Ski alpin
Maria Riesch feiert ihren zwölften Weltcup-Sieg
Sonntag, 10. Januar 2010 16:15 - Von Jens HungermannMaria Riesch hat den ersten Slalom der alpinen Weltcup-Saison gewonnen. Sie siegte in Levi vor Lindsey Vonn – es war der zwölfte Erfolg ihrer Karriere. Sie profitiert von neuen Strukturen und den Rivalinnen im eigenen Lager: Ihre Schwester Susanne, Katharina Dürr und Fanny Chmelar sorgten für ein starkes DSV-Ergebnis.
Und schon steckt Mathias Berthold, 44, in einer Zwickmühle. Natürlich erfreut den Ski-Bundestrainer das Ergebnis seiner Slalomfahrerinnen in Levi/Finnland. Maria Riesch, 24, im ersten Weltcup-Rennen in ihrer liebsten Disziplin gleich auf Platz eins, dahinter drei Deutsche – Susanne Riesch (4.), Katharina Dürr (7.) und Fanny Chmelar (9.) unter den besten zehn – so was kommt ja nicht alle Tage vor, auch wenn klar war: Die Mannschaft ist stark. Sehr stark.
„Mein Herz lacht“, sagte Berthold also und lächelte leicht gequält, „aber es ist fast ein bisschen zu einfach gegangen.“ Maria Riesch hatte unterm diesigen Nachmittagshimmel schon im ersten Durchgang Bestzeit vorgelegt und auch im zweiten die Amerikanerin Lindsey Vonn (0,08 Sekunden zurück) auf Distanz gehalten. Eine Neuauflage des Duells der Freundinnen vom vergangenen Winter deutet sich an.
Maria Riesch wusste dabei auch nicht, „wie ich das geschafft habe. Es gibt Orte, da läuft’s immer gut, und da gehört Levi dazu. Jetzt ist es mit Blick auf Vancouver gut zu wissen, dass ich bereits eine richtig gute Form habe. Ich hatte aber im Leben nicht damit gerechnet, hier das erste Rennen zu gewinnen. Es lief nicht gut zuletzt im Training.“Bei ihrem zwölften Weltcuperfolg profitierte Deutschlands beste Skirennläuferin nicht nur von ihren angenehmen Erfahrungen vor Ort, sondern auch von einer herzlich-antreibenden Rivalität innerhalb der Frauenmannschaft. In der Vorbereitung auf die wichtige Olympiasaison hatte der Deutsche Skiverband (DSV) fünf Frauen in einen Top-Kader zusammengezogen, mit der älteren der auf Stangenwälder spezialisierten Riesch-Schwestern an der Spitze. „Im Slalom haben wir eine sehr starke Mannschaft hinter den beiden“, sagt Bundestrainer Berthold: „Im Training gibt Maria zwar die Rangordnung vor, andere haben aber aufgeschlossen, ihr teilweise sehr zugesetzt.“ Zuvorderst ihre Schwester Susanne, 21.
Auf den Ausgang familieninterner Duelle mag die zwar noch nicht wetten („Die kann man gern mal auszählen, wenn ich demnächst hoffentlich bessere Startnummern kriege“), doch es kommt inzwischen immer öfter vor, dass „Maria mich, wenn ich eine brutal gute Slalomform habe, fragt: ‚Du, wie machste das?‘“ Dabei ist Maria Riesch ja die Weltmeisterin.
Glaubt man ihren Teamkolleginnen und ihr selbst, lässt die Gesamtweltcupzweite der vergangenen Saison es die anderen nicht spüren. „Von Sonderrolle kann man nicht sprechen“, findet Riesch, „durch die kleinen Teams ist aber alles sehr individuell abgestimmt. Durch meine vielen Termine gilt es, die richtige Mischung zu finden. Aber das Training geht immer vor.“
Von der gerade erst 20 Jahre alt gewordenen, mehrfachen Junioren-Weltmeisterin und Riesenslalom-Spezialistin kann sich gar Maria Riesch einiges abschauen. Rebensburg ist inzwischen selbstbewusst genug zu sagen: „Die Idolfunktion ist bei vielen verloren gegangen oder nicht mehr so extrem, weil man ja jeden Tag mit ihnen unterwegs ist. Auch sie haben ihre Stärken und Schwächen.“
Zu den Schwächen der erfolgreichsten Allrounderin der vergangenen Jahre zählt nach wie vor der Riesenslalom – wenngleich Maria Riesch daran nun wirklich nicht gemessen wird. Gestern beeindruckte die hoch aufgeschossene Garmisch-Partenkirchnerin einmal mehr mit ihrem flüssigen Slalomschwung, ihrer Konstanz und hervorragenden Nerven, als sie Vonns hervorragende Zeit als letzte Starterin konterte.
Diese Woche wird Riesch nun zwei oder drei Tage trainieren, Freitag reist sie dann zu einem Slalom-Showrennen nach Moskau. Sonntag geht es zurück in die Heimat und anschließend Montag nach Nordamerika, wo die Rennen in Aspen (USA) und Lake Louis (Kanada) anstehen.
Berthold warnt vor zu hohen Erwartungen
Schon mahnt Berthold vor überzogenen Erwartungen an seine junge, erfolgshungrige Frauen-Truppe, die den Männern im DSV längst den Rang abgelaufen hat. „Levi war erst das erste Rennen. Wie dürfen uns nicht auf eine Welle begeben und denken, das klappt alles“, sagte der Österreicher, der 1993 just in Aspen Slalom-Weltmeister wurde.
Seine Vorwegläuferin dürfte dieser Gefahr kaum ausgesetzt sein. Schließlich hat Maria Riesch im vergangenen Winter erfahren, was es heißt, als Favoritin zu einem Großereignis zu reisen und nach Formkrise und Sturz bis zum Schluss um die ersehnte Medaille zu bibbern: Bei der Val d’Isère klappte es erst im letzten Rennen – dem Slalom-Wettbewerb, wo sonst?
Sie habe aus Val d’Isère einiges gelernt, sagt Riesch heute: „Dass ich die Nerven behalten kann, auch wenn alles gegen mich spricht. Dass ich auf meine Stärken vertrauen kann, selbst wenn ich selber nicht ganz daran glaube. Und dass ich auch im letzten Rennen noch meine Leistung abrufen kann.“ Es hat sie gestärkt, glaubt sie. Möglicherweise ja auch für den ungewohnten internen Konkurrenzkampf, in dem sie ihren Status nun vehementer zu verteidigen hat als früher.
Am Samstag lösten die deutschen Skiläuferinnen weitere drei Olympiatickets, darunter völlig überraschend Katharina Dürr („Der Hammer!“). Für Bundestrainer Berthold wird es mit Blick auf die begrenzte Zahl Startplätze in Vancouver absehbar knifflig werden. Er sagte: „Ich habe mir erwartet oder erhofft, dass wir ein Problem bekommen.“























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