Fussball
Keine Spitzenteams – Die halbe Liga auf Titelkurs
Sonntag, 6. Dezember 2009 16:54 - Von P. Krull und L. GartenschlägerBayer Leverkusen, Werder Bremen, Hamburger SV, Schalke 04 – In der Bundesliga konnte sich an den ersten zwölf Spieltagen kein Team absetzen. Gibt es überhaupt noch Spitzenteams oder wird die Meisterschaftsfrage von einer undefinierbaren Masse beantwortet? Der FC Bayern könnte davon profitieren.

Günter Netzer hat die Zeiten noch hautnah erlebt, als die Liga an der Tabellenspitze eine nahezu geschlossene Gesellschaft war. In den 70er-Jahren war an seinem Klub Borussia Mönchengladbach meist kein Vorbeikommen im Titelrennen. Die 80er-Jahre wurden vom FC Bayern dominiert. Herrlich klar war das. Und heute?
Heute, sagt der 65 Jahre alte Fußballexperte, sei nichts mehr, wie es mal war. Der Titelkandidat HSV spielt nur 2:2 bei Hannover 96, Werder kommt als Tabellenzweiter zu Hause gegen Borussia Dortmund nicht über ein 1:1 hinaus, Hamburgs Verfolger Schalke 04 und der FC Bayern nehmen sich beim 1:1 gegenseitig die Punkte weg, Wolfsburg und Hoffenheim leisten sich immer mal wieder Aussetzer. Trotzdem liegt Tabellenführer Leverkusen nur drei Punkte vor den Verfolgern.Gibt es überhaupt noch Spitzenteams oder wird die Meisterschaftsfrage von einer undefinierbaren Masse beantwortet? Netzer sagt: „Die ganz große Dominanz einzelner Mannschaften, wie wir sie in früheren Zeiten erlebt haben, ist dahin. Das können wir an den Bayern festmachen, die schon seit zwei Jahren die Liga nicht mehr beherrscht haben. Früher war das Alltag. Heute bildet sich keine neue Dominanz bei anderen Mannschaften heraus. Das ist bisher immer nur ein Aufflackern, dann sackt es wieder in sich zusammen. Absetzen kann sich keiner.“
Selbst Leverkusen, in dieser Saison noch das konstanteste der oben positionierten Teams, ist zwar unbesiegt. Dennoch stehen schon fünf Unentschieden zu Buche – so viele wie lange nicht mehr im Vergleich zur Bilanz der Spitzenreiter vergangener Spielzeiten.
Bei den Verfolgern sieht es nicht besser aus. Auch Werder und der HSV kommen jeweils auf fünf Remis. Der Bremer Torwart Tim Wiese fühlte sich vor einigen Tagen gar bemüßigt, seinen Mitspielern mit auf den Weg zu geben, dass „dieses Larifari-Gekicke aufhören muss“.
Das hätte auch für den HSV gelten können. Vier Spiele in Folge konnten die Hamburger schon nicht mehr gewinnen. Wie beim 2:2 in Hannover verspielten sie auch gegen Gladbach (2:3) und auf Schalke (3:3) jeweils zweimal eine Führung – und damit den schon sicher geglaubten Sieg. Das zehrt zusehends an den Nerven, insbesondere an denen des Trainers Bruno Labbadia. Er musste am Sonntag wegen despektierlicher Äußerungen über den Schiedsrichter zur Strafe auf der Tribüne Platz nehmen. Mittelfeldspieler Marcell Jansen gibt zu: „Von den Ergebnissen her kriselt es ein bisschen.“
Doch erklärt das, warum sich trotz guter Möglichkeiten keiner absetzen kann? Bremens Trainer Thomas Schaaf jedenfalls lässt das Thema Belastung nicht gelten. „Die ist da, und wir sind darauf vorbereitet. Wir dosieren unser Programm, und alle können damit umgehen“, sagt er. Die Ausgeglichenheit der Liga, von den Verantwortlichen der Liga als einmaliger Spannungsfaktor im Vergleich zu Europas Topligen gepriesen, ist deshalb wohl eher eine Frage des Niveaus – und der Schwäche des FC Bayern.
Die Münchner sind der Taktgeber der Liga. Läuft es bei ihnen gut, enteilen sie der Konkurrenz, wie zuletzt in der Saison 2007/2008. Da hatten sie am Ende zehn Punkte Vorsprung auf den Zweiten Bremen. Läuft es dagegen schlecht wie in den vergangenen beiden Spielzeiten, dann tummeln sich ein halbes Dutzend Mannschaften in der Spitzengruppe, ohne die Bayern jedoch entscheidend abhängen zu können.
Bei Bayer Leverkusen wissen sie nur allzu gut, wem sie ihren aktuellen Höhenflug zu verdanken haben. „Wenn die Bayern es nicht schaffen, sich abzusetzen, dann haben wir ein Bild wie das aktuelle. Dadurch ist das Feld oben so breit aufgestellt“, sagt Trainer Jupp Heynckes. Bayer-Sportdirektor Rudi Völler kommt gar zu dem Schluss, dass „letztendlich immer die Bayern selbst entscheiden, wer vorn steht, weil sie die beste Mannschaft haben“.
Netzer teilt diese Einschätzung. „Im Grunde genommen müssten die Vereine die Schwächephase der Bayern viel konsequenter nutzen und die Distanz vergrößern, damit die Münchner am Ende nicht wieder an der Konkurrenz vorbei ziehen können. Keine Mannschaft hat sich aber bislang derart absetzen können, dass es für eine intakte Bayern-Mannschaft schwierig wäre, den Rückstand aufzuholen. Sechs Punkte sind für mich kein Kriterium, wo man sagen kann: ‚Das ist gelaufen.’“ Momentan laufe es bei den Bayern nicht rund, „weil sie immer noch in dem Prozess stecken, sich aneinander zu gewöhnen. Denn der Trainer ist sehr gewöhnungsbedürftig“. Wenn das aber geschehen ist, glaubt Netzer, wird das Münchener Starensemble wieder die Liga dominieren – wie in den alten Zeiten.Erschienen am 09.11.2009


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich