Fussball-Bundesliga
HSV besiegt Bremen in Unterzahl – Köln gewinnt
Der Hamburger SV überwintert vor Werder Bremen in der Tabelle. Durch einen verdienten Erfolg im 91. Bundesliga-Nordduell überholte die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia den deutschen Pokalsieger. Dabei spielten die Hausherren lange in Unterzahl. Köln verschaffte sich mit einem Sieg über Nürnberg etwas Luft im Abstiegskampf.
Das 19-Tage-Trauma besiegt, eindrucksvoll Revanche genommen und dem Erzrivalen den Rang abgelaufen: Der Hamburger SV hat eine turbulente Bundesliga-Hinrunde mit einem besonderen Derbysieg abgeschlossen. "Der Stachel hat tief gesessen", sagte Trainer Bruno Labbadia nach dem 2:1 (2:0) gegen Werder Bremen im 91. Nord-Duell - sieben Monate, nachdem die Bremer Hamburgs Titelträume in DFB-Pokal, Uefa-Cup und Bundesliga binnen knapp drei Wochen zerstört hatten.
"Das war heute ein fantastisches Spiel, das i-Tüpfelchen auf der Hinrunde, die für uns extrem war", sagte Labbadia weiter. Sein Team schloss die erste Saisonhälfte trotz erheblicher Personalprobleme als Tabellenvierter ab - drei Punkte und zwei Plätze vor dem Nord-Rivalen. "Bremen ist immer gelobt worden für seine lange Erfolgsserie. Wir haben zwischendurch sieben Spiele in Folge nicht gewonnen, und trotzdem stehen wir jetzt vor ihnen", stellte Labbadia mit Genugtuung fest.
Die Bremer rutschten durch ihre zweite Bundesliga-Pleite in Folge auf den sechsten Platz ab - ein frustrierendes Ende einer eigentlich starken Hinrunde. "Wir liegen jetzt schon viele Punkte hinter dem Ersten", sagte Stürmer Claudio Pizarro und monierte: "Wir hatten heute nicht den nötigen Willen von Anfang an."
Schon früh hatte vor 57.000 Zuschauern in Hamburgs ausverkaufter WM-Arena Joris Mathijsen den HSV in Führung gebracht (9.). Ab der 32. Minute mussten die Hamburger zwar ohne Nationalspieler Jerome Boateng auskommen, der nach einer vermeintlichen Notbremse an Marko Marin von Schiedsrichter Florian Meyer die Rote Karte erhielt. Doch die Gastgeber konterten geschickt und erhöhten durch Marcell Jansen noch vor der Pause auf 2:0 (36.). Naldo gelang in der Nachspielzeit nur noch der Bremer Anschlusstreffer.
"Wir haben zu kopflos gespielt, haben es viel zu kompliziert gestaltet, das ging auf diesem Platz nicht. So sind wir immer angelaufen, ohne Wirkung zu haben. Wir haben das falsche Mittel angewendet", stellte Werder-Trainer Thomas Schaaf fest. Allerdings hatten die Bremer mit drei Lattentreffern auch viel Pech: Naldo (27. ), Aaron Hunt (84.) und Marin (85.) trafen nur Aluminium.
Mit der widrigen Mischung aus Schneefall, Minusgraden und schlechten Bodenverhältnissen kamen die Hamburger zunächst besser zurecht. Nachdem die ersten Offensivversuche der Hamburger noch wirkungslos verpufft waren, traf Abwehrchef Mathijsen nach einer Ecke nahezu unbedrängt per Kopf. Für den Niederländer war es der erste Saisontreffer. In der Folgezeit entwickelte sich eine leidenschaftlich geführte Partie.
Ein Steilpass von Eljero Elia nutzte Jansen zum 2:0, als er den Ball an dem heranstürmenden Torhüter Tim Wiese vorbei ins Tor spitzelte. "Der Gegentreffer in Überzahl war natürlich völlig überflüssig", schimpfte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs schon in der Halbzeit: "Aber man muss sagen, dass der HSV einen Tick aggressiver war als wir."
Mit dem höchsten Saisonsieg hat der 1. FC Köln für Ruhe unterm Tannenbaum gesorgt, aber die Ära Michael Oenning beim 1. FC Nürnberg möglicherweise beendet. Die Mannschaft des ebenfalls zuletzt in die Kritik geratenen FC-Trainers Zvonimir Soldo kam am Sonntag im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres zu einem 3:0 (1:0) gegen den Club und rückte mit nunmehr 18 Punkten nach dem ersten Sieg gegen die Franken seit 16 Jahren auf den zwölften Tabellenplatz vor.
Nach der vierten Pleite in Folge überwintert Nürnberg (12 Punkte), das zuvor sechsmal in Folge gegen Köln gewonnen hatte, auf dem vorletzten Platz. Trotz aller Treuebekundungen im Vorfeld dürfte die Luft für Oenning dünn werden.
Innenverteidiger Pedro Geromel erzielte in der 37. Minute per Kopf das 1:0, für die Entscheidung sorgte Stürmerstar Milivoje Novakovic mit einem Doppelpack (70. und 77.). Für die Kölner war durch die Saisontore 8 bis 10 der Minusrekord von Pleiten-Klub Tasmania Berlin, der 1965/66 in der Hinserie nur 8 Treffer geschossen hatte, kein Thema mehr.
"Wir wollten einen würdigen Abschluss schaffen. Mit diesem 3:0 war es eine ordentliche Hinrunde, auch, weil wir noch im Pokal-Viertelfinale stehen. Am Anfang der Saison haben wir auch gut gespielt, aber die Punkte liegen lassen, die wir jetzt geholt haben", sagte Lukas Podolski, warnte aber auch: "Nach einem Spiel darf man jetzt nicht alles schönreden. Wir hatten auch Heimspiele, die waren grottenschlecht."
Podolski, Vorlagengeber zum 2:0 und seit seiner Rückkehr im Sommer nur einmal in der Liga erfolgreich, musste aber einen weiteren persönlichen Wermutstropfen nehmen. Kölns Publikumsliebling rückte in den Klub der Bundesliga-Angreifer auf, die 1000 oder mehr Minuten am Stück ohne Torerfolg waren. Seine Marke steht nun bei 1061 Minuten. Der Club verlor Juri Judt in der 84. Minute nach wiederholtem Foulspiel zudem durch eine Gelb-Rote Karte.
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