besucher nicht als die typische Sex-Käufer-Gruppe", meinte auch Susie Davis, die derzeit darum kämpft, das erste legale Bordell in Vancouver zu eröffnen.

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