Heribert Bruchhagen
"Auf Dauer nerven die Attacken von Skibbe"
In Frankfurt hängt der Haussegen schief. Weil Michael Skibbe Neuzugänge verwehrt wurden, sprach der Eintracht-Coach im Trainingslager sogar von Abschied. Auf Morgenpost Online spricht der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, warum es keine Verpflichtungen gibt und die Zukunft von Skibbe.
Von Lars Wallrodt
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Morgenpost Online: Herr Bruchhagen, Ihr Trainer Michael Skibbe monierte jüngst mangelnde Unterstützung aus der Chefetage, weil Sie ihm einige Wunschspieler verweigerten.
Heribert Bruchhagen: Ich bin nicht amüsiert über seine erneute Attacke. Aber andererseits sind wir mit dem sportlich Erreichten sehr zufrieden. Die Tatsache, dass ich seine Wunschspieler Theofanis Gekas, Lincoln und Rafik Djebbour nicht bezahlen konnte und wollte, erfreut den Trainer nicht. Das verstehe ich sogar. Aber er hätte die Dinge natürlich intern ansprechen müssen. Ich war fünf Tage mit im Trainingslager und saß am Tag zuvor mit ihm in der Presserunde. Dort hat er die Probleme nicht angesprochen.
Morgenpost Online: Skibbe äußerte seine Kritik nach einer 0:3-Testspielniederlage gegen den Karlsruher SC. Hat er die Nerven verloren?
Bruchhagen: Er ist sehr emotional, wie man auch nach dem verlorenen Spiel in Leverkusen erkennen konnte (0:4/d.Red.). Ich befürchte natürlich, dass, wenn wir in der Rückserie ein Spiel verlieren, der Eindruck entstehen kann, dass dies der Tatsache geschuldet ist, das kein Stürmer geholt wurde. Dies wäre natürlich nicht richtig.
Morgenpost Online: Aber genau das bemängelt Skibbe.
Bruchhagen: Wir haben ihn damals auch verpflichtet, weil er mir sein Engagement mit der Ausbildung junger Spieler schmackhaft gemacht hat. Ich habe ihm gesagt, dass Eintracht Frankfurt aus der Vergangenheit gelernt hat. Wir haben in den vergangenen sechseinhalb Jahren viel Geld in die AG zurückgeführt, das früher in die Mannschaft gepumpt wurde. Wir sind jetzt schuldenfrei und werden diesen Status nicht mehr verlassen. Wir haben einen Lizenzspieleretat von 25 Millionen Euro, den es einzusetzen und zu verwalten gilt – im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wenn der überschritten ist, machen wir keine Transfers mehr.
Morgenpost Online: Ist auf dieser Basis eine weitere Zusammenarbeit mit Skibbe möglich? Immerhin mokierte er ja mangelnde Unterstützung.
Bruchhagen: Mir gegenüber verhält sich Michael in Gesprächen sehr loyal und wir sind in der Einschätzung komplett beieinander. Ich lasse mich da auch nicht beeinträchtigen. Ich habe in 21 Jahren, in denen ich Fußballmanager bin, meine Trainer bis aufs Blut verteidigt habe und mich erst einmal während der Saison von einem Trainer getrennt. Wenn die Gemeinsamkeiten aufgebraucht waren, habe ich dem Trainer immer die Chance gegeben, zum Saisonende selbst zurückzutreten. Jeder Trainer, mit dem ich zusammengearbeitet habe, wird mir in puncto Loyalität und Kontinuität nichts vorwerfen. Dass ich jetzt vom eigenen Trainer so attackiert werde, ist für mich eine neue Situation. Aber auch das wird nicht dazu führen, dass ich aufgeregt agiere. Auch jetzt sehe ich den sportlichen Ertrag von 24 Punkten aus der Hinrunde, was viel mehr ist, als wir uns erhofft haben. Dass wir es in der Rückrunde durch die Verletzungen von Ioannis Amanatidis (Knorpelschaden im Knie/d.Red.) und Martin Fenin (Leisten-OP/d.Red.) schwerer haben werden, ist uns klar, deshalb habe ich inhaltlich an Skibbes Aussagen auch gar nichts auszusetzen. Aber er hätte sich nicht öffentlich unter dem Aspekt der Klageführung äußern sollen.
Morgenpost Online: Nicht zum ersten Mal.
Bruchhagen: Das ist richtig. Nach Niederlagen holt Michael leider regelmäßig zum großen Schlag aus. Wenn das der Tatsache geschuldet wäre, von der Leistung der Mannschaft abzulenken, könnte ich das ja noch verstehen. Aber auf Dauer nervt das.
Morgenpost Online: Erwägen Sie eine Trennung?
Bruchhagen: Nein, auf keinen Fall! Michael arbeitet gut und hat für unsere Möglichkeiten optimalen Erfolg. Wir sind beim Fußball und ich sehe meine Autorität durch die Trainerattacken nicht gefährdet. Wir stehen weiter sehr gut da und wir denken nicht daran, ihn auszuwechseln. Ihm sind die Auswirkungen seiner Worte erst jetzt richtig bewusst geworden und er hat seine Aussagen relativiert und richtiggestellt.
Morgenpost Online: Aber Skibbe ist seit über zwanzig Jahren im Trainergeschäft. Da geschieht so etwas wohl kaum zufällig.
Bruchhagen: Das stimmt. Michael will sein Image im Sinne von Felix Magath schärfen und tritt eben nicht mehr so verbindlich in Erscheinung wie in der vergangenen Saison.
Morgenpost Online: Gibt’s eine Geldstrafe?
Bruchhagen: Nein, wir haben ihn lediglich noch einmal gebeten, nach der vierten Attacke eine andere Methode wählen, um die Öffentlichkeit auf unsere Probleme aufmerksam zu machen.
Morgenpost Online: Einige Fans werden Skibbes Forderungen nach neuen Stars unterstützen.
Bruchhagen: Ja, er weiß mit seinen Forderungen breite Publikumskreise hinter sich. Wer in der Liga wünscht sich denn schließlich nicht, weiter nach oben zu kommen. Dies gilt für den Vorstandsvorsitzenden genau so wie für den Trainer und den Fan in der Kurve.
Morgenpost Online: Wie lange reicht Ihre Geduld mit ihm?
Bruchhagen: Wenn ein Trainer erfolgreich arbeitet, ist meine Geduld unendlich.
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