Fußball-Wettskandal
Robert Hoyzers kurzer Traum vom Reichtum
Der Berliner Bundesliga-Schiedsrichter stand im Mittelpunkt des ersten Wettskandals im Fußball. Zunächst lief alles prächtig für Robert Hoyzer. Bis er sich tief und tiefer in das Geflecht von Kumpanei, Großmannssucht und schließlich Betrug verwickelte.
Von Jens Anker
Robert Hoyzer wurde den Brüdern Ante und Milan S. auf dem Silbertablett präsentiert. Der aufstrebende Schiedsrichter aus Spandau besuchte zusammen mit einigen seiner Kollegen regelmäßig das berüchtigte Café King in der Charlottenburger Rankestraße, nahe dem Kurfürstendamm. Aus den feuchtfröhlichen Abenden wurde schnell mehr. Am Ende nahm der bislang größte Wettskandal Deutschlands hier seinen Anfang.
Robert Hoyzer spielte dabei eine zentrale Rolle. Trotz der monatelangen Ermittlungen blieb bis zuletzt allerdings unklar, ob die beiden Brüder Hoyzer zum Betrug drängten oder ob er sich regelrecht aufdrängte, die Spielmanipulationen vorzunehmen.
Zweifellos war Hoyzer es jedoch, der den Mythos des unparteilichen Spiellenkers im deutschen Fußball erschütterte. Hoyzer hatte gestanden, in der Saison 2004/05 etliche Spiele des DFB-Pokals, der Zweiten Liga und der Regionalliga manipuliert zu haben. Im Gegenzug erhielt er von den Betrügern einige Tausend Euro und einen Flachbildschirm. Sie selbst gewannen dadurch bei mehreren Wetten einen Millionenbetrag. Im November 2005 verurteilte das Landgericht Berlin Hoyzer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen Beihilfe zum Betrug.
Geltungssucht und Kumpanei
Wie konnte es so weit kommen? Vermutlich weiß auch nach all den Jahren Robert Hoyzer es selbst nicht so recht. Der stattliche junge Mann galt als einer der talentiertesten Nachwuchsschiedsrichter Deutschlands. Schnell machte er in den Kadern des DFB Karriere. Unmittelbar vor seiner Verstrickung in den Wettskandal leitete er schon Spiele der Zweiten Liga. Es schien nur eine Frage der Zeit, wann Hoyzer sein Debüt in der Bundesliga geben würde.
Es lief prächtig für den heute 30-Jährigen, bis er sich tief und tiefer in das Geflecht von Kumpanei, Großmannssucht und schließlich Betrug verwickelte.
Das erste Spiel manipulierte Hoyzer im Sommer 2004. Es handelte sich um die Regionalligapartie zwischen dem Wuppertaler SV und Werder Bremen II. Davor hatten die Brüder bereits Spieler bestochen, um möglichst hohe Wettgewinne zu erzielen, mit eher mäßigem Gewinn. Viel erfolgversprechender war dagegen, einen Schiedsrichter auf seiner Seite zu haben, der viel größere Möglichkeiten hat, das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken.
Eine Woche zuvor war der Versuch gescheitert, die Partie Paderborn gegen Wuppertal zu manipulieren. Hoyzer pfiff zwar in der ersten Halbzeit einen Elfmeter, musste diesen jedoch nach heftigem Widerspruch seiner Linienrichterin Inka Müller zurücknehmen. Seine Auftraggeber hatten auf eine Halbzeitführung gewettet, Hoyzer gab daraufhin die vorab gezahlten 8000 Euro an die Brüder zurück.
Einen Volltreffer landeten sie dagegen beim DFB-Pokalspiel Paderborn gegen den Hamburger SV. Schiedsrichter der Partie: Robert Hoyzer. Der Bundesligist HSV verlor das Spiel nach einer 2:0-Führung noch 2:4. Hoyzer gab dabei zwei unberechtigte Foulelfmeter für Paderborn und verhängte darüber hinaus für den Hamburger Emile Mpenza eine Rote Karte. Die Brüder waren begeistert. Statt der in Aussicht gestellten 18.000 Euro übergaben sie Hoyzer 20.000. Sie selbst hatten mehr als 160 Wettscheine bei verschiedenen Wettbüros abgegeben und strichen knapp 800.000 Euro für den manipulierten Sieg Paderborns ein.
Festnahme im Februar
Zum Verhängnis wurde Hoyzer schließlich sein Geltungsdrang. Gegenüber Schiedsrichterkollegen machte er Andeutungen über sein betrügerisches Handeln. Die Schiedsrichter wandten sich an den DFB, der Stein der Aufklärung kam ins Rollen. Am 12. Februar 2005 wurde Hoyzer vorläufig festgenommen.
Im November desselben Jahres verurteilte das Berliner Landgericht Milan und Ante S. und Hoyzer zu Haftstrafen. Hoyzer trat seine Strafe im Jahr 2007 im offenen Vollzug an und wurde nach Verbüßung der Hälfte vorzeitig aus der Haft entlassen. Er lebt in Berlin.
Was ihm blieb, sind seine Freunde, die weitgehend zu ihm gehalten haben und ihm während der Zeit des größten öffentlichen Trubels Unterschlupf gewährten. Dem Fußball ist er treu geblieben. Noch immer kickt Hoyzer in der Evangelischen Kirchenliga für die Mannschaft von Lichtenrade Nord, die regelmäßig um die Berliner Meisterschaft mitspielt. Kontakt zu den kroatischen Brüdern hat der ehemalige Schiedsrichter seit der Festnahme nicht mehr. Der DFB hat ihn lebenslang gesperrt.
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