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Eisschnelllauf

Pechstein droht Rückgabe von Olympia-Medaillen

Sollten die Juristen, wie in Fachkreisen vermutet wird, keine formellen Fehler in der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes Cas im Dopingfall Claudia Pechstein finden, bestätigen sie die Sperre. Dann droht der Eisschnellläuferin aus Berlin die Aberkennung all ihrer Olympia-Medaillen.

Die neuesten Grüße bergen die Botschaft einer Drohung. Auf ihrer Website lässt Claudia Pechstein ihre Fans wissen, dass sie gestern sogar nach Salt Lake City geflogen wäre, wenn ihr Eilantrag vom Schweizer Gericht nicht so rasch entschieden worden wäre. „Ein Start, ein Rennen, eine Chance“, räumt sie aber auch ein, „das ist eine Extremsituation, wie ich sie noch nie zuvor erleben musste.“

Offensichtlich will sie trotz der ungünstigen Voraussetzungen, trotz Bestätigung ihrer Zweijahressperre durch das Weltschiedsgericht für Sport Cas und trotz ihrer fehlenden Wettkampfpraxis die Konkurrenz unter Druck setzen, indem sie ihr vormacht, sie hätte Nerven wie Drahtseile: „Zumindest ist es eine schöne Erfahrung, innerlich spüren zu dürfen, dass der Traum von meinen sechsten Olympischen Spielen nach wie vor lebt“, hat Pechstein notiert, „ich hoffe sehr, dass sich daran auch nach dem 3000-m-Rennen nichts geändert haben wird.“

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Die Chronologie im Fall Claudia Pechstein
Der Weltverband ISU macht kühl deutlich, dass er sich zwar an die gerichtliche Verfügung halten wird, Pechstein in Salt Lake City am Freitag (etwa 21.45 Uhr MEZ) über die 3000 Meter starten zu lassen: Gleichzeitig verweist er auf alle Formalien, was unterstreicht, dass niemand wirklich glücklich über die Situation ist. Nur wenn Pechstein mindestens den achten Platz belegt, hätte sie nötige sportliche Qualifikation, um ihren juristischen Kampf fortzusetzen. Keinesfalls, so heißt es bei der ISU, würden Pechstein weitere als gerichtlich erstrittene Startrechte eingeräumt und die Ergebnisse gelten nur vorbehaltlich einer endgültigen Entscheidung der Schweizer Richter in der Hauptsache.

Noch deutlicher formuliert die kanadische Bundestrainerin Ingrid Paul die Lage, in die Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin Pechstein in Salt Lake City geraten ist. Schließlich logiert sie sogar doch noch Downtown im eigentlich ausgebuchten Athletenhotel „Red Lion“. „Ich bin überrascht, dass sie es wagt, hier überhaupt aufzutauchen. Alle werden sie total ignorieren“, sagte die niederländische Ärztin Paul dem Sportinformationsdienst, „meine Athletinnen werden respektlos mit Claudia Pechstein umgehen.“

Auch vom Internationalen Olympischen Komitee droht Pechstein Ungemach. Donnerstagnachmittag schloss dessen Vorstand seine zweitägige Sitzung in Lausanne ab. IOC-Präsident Jacques Rogge reagiert noch zurückhaltend, indem er auf das ausstehende Urteil des Schweizer Gerichts zu Pechstein verweist. Doch sollten die Juristen, wie in Fachkreisen vermutet wird, keine formellen Fehler in der Cas-Entscheidung zu Pechstein finden und sie bestätigen, droht Pechstein die Aberkennung olympischer Medaillen.

Für den Fall will Rogge die in Deutschland folgenden Untersuchungen abwarten. „Anschließend werden wir auch auf deren Grundlage beraten. Ich werde gegebenenfalls eine Disziplinarkommission einsetzen, die sich mit dem Fall beschäftigt, ähnlich wie es im Fall des Radrennstalls Telekom/T-Mobile und Jan Ullrich oder Balco geschehen ist“, sagte der IOC-Chef Morgenpost Online. „Wir müssen dabei genau darauf achten, wann das angewandte Protokoll zum Langzeitblutprofil von der ISU zugelassen worden ist. Wir können nur Konsequenzen für den Zeitraum ab der Zulassung ziehen, ab dem auch die Athleten wie Pechstein Kenntnis von der Zulassung ihrer Blutprofile bekommen konnten. Sollten Pechstein in der Zeit ab der Zulassung des Protokolls abnormale Blutwerte nachgewiesen worden sein und Olympische Spiele in jenem Zeitraum gelegen haben, werden wir die Aberkennung der Medaillen prüfen. Alles hängt auch davon ab, wie schnell wir diese Informationen von der ISU bekommen."

Der Prozess verlaufe also sehr logisch, so Rogge: „Der Verband gibt seine Entscheidung bekannt, ab wann Blutprofile zum Antidopingkampf zählen. Unsere Disziplinarkommission schaut, in welchen Perioden die Werte abnormal waren und ob olympische Medaillen in der Zeit gewonnen wurden.“



Erschienen am 10.12.2009

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