Gegen Leverkusen
Bayern-Trainer van Gaal bangt um seinen Job
Mittwoch, 25. November 2009 21:40 - Von Anja SchrammDie Ergebnisse und Leistungen der letzten Wochen waren alles andere als erfreulich. Mit dem Spiel gegen Bayer Leverkusen beginnt für Bayern München und seinen Trainer Louis van Gaal die Woche der Wahrheit. "Ich muss etwas leisten. Denn wenn ich nichts leiste, werde ich entlassen", weiß der Niederländer.

Dort hatten sich die Verantwortlichen des FC Bayern München recht umfangreich geäußert zur Situation im Klub, zur eigenen Gemütslage, zu den Anforderungen an den bislang erfolglosen Trainer. Und es bedurfte keiner hochschulreifen Deutschkenntnisse, um herauszulesen, dass die kommenden Tage für van Gaal Schicksalstage werden können.
Am Sonntag (15.30 Uhr) empfangen die Münchner Tabellenführer Bayern Leverkusen, drei Tage später in der Champions League Maccabi Haifa. Und am kommenden Freitag findet die Jahreshauptversammlung statt. Wegen des erwarteten Andrangs haben sie sie extra in die große Messehalle am Stadtrand verlegt, ein Spektakel mit Eventcharakter ist geplant, das gefeierte Ende einer Ära. Franz Beckenbauer tritt als Präsident ab, Uli Hoeneß wird nach 30 Managerjahren auf Beckenbauers Posten gehievt. Und Schatzmeister Karl Hopfner wird wirtschaftlich beeindruckende Zahlen verlesen, die Verlängerung mit Hauptsponsor Telekom bis 2013 etwa und den Einstieg von Audi, dem zweiten strategischen Partner.Das alles spült frische Millionen in die Kassen des Rekordmeisters. Doch der sportliche Erfolg bleibt nun schon länger aus. Die Münchner sind Achter in der Bundesliga, in der Champions League ist das Vorrunden-Aus kaum noch abzuwenden. Und wie üblich geht es in so einer Situation um den Verbleib des Trainers.
Nun bieten diese Tage zweierlei Möglichkeiten für Louis van Gaal. Im besten Fall kann die kommende Woche jenen Orkan der Unruhe abflauen lassen. „Ich spüre die Rückendeckung. Aber ich weiß, dass ich auch Erfolg brauche. Der ganze Verein braucht Erfolg, der Trainer, die Spieler“, sagte van Gaal. „Ich muss etwas leisten. Denn wenn ich nichts leiste, werde ich entlassen.“
Nicht mehr im Gleichschritt
Beim obligatorischen Pressetermin am Freitagmittag jedenfalls wahrte er optische Distanz. Und das ist erwähnenswert bei van Gaal, dem Dresscodefanatiker. Er erschien weder im Ausgehanzug, noch in der Bayern-Trainingskluft, jener Kleidung, die er bei solchen Terminen zu tragen pflegt. Er parlierte im hellgrauen Wollsakko und beigefarbener Krawatte. Es mag Zufall gewesen sein, aber es passte zum Eindruck der vergangenen Wochen, dass Vereinsspitze und van Gaal nicht mehr im Gleichschritt gehen.
Es war deutliche und recht unverblümte Kritik. Van Gaal sagt, er spreche jede Woche mit dem Vorstand. „Ich weiß alles, was sie fühlen und was sie denken.“ Man habe ein offenes und ehrliches Verhältnis. Und dennoch hat es ihm missfallen, dass er öffentlich so angegangen wurde. Das sagte er zwar so nicht. Aber man konnte es heraushören. „Ich rede nicht in der Öffentlichkeit. Ich diskutiere nicht über meine Gespräche mit dem Vorstand. Und ich diskutiere auch nicht über die Kritik des Vorstandes.“ Er bespreche alles mit seinem Stab. „Die Kommunikation muss intern bleiben.“ Das waren van Gaals Worte. Jene Einstellung hat er beim FC Bayern derzeit aber exklusiv.
"Alles steht und fällt mit diesem Ergebnis“
Sportlich geben die Münchner ein fragiles Gebilde ab, das jederzeit droht auseinanderzubrechen. Erst die fundamentale Kritik von Philipp Lahm, dann Luca Tonis Bekenntnis auf seiner Homepage, ein angespanntes Verhältnis zu van Gaal zu haben. Jener führte die Privatfehde am Freitag fort und sagte, dass es „schwierig mit Toni ist“. Und so wirkte es wie eine Retourkutsche für Tonis Affront als van Gaal offen ließ, ob er den Stürmer überhaupt in den Kader berufen werde. Er habe zwar sehr gut trainiert. „Aber das hängt davon ab, wie fit die anderen sind.“
In der Länderspielpause gab nun auch noch Kapitän Mark van Bommel in den Niederlanden ein Interview. Er, ein bekennender van-Gaal-Befürworter, lobte den Trainer, sagte aber auch: „Alles steht und fällt mit diesem Ergebnis.“ Er meinte das Leverkusen-Spiel am Sonntag. Am Freitag sah sich van Bommel zwar bemüßigt, vor die Presse zu treten und zu revidieren. „Es wird suggeriert, dass der Trainer gefeuert wird, wenn wir am Sonntag verlieren. Das habe ich aber nicht gesagt.“
Doch auch ohne van Bommels Rückzieher haben sie die Partie gegen Leverkusen zum „Spiel der Spiele“ (Hoeneß) auserkoren. „Wir müssen einen Befreiungsschlag erringen“, appellierte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Was sonst passiert, weiß van Gaal. Er kennt die Gesetzmäßigkeiten der Branche. Es wäre der für ihn schlechteste Ausgang einer Woche, die in München mal wieder als Woche der Entscheidung firmiert.





















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