07.11.09

Kein Sieg gegen Schalke

Bei Bayern geht es drunter und drüber

Der FC Bayern präsentiert sich in diesen Tagen als chaotischer Haufen: Vor dem enttäuschenden Auftritt gegen Schalke 04 kritisierte Philipp Lahm den Trainer und die Klubführung, Luca Toni flüchtete nach seiner Auswechslung in der Halbzeit einfach aus dem Stadion. Hat Louis van Gaal seine Mannschaft noch im Griff?

Ratlos wirkte Louis van Gaal, als er erklären sollte, was er nicht erklären konnte. "Es ist ein bisschen unglaublich", sagte er nach einer Weile in seiner putzigen Aussprache. "Uns fehlen die Tore. Es ist frustrierend, dass wir in der zweiten Halbzeit unsere Chancen wieder nicht genutzt haben."

Das Spiel gegen Schalke hatte eigentlich die Wende zum Guten einläuten sollen – für die Bayern, aber auch für ihren niederländischen Trainer. Am Ende hieß es allerdings nur 1:1 (1:1), weshalb die Münchner weiter darben, Zweifel an van Gaal noch stärker zutage treten und zuvorderst ein einst vom Hof Gejagter die Arena zufrieden verlassen durfte: Felix Magath.

Bei seiner Rückkehr nach München hatte Schalkes Trainermanager schon vor der Partie mit einer Personalie überrascht. Erstmals beorderte er den 18-jährigen Joel Matip, Bruder des Kölners Marvin Matip, in die Anfangself. Der Youngster nahm die wichtige Position vor der Abwehr ein und überzeugte – nicht zuletzt, weil er die Führung der Gastgeber durch Daniel van Buyten (31.) egalisierte. Einen Freistoß von Lukas Schmitz verlängerte er mit dem Hinterkopf ins Tor der Bayern (43.) und sicherte den Schalkern nach dem 3:3 gegen den HSV und dem 2:2 gegen Leverkusen das dritte Remis in Folge gegen einen Spitzenklub.

Während die Schalker dankbar die Sicherung des vierten Platzes registrierten, laufen die Münchener als Tabellenachter weiter ihren Ansprüchen hinterher. Und die wenig erbaulichen Leistungen in der Liga werden noch garniert vom drohenden Aus in der Champions League. Nach dem 0:2 unter der Woche gegen Bordeaux bedarf es schon des alten "Bayern-Dusels", um die Gruppenphase noch zu überstehen. Ein Sieg gegen Schalke hätte Trainer van Gaal mithin wieder etwas entspannter seinem Job nachgehen lassen können – so aber bleibt der Niederländer an neuer Wirkungsstätte weiter mehr als umstritten.

Inzwischen wird der Trainer gar schon von zuvor als loyal bekannten Spielern angegriffen. Ungewohnt deutlich kritisierte Philipp Lahm die Probleme des Klubs unter van Gaal und nahm dabei auch die Vereinsführung nicht aus, der er Versäumnisse in der Transferpolitik vorwarf. "In der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich", erklärte der stellvertretende Kapitän in einem nicht vom Klub autorisierten Interview in der "Süddeutschen Zeitung". Vereine wie Manchester United oder der FC Barcelona gäben ein Spielsystem vor und würden dann gezielt dafür Spieler einkaufen. "So etwas gibt es bei uns nicht: Dass der Verein etwas vorgibt und alles darauf aufgebaut wird", sagte Lahm.

Seine Kritik erläuterte er anhand der Millionen-Transfers von Mario Gomez und Arjen Robben. "Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt – und der am liebsten 4-3-3 spielt", erläuterte Lahm – und kam zu dem Fazit: "Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind."

Trotz der mahnenden Worte und des unpassenden Zeitpunkts der Kritik durfte Lahm gestern auflaufen. Manager Uli Hoeneß sagte jedoch: "Es war nicht besonders klug von ihm, so ein Interview vor so einem wichtigen Spiel zu geben. Sie können versichert sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird." Sanktionen dürfte auch Luca Toni zu spüren bekommen. Der glücklose Italiener war nach seiner Auswechslung gegen Robben noch während der zweiten Halbzeit aus dem Stadion gefahren. Als hätten sie nicht schon genug Probleme beim FC Bayern anno 2009.

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