"In Ansprüchen gefangen"
Enkes Vater spricht über den Tod seines Sohnes
Freitag, 8. Januar 2010 17:50Zum ersten Mal hat sich Dirk Enke, Robert Enkes Vater und Psychotherapeut, zum Selbstmord seines Sohns geäußert. Seiner Meinung nach haben Ängste die Depression des Torhüters ausgelöst: "Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen." Begonnen hätten die Probleme schon in der Jugend.
Der Vater des verstorbenen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke hat bis zuletzt mehrfach versucht, mit seinem Sohn über dessen Krankheit zu sprechen, sein Sohn habe das aber immer abgeblockt. Noch eineinhalb Wochen vor dem Selbstmord kam Dirk Enke, promovierter Psychotherapeut aus Jena, in Hannover vorbei, um mit den 32-Jährigen über seinen Zustand zu reden.
“Ich habe ihm sehr oft angeboten: Komm, wir reden mal, als Vater und Sohn. Ich wollte nicht mit ihm als Fachmann reden. Vielleicht dachte er: Der Alte kennt sich aus und steigt vielleicht dahinter, wovor ich Angst habe. Robert hatte ja eine Ahnung: Da stimmt etwas nicht in meinem Leben.“
Vor wenigen Wochen hatte sich Dirk Enke nach eigenen Angaben dafür
ausgesprochen, dass der Sohn sich stationär behandeln lässt. „Er war immer
mal wieder kurz vor diesem Schritt, sich einweisen zu lassen, dann sagte er
wieder: Wenn ich in der psychiatrischen Klinik behandelt werde, dann ist es
aus mit meinem Fußball. Das ist das Einzige, was ich kann und will und gerne
mache.“
Nach den Worten Enkes haben Ängste die Depression seines Sohnes ausgelöst. „Ich bin der Meinung, dass das keine von innen entstandene, angelegte Krankheit gewesen sein kann, sondern eine, die aus den Lebensumständen heraus entstanden ist.“
Diese Angst hat sich laut seinem Vater bereits im Jugendalter entwickelt,
nicht erst 2003, als Enke zuerst den FC Barcelona, danach Fenerbahçe
Istanbul verließ und arbeitslos wurde.
Als großes Fußballtalent sei der Torhüter oft in höhere Altersklassen
eingestuft gewesen. „Schon dabei kam es immer wieder zu Krisen. Weil er
Angst hatte, nicht mit den Älteren mithalten zu können. Er hat es sich nicht
zugetraut. Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen“, sagte Dirk Enke.
„In kritischen Phasen hatte Robert Angst, dass ein Ball auf sein Tor
geschossen würde. Er hatte Anfälle, wollte nicht zum Training, konnte sich
nicht vorstellen, im Tor zu stehen.
Er war so verzweifelt, einmal hat er gefragt: Sag mal, Papa, nimmst du mir das
übel, wenn ich mit dem Fußball aufhöre? Ich sagte: Robert, das ist doch
nicht das Wichtigste, um Gottes willen.“
Robert Enke hatte sich am Dienstagabend das Leben genommen, indem er sich in der Nähe seines Wohnorts in Hannover vor einen Zug warf.ddp/AP/ab
Erschienen am 14.11.2009


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