Fünfmal in Folge verloren
Noch hat Werders Krise keine Konsequenzen
Nach der Niederlage in Mönchengladbach ist Werder Bremen seit sieben Partien ohne Sieg und stellte damit den bisherigen Negativ-Rekord von 1998 ein. Trainer Thomas Schaaf steht bei den Hanseaten trotzdem nicht zur Diskussion. Doch aus der Mannschaft kommt Kritik an der Transferpolitik im Winter.
Von Kai Niels Bogena
Frust und Enttäuschung waren Thomas Schaaf deutlich anzusehen. Der Trainer von Werder Bremen verharrte am Sonntagvormittag am Rande des Trainingsplatzes auf dem vereisten Parkplatz am Weserstadion und versuchte die Krise seines Klubs in Worte zu fassen. Sein Team hatte am Vortag beim 3:4 (2:4) bei Borussia Mönchengladbach die fünfte Niederlage in Folge kassiert. Seit sieben Partien ist der Pokalsieger mittlerweile schon ohne Sieg, und stellte damit den bisherigen Negativ-Rekord aus dem Jahr 1998 ein.
Wie Anfänger ließen sich die Norddeutschen in Gladbach auseinander nehmen, bereits nach 18 Minuten führte die Borussia nach Toren von Marco Reus (4.), Roberto Colautti (13.) sowie Raul Bobadilla (18.) mit 3:0. Die Anschluss-Treffer durch Mesut Özil (26.), Claudio Pizarro (40.) und Torsten Frings (85.) kamen jeweils zu spät, weil Bobadilla mit seinem zweiten Tor in der 35. Minute mit dem zwischenzeitlichen 4:1 für die Entscheidung sorgte. Obwohl die Bremer in den Tagen vor der Partie insbesondere robusteres Zweikampfverhalten trainiert hatten, war davon am Niederrhein nichts zu sehen. "Wir haben in der Woche gut gearbeitet", sagte Schaaf, "aber vielleicht hat das die Mannschaft gehemmt – ich weiß es nicht." Dabei hatte er vor der Partie angesagt, was zu tun ist und angeordnet, "hinten sicher zu stehen, um dann kontrolliert nach vorne zu arbeiten". Die Mannschaft ignorierte aber diese Vorgabe, verschob die Viererkette offensiv bis zur Mittellinie und wurde dadurch ausgekontert.
"Wir haben ein katastrophales Defensiv-Verhalten, das man sonst nur von Jugendmannschaften kennt", zürnte Manager Klaus Allofs und gab zu, dass die Ansprachen des Trainers nicht fruchteten. "Wir machen nicht die Dinge, die wir in der Woche trainieren." Zudem bemängelte er, dass man nicht mehr als Mannschaft arbeiten würde. "Jeder kämpft zuerst für sich selbst, keiner hilft. Es ist eine gewisse Verunsicherung da, wir haben den Glauben an uns verloren. Es ist noch nicht beim Letzten angekommen, dass wir nicht nur offensiv denken können."
Konsequenzen für Schaaf, der seinen Vertrag bei Werder vor einem Monat bis zum Jahr 2012 verlängert hat, schloss Allofs allerdings aus. Über den Trainer werde nicht diskutiert, so der Sportdirektor, "denn das sind Dinge, die für uns nicht Frage kommen".
Dies sehen mittlerweile viele Fans anders, die sich online im offiziellen Vereins-Forum gegen Schaaf positionieren. Viele Nutzer werfen Schaaf, der bislang als unantastbar galt, taktische Mängel vor und fragen sich, ob er nach zehn Jahren als Chef-Coach in Bremen sein Team noch erreicht. Ein eventueller Missstand, den der gerade in die Türkei gewechselte Mittelfeldmann Jurica Vranjes vor einigen Tagen anprangerte. Der Kroate bescheinigte Schaaf zwar, "dass es sportlich der beste Trainer war, den ich je hatte, aber menschlich und psychologisch war er eine Katastrophe". Ähnlich sieht es auch Werders linker Außenverteidiger Dusko Tosic, der den Coach vor drei Wochen in einem Interview als "hinterlistig und dickköpfig" abgekanzelt hat.
Dass der Kader in der Winterpause nicht ausreichend verstärkt wurde, treibt einige Akteure zusätzlich um. Mit dem linken, tunesischen Verteidiger Aymen Abdennour wechselte nur ein neuer Spieler an die Weser, obwohl auch dringend ein zusätzlicher Stürmer benötigt wird, der den zuletzt oft verletzten Claudio Pizarro ersetzt. Zwar kritisiert niemand offen die Transferpolitik, aber Nationalkicker Aaron Hunt bestätigt Morgenpost Online: "Ich wundere mich schon, dass da nicht mehr passiert ist. Man sieht doch, was uns an Qualität fehlt, wenn ein Spieler wie Pizarro ausfällt." Über diese Mängel, sowie die eigene Einstellung, will sich das Team wohl in der kommenden Woche in einer Krisensitzung ohne die Verantwortlichen aussprechen.
Um die Probleme im Sturm langfristig zu beheben, haben die Bremer dann gestern noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen und Sandro Wagner von Zweitligist MSV Duisburg verpflichtet. Der U21-Europameister erhielt beim DFB-Pokalsieger einen Vertrag bis 2014. Im Gegenzug leiht Werder Linksverteidiger Dusko Tosic und Angreifer Kevin Schindler bis zum Saisonende an den MSV aus. Schindler spielte zuletzt für Duisburgs Ligarivalen FC Augsburg. "Die Verpflichtung von Wagner ist keine Reaktion auf unsere aktuelle Situation. Es ist ein seit längerer Zeit geplanter Transfer, der eigentlich im Sommer erfolgen sollte. Im Rahmen des Gesamtpaketes haben wir den Wechsel jetzt vorgezogen", sagte Allofs. Aktuell kann der 22 Jahre alte Angreifer Werder ohnehin nicht helfen. Wegen eines Kreuzbandrisses muss Wagner noch bis März pausieren.
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