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09.02.10

Sportmedizin

Gendoping lässt sich nicht mehr aufhalten

Ob Sprinter, Kugelstoßer oder Radfahrer: Bisher haben Sportler entweder chemische oder biochemische Methoden genutzt, um ihre Leistung unerlaubt zu steigern. Doch das dürfte sich schon bald ändern: Künftig würden Sportler direkt ihre Erbanlagen manipulieren, warnen Experten. Der Markt sei bereits vorbereitet.

EPA

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Im Kampf um Siege und Rekorde wird es künftig "unausweichlich" zum Gendoping kommen. Davon ist der Vorsitzende der Gendoping-Experten bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), Theodore Friedmann, überzeugt. Mit dem Fortschreiten der Gentherapie werden auch Sportler versuchen, davon zu profitieren. Das schreibt Friedmann in "Science". Er betont, der globale Markt sei bereits darauf vorbereitet, den Bedarf zu decken - auch mit nicht zugelassenen Wirkstoffen.


Bislang haben unehrliche Sportler meist chemische oder biochemische Methoden genutzt, um ihre Leistung unerlaubt zu steigern. Hormone regen das Wachstum an, mehr rote Blutzellen verbessern die Sauerstoffversorgung der Muskeln. Die nötigen Substanzen werden von außerhalb des Körpers zugeführt, also geschluckt oder gespritzt.


Das Gendoping verändert die Aktivität der Erbanlagen im Körper des Sportlers und in der Zukunft womöglich die Gene selbst. Im Reagenzglas ist das routiniert und zielgenau möglich. "Es ist Zeit, zu schauen, wie die Fortschritte der Genetik den Sport auf eine Weise betreffen, wie es vor zehn Jahren noch gar nicht denkbar war", berichtet das Forscherteam, dem neben Friedmann auch Olivier Rabin von der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) in Washington und Mark Frankel von der University of California in La Jolla angehört.


Egal ob bei Sprintern, Kugelstoßern oder Radfahrern: Kräftige Muskeln sind eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Daher sind in diesem Bereich die ersten Doping-Anwendungen zu erwarten. Das lassen auch Ergebnisse eines Teams um Brian Kaspar von der Ohio State University erwarten.


Die Gruppe hatte Affen ein Extra-Gen in die Beinmuskeln gespritzt, die daraufhin tatsächlich zu wachsen begannen. Kaspar hatte damit die natürliche Wachstumsbremse für Muskeln aufgehoben. Er belud Viren mit einer leicht veränderten Variante der menschlichen Erbanlage für das Protein Follistatin. Diese Genfähre wurde in die rechten Beinmuskeln von sechs Makaken gespritzt. Dort schleusten die Viren das neue Gen in Muskelzellen ein, die daraufhin auch Follistatin produzieren. Follistatin schließlich bindet sich ans Protein Myostatin, welches normalerweise das Muskelwachstum bremst. In der gebundenen Form hingegen ist es nicht mehr aktiv, und die Wachstumsbremse funktioniert nicht mehr.


"Wir haben gefunden, dass die (so behandelten) Muskeln einen größeren Umfang bekamen", sagte Kaspar. Zudem hätten Tests gezeigt, dass die Muskeln stärker waren als die nicht behandelten. Ziel der Studie war es nicht, betrügerischen Sportlern zu helfen, sondern Menschen mit Muskelschwund. Koautor Jerry Mendell hielt medizinische Studien mit dem Verfahren bereits im kommenden Sommer für möglich. "Unsere Resultate zeigen, dass eine Therapie mit dem Virus die Muskelmasse erhöhen kann."


Ein weiteres Beispiel für die Schlüsselstellung des Myostatin-Gens ist ein Baby, das vor wenigen Jahren mit einer Mutation dieser Erbanlage in der Berliner Charité zur Welt kam. Es war für sein Alter extrem muskulös. Mit viereinhalb Jahren waren die Muskeln des Jungen doppelt so stark entwickelt wie jene seiner Altersgenossen. An den ausgestreckten Armen konnte er jeweils ein Drei-Kilogramm-Gewicht halten. Forscher um den Berliner Professor Markus Schuelke von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Neurologie fanden bei dem Jungen Defekte gleich in beiden Kopien des Myostatin-Gens. Sonst zeigten sich keine Auffälligkeiten.


Viele weitere Ziele neuer oder veränderter Gene sind denkbar, etwa zur Produktion des blutbildenden Hormons Erythropoietin (Epo). Andere Angriffspunkte sind der Zucker- und Fettstoffwechsel, etwa um die Ausdauer zu steigern.


"Es ist nicht überraschend, dass diese wissenschaftlichen Ansätze auch in der Sportlergemeinde bekannt sind und zum Doping verleiten", so die Forscher. Sie verweisen auch auf den deutschen Trainer Thomas Springstein, der in Verdacht geriet, Gendoping mit dem Präparat Repoxygen angewandt zu haben. Dieses enthält die genetische Information für Erythropoietin. Umgeben ist diese von Viren-Erbgut, damit das Gen auch in die Zellen gelangt.

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