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10.11.09

Selbstmord

Trauer um den tragischen Torwarthelden Enke

Robert Enke war auf gutem Weg, als Nummer eins der deutschen Nationalelf zur WM zu fahren. Doch jetzt ist der 32-Jährige tot: Der Torwart von Hannover 96 beging am Dienstagabend Selbstmord. Enke musste in seiner Karriere viele Rückschläge verkraften. Am schlimmsten traf ihn den Tod seiner Tochter vor drei Jahren.

© dpa
Robert Enke.

Zurückhaltender Familienmensch, tadelloser Sportsmann, Tierfreund – der am Dienstag verstorbene Robert Enke war stets bereit, das Wohl anderer über seine eigenen Bedürfnisse zu stellen. Sportlich ging es für ihn seit seiner Rückkehr zu Hannover 96 ganz steil bergauf – doch er kannte vor allem menschlich auch die Schattenseiten des Lebens.

Etwas mehr als drei Jahre ist es her, dass der fast immer sachliche und abgeklärte Enke und seine Frau Teresa mit dem Tod ihrer zweijährigen Tochter einen harten Schicksalsschlag hinnehmen mussten. Die kleine Lara hatte einen schweren Herzfehler und starb nach einer Operation im September 2006.

Diese schwierige Zeit hat Robert Enke stark geprägt. "Unsere Tochter war fast ein Jahr im Krankenhaus, davon ein halbes Jahr auf der Intensivstation. Das verändert die Sichtweise. Ich habe gelernt, andere Prioritäten zu setzen", sagte er damals, nachdem er lange und verzweifelt um das Leben seiner Tochter gerungen hatte.

Doch spätestens im Mai 2009 schien die Welt des Robert Enke wieder voller Glück, Zuversicht stand ihm ins Gesicht geschrieben. Das Ehepaar Enke adoptierte ein zwei Monate altes Mädchen namens Leila. "Wir sind sehr, sehr glücklich und dankbar für diesen kleinen Menschen, der in unser Leben getreten ist", sagte er. Es schien eine zweite Chance für das Familienglück zu geben.

In Hannover hatte der 96-Kapitän und unumstrittene Führungsspieler zudem nach einigen Rückschlägen sein sportliches Glück gefunden. Er war auf dem besten Weg, als Stammtorhüter mit der Nationalmannschaft zur WM nach Südafrika zu fliegen - doch dann kam eine wochenlange, bisweilen rätselhafte Viruserkrankung dazwischen, die später als Bakterien-Erkrankung des Darmes angegeben wurde.

In seiner Karriere hatte Enke stets Rückschläge hinnehmen müssen. In seinen fußballerischen Anfängen war Enke Feldspieler beim SV Jenapharm Jena, ehe er als Torwart zu Carl Zeiss Jena gelangte und dort 1995 Profi wurde. 1996 wechselte er zu Borussia Mönchengladbach, um drei Jahre später den Schritt ins Ausland zu wagen. Benfica Lissabon, der FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul und CD Teneriffa hießen die Stationen, bevor der Keeper 2004 nach Hannover kam.

Den Wechsel ins Ausland hat er dabei bewusst schon in jungen Jahren gewagt. Auch wenn die insgesamt fünf Jahre in der Fremde mit Höhen und Tiefen verbunden waren, habe er dort "einige wertvolle Erfahrungswerte" gesammelt. So musste Enke nach drei erfolgreichen Spielzeiten in Lissabon bei Barcelona überwiegend mit der Ersatzbank vorliebnehmen.

Nicht leicht hatte er es auch nach seinem Wechsel an den Bosporus, wo er unter Trainer Christoph Daum nach einer Niederlage in seinem ersten Spiel von den eigenen Fans mit Feuerzeugen und Flaschen beworfen wurde. Er verließ Fenerbahce nach nur wenigen Wochen, weil er "diese überdrehte Leidenschaft und diese Brutalität gegenüber Verlierern" nicht aushielt. Sie widersprachen seiner Vorstellung von Fairness und Respekt eklatant.

"Dreieinhalb Jahre im Ausland waren sehr gut, anderthalb Jahre nicht so gut. Aber auch diese bereue ich nicht", sagte er im Rückblick.

Robert Enke war ein Freund klarer Worte, aber keineswegs impulsiv oder extrovertiert. Lediglich, wenn er den sportlichen Erfolg gefährdet sah, konnte Robert Enke, der einen ansteckenden und trockenen Humor besaß, ungemütlich werden. "Er konnte in der Kabine explodieren", sagte sein früherer Mitspieler Michael Tarnat.

Neben der Familie und dem Fußball waren Hunde seine große Liebe. Als er während seines Spanien-Abstechers das Schicksal der Straßenhunde sah, holte er sich selbst einige kranke Vierbeiner ins Haus. Am Ende waren es mehr als fünf Hunde, die er mit seiner Gattin pflegte.

Am 10. November 2009 beging Enke Selbstmord. Der 32-jährige Nationaltorwart, der nicht für die Test-Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste nominiert worden war, warf sich an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge vor einen Zug.

Quelle: sid
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