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Fussball-Bundesliga

Ballack kann Lahms Bayern-Kritik verstehen

Der frühere Bayern-Profi Michael Ballack für das kiritische Interview von Philipp Lahm, der sich am Montag beim Klub-Vorstand entschuldigte, Verständnis – er kennt aber auch die Gefahren. Stefan Effenberg hingegen findet, dass Kollegenschelte in der Öffentlichkeit nichts zu suchen hat.

Werder Bremen - Bayern München
Foto: dpa/dpaweb/dpa ORIGINAL zu : O:\\BILDER\\B_FERTIG\\MASP1301.JPG
Bis Sommer 2006 spielten Michael Ballack und Philipp Lahm (l.) zusammen für den FC Bayern

Der Auftritt war schon lange geplant, und so ist die aktuelle Dramaturgie eher zufälliger Natur. Ausgerechnet Philipp Lahm hatten die Verantwortlichen des DFB auserwählt, um am Dienstag neben Michael Ballack das neue Trikot für die Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika zu präsentieren.

Zwei kritische Geiste vereint im Scheinwerferlicht. Bayern-Verteidiger Lahm, der mit seinen Äußerungen über verfehlte Personalpolitik und einen Mangel an Spielphilosophie für erdbebenartige Zustände in München sorgte und Ballack, der vor einem Jahr ebenfalls bewusst den Weg über die Öffentlichkeit wählte, um den Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw zu beanstanden. „Im Endeffekt ist alles, was an die Öffentlichkeit geht, immer gefährlich“, sagt Ballack rückblickend bei „Sky“, wohl wissend wie schwer es war, das Vertrauensverhältnis zu kitten.

Ballack hat den Bußgang längst hinter sich, auch er war einst Kapitän in München und stellt sich nun demonstrativ vor Lahm, dem Vize-Spielführer der jetzigen Bayern. Einen „wichtigen Spieler nennt er ihn. Weil er sich verantwortlich fühle für die Mannschaft. „Er wollte sicherlich wachrütteln, wollte positive Impulse setzen, hat Dinge angesprochen.“

Nun bezogen sich Lahms Kritikpunkte nicht nur auf die Macher des Vereins, er bemängelte auch das Können seiner Kollegen, dem Mittelfeld fehle es an kreativem Potential war eine seiner Kernaussagen. Kollegenschelte habe in der Öffentlichkeit nichts zu suchen, wetterte Stefan Effenberg, ebenfalls einst ein lautstarker Bayern-Häuptling. Innerhalb der Mannschaft, so Effenbergs These im „Stern“, habe sich Lahm damit isoliert.

Montagmittag jedenfalls musste Lahm zum Rapport an die Säbener Straße. Der Vorstand und Sportdirektor Christian Nerlinger hatten ihn einbestellt. Lahm erschien in Hemd und Sakko und wirkte sehr aufgeräumt. Es wurde ein ausführliches Gespräch, dessen Inhalt der FC Bayern in förmlichen Worten zusammenfasste: Man habe sehr offen und konstruktiv miteinander geredet, hieß es. Lahm habe sich für die „Art und Weise seiner Aussagen und den eingeschlagenen Weg entschuldigt.“ Seine Kritikpunkte jedoch hat Lahm auch im Zimmer des Vorstandes nicht zurückgezogen.

Und so bleibt für die Zukunft des FC Bayern zu hoffen, dass sich die Führungsetage nach all der reflexartigen Polemik des Wochenendes nun mit jenen inhaltlichen Dingen beschäftigt, für die Lahm breite Zustimmung erfahren hat. Immerhin bekannte mit Präsident Franz Beckenbauer bereits der Erste: Man könne Lahm auch „dankbar sein, dass er aufschreit, um den Letzten auch noch aufzuwecken.“



Erschienen am 09.11.2009

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