Fussball-Bundesliga
Leverkusen verteidigt Tabellenführung in München
Bayern München hat den erhofften Befreiungsschlag verpasst. Gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen kam der deutsche Rekordmeister nur zu einem Unentschieden. Damit verteidigte das Team von Trainer Jupp Heynckes seinen Platz an der Spitze. Vor Louis van Gaal hingegen liegen weiterhin schwierige Zeiten.
Von Anja Schramm
Hamburger SV - VfL Bochum 0:1 (0:0)
HSV-Trainer Bruno Labbadia war nicht zu beneiden, denn gegen Bochum standen ihm nur 13 einsatzfähige Spieler zur Verfügung.
Es war Schlimmes zu erwarten, als kurz nach dem Abpfiff die gesamte Führungsarmada des FC Bayern schnurstracks in der Umkleidekabine der Mannschaft einlief. Denn drinnen war der Trainer Louis van Gaal, seiner erfolglosen Arbeit dürfte in erster Linie das Kopfschütteln und die ernsten Mienen der Mächtigen gegolten haben. Nach ein paar Minuten kamen Manager Uli Hoeneß und der Finanzvorstand Karl Hopfner wieder raus. Nur Klubchef Karl-Heinz Rummenigge blieb länger.
Hoeneß sagte, es gebe nichts Berichtenswertes und entschwand. Rummenigge dagegen stellte sich nach dem 1:1 (1:1) gegen Tabellenführer Bayern Leverkusen, auch im Namen seines enteilten Vorstandskollegen. Er sagte: "Leider ist uns der von Uli Hoeneß gewünschte Befreiungsschlag nicht gelungen. Wir müssen die Dinge jetzt rational sehen und nicht emotional." Es war ein Satz, der auch gut den Anfang vom Ende des kurzen und unerquicklichen Wirkens Louis van Gaals einleiten könnte.
Zuvor schon hatte sich der Unmut der Zuschauer entladen. Die Bayern-Anhänger unter den 69.000 Fans in der Arena pfiffen ihre Mannschaft aus, und für van Gaal dürfte es vielleicht das letzte Konzert von den Rängen gewesen sein. Gegen Leverkusen konnte er seine Mannschaft wieder nicht zum Erfolg bringen und muss nun weiter um seinen Job bangen. Wie er die Diskussion um seine Person sehe, wurde van Gaal gefragt. "Das ist nicht meine Entscheidung. Ich muss mich mit der Mannschaft beschäftigen, nicht damit", sagte er. Van Gaal sagte auch, dass in der ersten Hälfte "ein FC Bayern ohne Selbstvertrauen" zu sehen gewesen sei. Es war ein Armutszeugnis für sein Team – aber auch für ihn selbst.
Am Mittwoch steht die Partie in der Champions League gegen Maccabi Haifa an, zwei Tage später folgt die Mitgliederversammlung des FC Bayern München. Es dürften stürmische Tage für van Gaal werden. "Keiner von uns ist zufrieden, wir wollten unbedingt gewinnen", sagte Bayerns Torschütze Mario Gomez. "Letztendlich haben wir aber auch nicht ganz so gut gespielt."
Die Bedeutung der Partie hatten der scheidende Manager Uli Hoeneß und Präsident Franz Beckenbauer schon weit vor dem Anpfiff kundgetan und auch Trainer van Gaal nicht von ihrer Kritik ausgenommen. "So ein großes Unternehmen, wie es der FC Bayern geworden ist, lässt sich nicht mehr allein von einer Person führen. Louis van Gaal ist der Meinung, dass er alles selbst regeln muss", sagte Hoeneß.
Und Chef Beckenbauer fügte hinzu, dass der 58 Jahre alte Trainer lernen müsse, "Vertrauen und Verantwortung zu delegieren". Er wolle in der Öffentlichkeit die unterhaltsame Seite nicht zeigen, "weil er gerne als Autoritätsperson dasteht". Eine Botschaft, die auch beim Coach angekommen war. "Ich muss etwas leisten. Denn wenn ich nichts leiste, werde ich entlassen. Wir müssen gewinnen. Der Klub braucht Erfolge – aber der Trainer auch", sagte Louis van Gaal.
Es begann auch verheißungsvoll. Miroslav Klose hatte den Ball zu Mario Gomez gespitzelt, der wunderbar per Außenrist zum 1:0 vollendete (8.). Der Jubel führte Gomez nach einem 50-Meter-Lauf in die Arme von – nein, nicht Trainer van Gaal, sondern Auswechselspieler Andreas Ottl. Allerdings währte die Freude der Münchener Fans in der ausverkauften Arena über den stürmischen Beginn und die rasche Führung ganze sechs Minuten. Dann vertändelte Gomez den Ball, Arturo Vidal schlug einen langen Pass auf Stefan Kießling, der gekonnt in die lange Ecke zum 1:1 traf. Bayerns Abwehrchef Daniel van Buyten sah in dieser Szene aus wie ein Jugendspieler. Erst verschätzte er sich beim langen Pass auf Kießling, dann ließ er sich vom Nationalspieler vor dessen Torschuss auch noch naiv verladen. Es war eine Szene mit Symbolwert: Phasenweise hatte sich der große FC Bayern von den agilen Leverkusenern vorführen lassen.
Das konnte nicht so durchgehen, und deswegen tat sich sich wieder einmal Verteidiger Philipp Lahm als Chefkritiker hervor, mit Gruß an die Kollegen in der Offensive. "Was wir im letzten Drittel des Spielfeldes tun, ist einfach nicht gut", schimpfte er, "das müssen wir ändern. Man hat ja gesehen, dass unser Spiel krankt. Wenn man als FC Bayern Siebter ist, kann man nicht zufrieden sein. Wir wollen ganz nach oben. Aber so bekommen wir ganz große Probleme." Gleiches gilt auch für Louis van Gaal.
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