Nach Robert Enkes Selbstmord
Hannovers trauriger Weg zurück in die Normalität
Samstag, 30. Januar 2010 14:34 - Von Christian OttoNach dem Selbstmord von Robert Enke steht Hannover vor dem Balanceakt zwischen Trauer und Bundesliga-Normalität. "Es wird sicher eine ganze Weile dauern, bis der Spaß an der Arbeit wiederkommt", weiß Christian Schulz. Gegen Schalke werden die Niedersachsen mit einem besonderen Trikot auflaufen.

Sie traten diese traurige Dienstreise ohne ihren Seelsorger an. Die Fußballprofis von Hannover 96, die kurz nach dem Selbstmord von Robert Enke noch mit Pastor Michael Hartlieb in der Umkleidekabine gebetet hatten, vertrauen nach dem tragischen Tod des Nationalspielers wieder auf die heilenden Kräfte eines Fußballteams. „Die Mannschaft ist im Moment der richtige Ansprechpartner“, sagt Verteidiger Christian Schulz vor der Partie bei Schalke 04, der ersten Pflichtaufgabe nach dem Tod Robert Enkes.
„Fußball ist unser Job. Das ist das, was wir am besten können“, findet Spielmacher Arnold Bruggink, der die Kapitänsbinde des verstorbenen Enke übernimmt. Sie wählen diese Art, die Trauer um ihren geliebten und verehrten Torwart zu verarbeiten, weil alle im Team der Meinung sind, dass Enke selbst es sich so gewünscht hätte. „Wir lieben diesen Fußball und sind von ihm fasziniert. Und das war Robert auch“, sagt Trainer Andreas Bergmann.
Fromlowitz im Blickpunkt
Anfang der Woche waren sie noch mit hängenden Köpfen auf den Trainingsplatz geschlichen. Aber je näher der Pflichttermin in Gelsenkirchen rückte, desto häufiger war ein Lachen auf dem Platz zu hören und ein erstes Stück Normalität zu spüren. „Die Schalker werden nicht behutsam mit uns umgehen. Und das möchten wir auch nicht“, sagt Bergmann, dessen Team in speziell angefertigten Trikots mit der Nummer „1“ spielt.Vor allem Florian Fromlowitz, der im 96-Tor das Erbe von Enke antritt, wird im Blickpunkt stehen. Die ganze Woche über waren die Kameras und Objektive auf ihn gerichtet. „Wir sind nur Menschen. Aber wir müssen uns der Situationen stellen und Stärke zeigen“, sagt der 23-Jährige. Der wegen einiger exzentrischer Auftritte früher belächelte Jungprofi versucht, bei der Arbeit eine Ruhe und Souveränität auszustrahlen, die er sich erst als Reservist an der Seite des besonnenen Enke erarbeitet hat. „Ich weiß, dass viele Leute auf mich schauen werden“, sagt Fromlowitz.
Die Hilfe von Seelsorgern oder Psychologen in Anspruch zu nehmen, scheint aber im Moment für keinen der Spieler in Hannover die richtige Lösung zu sein. „Mit dem Seelsorger, der uns allen zur Verfügung steht, hat der Verein eine Anlaufstelle geschaffen. Aber wir überlassen es jedem selbst, ob er diese Hilfe in Anspruch nimmt“, sagt 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke. Von seinem Büro sah der ehemalige Torhüter auch in den vergangenen Tagen immer wieder Fans zum Stadion kommen und sie vor dem Meer von Blumen stehen. Rund 3000 Anhänger aus der Region Hannover wollen ihr Team heute unterstützen. .Erschienen am 21.11.2009


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