Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
09.11.09

Wieder kein Sieg

HSV – Schrammen an Labbadias Souveränität

Vier Bundesliga-Spiele in Folge hat der Hamburger SV nicht mehr gewonnen. Wie zuvor in den Partien bei Schalke 04 und gegen Mönchengladbach konnte die Mannschaft von Bruno Labbadia auch in Hannover eine Führung nicht zum Erfolg nutzen. Der Trainer wirkt inzwischen angeschlagen und genervt.

© REUTERS
Hamburg SV's coach Labbadia reacts following German Bundesliga soccer match against Hannover 96 in Hanover
HSV-Trainer Bruno Labbadia war nach dem 2:2 bei Hannover 96 verärgert und frustriert

Eine Geste auf der Pressekonferenz im Anschluss an das 2:2 des HSV bei Hannover 96 zeigte, dass Bruno Labbadia in den vergangenen Tagen doch einiges von seiner Souveränität im Auftreten eingebüßt hat. Als ihm von einem Hamburger Medienvertreter die Frage gestellt worden war, warum er denn Tunay Torun und nicht Marcus Berg für die Anfangsformation nominiert habe, verfinsterte sich seine Miene. Labbadia hielt kurz inne und tat einen deutlich vernehmbaren Seufzer.

Der Tiefe und dem Ton jener Atembewegung waren viel an Wehklagen darüber zu entnehmen, dass der Trainer derartige Diskussionen – zumindest in jenem Moment kurz nach dem Spiel – unendlich leidig fand. "Ihr seid doch jeden Tag beim Training. Ihr habt es doch gesehen, oder? Dann dürftet Ihr auch erkannt haben, welche Spieler im Training gut arbeiten und sich einen Platz in der Anfangsformation verdienen", antwortete Labbadia genervt.

Auf eine weitere Nachfrage eines Journalisten reagierte er recht ungehalten. "Haben Sie das Spiel nicht gesehen?", lautete die Gegenfrage des 43 Jahre alten Fußballlehrers, der seit dem Beginn dieser Saison die sportliche Verantwortung beim Traditionsverein trägt.

Die jetzige Phase ist zweifellos die schwierigste in seiner bisherigen Zeit beim HSV, und dabei ist sie ohne Not entstanden. Keine Frage, das frühe Ausscheiden aus dem DFB-Pokal beim Drittligisten VfL Osnabrück (5:7 nach Elfmeterschießen) schon in der zweiten Runde war sehr schmerzhaft, in den anderen beiden Wettbewerben jedoch steht der Klub sehr gut da. In der Europa League ist der Sprung in die Runde der letzten 32 Mannschaften angesichts der derzeitigen Ausgangslage als Gruppenzweiter hinter Hapoel Tel Aviv bereits programmiert und wäre mit einem Heimsieg gegen Rapid Wien am 2. Dezember auch theoretisch vollzogen. Und in der Bundesliga belegt der HSV nach zwölf Spieltagen mit 23 Punkten immer noch den dritten Tabellenplatz hinter Spitzenreiter Bayer Leverkusen (26) sowie dem punktgleichen Team von Werder Bremen.

Es ist aber die Erkenntnis, dass das Mögliche nicht mit dem Tatsächlichen im Einklang steht. Der HSV ist nicht nur seit vier Bundesliga-Partien sieglos, in den zurückliegenden drei Begegnungen wurden immer wieder Führungen leichtfertig aus der Hand gegeben. Statt möglichen neun Punkten aus den Partien beim FC Schalke 04 (3:3), zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach (2:3) und in Hannover stehen lediglich zwei zu Buche. In Hannover reichte zwei Mal eine Führung – Marcell Jansen traf zum 1:0 (15.), Eljero Elia zum 2:1 (44.) – nicht aus, um am Ende als Sieger den Platz zu verlassen. Den Gastgebern gelang durch Didier Ya Konan (26.) und Jiri Stajner (88./Foulelfmeter) jeweils der Ausgleich. Auch gegen Schalke und Gladbach wurden Vorsprünge verspielt.

Labbadias Souveränität im Auftreten hat aber vor allem durch die Begleitumstände beim 2:3 gegen Gladbach Schaden genommen. In jener Partie eine Woche vor dem Spiel in Hannover entschied er sich lange Zeit dagegen, den angeschlagenen Abwehrspieler Jerome Boateng auszuwechseln. Sein Spieler Ze Roberto kritisierte ihn hinterher dafür. Der Brasilianer untergrub dadurch die Autorität seines Trainers, der in den Medien und bei vielen Fans ohnehin für die Niederlage verantwortlich gemacht wurde.

Wie angespannt Labbadia derzeit ist, zeigte sich am Sonntag in Hannover auch daran, dass er an der Seitenlinie über eine nicht gewährte Vorteilsauslegung von Schiedsrichter Jochen Drees in der Schlussphase in Wut ausbrach und vom Referee schließlich auf die Tribüne verwiesen wurde. Auch über Drees' Elfmeterurteil in der 87.?Minute zürnte Labbadia: "Einen solchen Strafstoß zu pfeifen, hat etwas mit Angst zu tun. Tomas Rincon kann sich nicht in Luft auflösen, und Stajner war nur auf den Elfmeter aus. Dies hätte der Schiedsrichter erkennen müssen. Und zuvor ist uns schon ganz klar ein Vorteil abgepfiffen worden. Diese Dinge ärgern mich", sagte Labbadia, der von einem "bitteren Tag" sprach.

Ze Robertos Zweckoptimismus

Es war Marcell Jansen, der als Erster aus dem Mannschaftskreis den sportlichen Status quo schonungslos und zutreffend beschrieb. "Von den Ergebnissen her kriselt es ein bisschen", sagte der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler. Sein Mitspieler Ze Roberto reagierte mit Zweckoptimismus auf das vierte sieglose Bundesligaspiel hintereinander. "Zurzeit können wir einen knappen Vorsprung nicht über die Zeit retten. Aber wir sollten den Kopf jetzt nicht zu sehr hängen lassen. Wir sind weiter oben dabei und können nach dem spielfreien Wochenende gegen Bochum zeigen, dass wir aus solchen Spielen gelernt haben."

Bis zur Winterpause sind es noch fünf Partien. Solange muss Labbadia noch mit einem personell engen Angebot an Stürmern auskommen. Neben dem 23 Jahre alten Schweden Marcus Berg sind dies nur die Talente Tunay Torun und Tolgay Arslan. In Hannover half Eljero Elia im Angriff aus – und das mit einigem Erfolg. Der flinke Niederländer war der beste Spieler auf dem Platz.

Guerrero ist erst im Frühjahr wieder fit

Zum Beginn der Rückrunde soll Mladen Petric (Sehnenriss im Sprunggelenk) wieder einsatzbereit sein. Paolo Guerrero wird dagegen erst im Frühjahr sein Comeback geben. Das Angebot, nach seinem Kreuzbandriss in Hamburg zu verlängern, hat der 25 Jahre alte Angreifer bereits abgelehnt. Dennoch will der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann die Gespräche mit dem Peruaner und dessen Berater Roger Linse fortsetzen. Vieles deutet aber darauf hin, dass Guerrero, der rund 4,5 Millionen Euro Jahresgehalt fordern soll, den Klub im Sommer verlassen wird.

Ein möglicher Nachfolger könnte der ehemalige Nationalspieler Kevin Kuranyi (27) vom FC Schalke 04 sein. Kuranyi (bislang sechs Saisontore) hat noch kein neues Vertragsangebot vorliegen. Angesichts der stark angespannten Finanzlage des Ruhrpott-Klubs könnte es auf einen Transfer hinauslaufen. Ein Wechsel zum HSV, der derzeit auf Stürmersuche ist, liegt da recht nahe.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Wendig: Dieses autonome Auto deutscher Forscher ("EO") parkt selbsttätig ein und dreht dabei seine Räder um 90 Grad
Die Geisterautos sind da

Diese Autos kommen ohne Fahrer aus

Video Nachrichten mehr
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
EM 2012 Deutschland plant 10 Spiele und 10 Siege
Atemnot Elton John sagt Vegas-Konzerte ab
Spitzentreffen Immer noch keine Einigung zum Fiskalpakt
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote