Ski alpin
Kathrin Hölzl ist die deutsche Olympia-Hoffnung
Montag, 8. Februar 2010 12:25Mit ihrem ersten Weltcup-Sieg in Aspen lieferte Kathrin Hölzl den vielleicht letzten noch fehlenden Nachweis, dass sie derzeit zu den Größten in ihrer Spezialdisziplin Riesenslalom zählt. Bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Vancouver zählt sie zu den wenigen deutschen alpinen Medaillenhoffnungen.

Zur Feier des Tages genehmigte sich die Zollbeamtin aus Berchtesgaden eine Flasche Bier. Kathrin Hölzl, Spitzname „Woodl“, bewies mit ihrem ersten Weltcupsieg im Riesenslalom, dass die Hoffnungen der Alpinen auf einen Erfolg bei den Olympischen Spielen nicht allein auf Maria Riesch liegen.
Die nur 1,63 Meter große Skirennläuferin lieferte in Aspen/USA den vielleicht letzten noch fehlenden Nachweis, dass sie derzeit zu den Größten in ihrer Spezialdisziplin zählt. Und sie räumte Zweifel aus, dass der WM-Sieg vor neun Monaten ein einmaliges Leistungshoch war. „Das war sehr wichtig für mich“, gestand Hölzl, die das schwere Rennen „mit viel Selbstvertrauen“ angegangen war. Sie siegte vor Kombinations-Weltmeisterin Kathrin Zettel aus Österreich und der italienischen Überraschungsdritten Federica Brignone.
„Es war immer mein Traum, ein Rennen im Weltcup zu gewinnen“, jubilierte Hölzl, die zudem eine Prämie von 23.250 Euro kassierte. „Als ich über die Ziellinie gefahren bin, dachte ich: Bitte, bitte, bitte, hoffentlich hat’s gereicht. Dann habe ich gesehen: Hölzl, Erste! Da ist mir ein Riesenfels vom Herzen gefallen“, sagte sie über den Moment des Glücks, dem ein spitzer Schrei und wildes Gefuchtel mit den Skistöcken folgten.Ganz nebenbei beendete die 25-Jährige auf der pickelhart gefrorenen Piste „Ruthie’s Run“ noch die sechsjährige Erfolglosigkeit der Deutschen im Riesenslalom; als letzte Athletin des Deutschen Skiverbandes (DSV) war Martina Ertl im Oktober 2003 in Sölden bei einem Weltcup-Riesenslalom die Schnellste gewesen. Die anderen Deutschen blieben in Aspen etwas hinter den Erwartungen zurück. Viktoria Rebensburg (Kreuth) und Maria Riesch aus Partenkirchen kamen auf die Ränge 10 und 14. Dennoch konnte sich der deutsche Skistar mit der Teamgefährtin freuen, spürte gar „eine Riesenfreude“ mit der Zimmerkollegin. „Es ist gut, wenn der ganze Druck nicht nur auf meinen Schultern liegt“, sagte Riesch.
Wie im Frühjahr bei Hölzls Überraschungserfolg in Frankreich herrschten auch im US-Bundesstaat Colorado schwere Bedingungen auf der hart gefrorenen Strecke. „Das war am Limit und selbst mir zu eisig. Deshalb habe ich meinem Servicemann gesagt, er soll die Ski so scharf machen, wie es geht“, sagte Hölzl über ihr Erfolgsrezept.
Die Paradetechnikerin blickte dagegen schon mal Richtung Winterspiele in Vancouver, blieb aber zurückhaltend. „In dieser Saison ist mir wichtig, dass ich nicht immer nur um Platz sieben herum fahre, sondern wirklich top bin – und zwar konstant. Ganz besonders wichtig wäre das im Februar. Die Olympischen Spiele sind ein absolutes Highlight für mich. Da will ich meine besten Leistungen zeigen.“
In Vancouver hat Felix Neureuther nur im Slalom Medaillenchancen, das stellte sich spätestens an diesem Wochenende heraus. Bis zu den Winterspielen will der 25-Jährige aber seine Kombinationsfertigkeiten noch verbessern, weil die Slalomfahrer gegenüber den Speedathleten dort im Vorteil sind. „Die Kombination ist meine zweitgrößte Chance, eine Medaille zu gewinnen“, sagte Neureuther, der als 43. seine Abfahrtspremiere in Lake Louise beendete. Nicht zufriedenstellend war für den DSV, dass beim Sieg des Schweizers Didier Cuche auch Andreas Strodl (37.), der am Rücken angeschlagene Stephan Keppler (38.), Tobias Stechert (44.) und Peter Strodl (63.) die Punkte verpassten.
Schlimm erwischte es Thomas Lanning. Im ersten Rennen seit seinem Kreuzbandriss im Januar fädelte der 25 Jahre alte Amerikaner bei hohem Tempo ein und landete mehr als 200 Meter später mit einem total verdrehte linken Bein im Sicherheitsnetz. Lanning schrie vor Schmerzen und wurde mit dem Hubschrauber abtransportiert. Der Arzt des US-Teams bestätigte zunächst lediglich eine Verletzung des linken Knies.WONErschienen am 29.11.2009


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