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03.11.09

"Ich hasse Schwule"

Warum Homophobie im Fußball weit verbreitet ist

"Ich hasse Schwule, ich tue es wirklich", hat der inzwischen vom dänischen Erstligisten FC Midtjylland entlassene polnische Torwart Arek Onyszko in seiner Biografie geschrieben. Abneigung gegen Homosexuelle ist im westeuropäischen Fußball verbreitet. Deshalb wird vorerst kein Profi ein Outing wagen.

AP

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Am Ende, meint Tanja Walther-Ahrens, verdiene Arek Onyszko (35) sogar Dankbarkeit. "Ich hasse Schwule, ich tue es wirklich", hat der inzwischen entlassene Torwart vom dänischen Erstligaklub FC Midtjylland in seiner Biografie "F**king Polak" geschrieben. Die deutsche Botschafterin der European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF) sagt nicht ohne Süffisanz: "Es ist immer schön, wenn jemand seine Homophobie öffentlich macht." Da werde der oft verdeckte Hass auf Schwule und Lesben zumindest mal sichtbar.

Selten tragen Profisportler in der Öffentlichkeit derart prominent ihre Homophobie – also die irrationale Angst vor Homosexuellen und ihren Lebensweisen – zur Schau wie der der Pole, der sich auf seine Religion beruft: Als Katholik könne er "solche Art von Leuten" nicht akzeptieren.

Dirk Brüllau von der europaweiten Vereinigung schwul-lesbischer Fanklubs QQF kennt solche fadenscheinigen Argumente. Er weiß auch: "In Osteuropa ist Homophobie ein riesengroßes Problem, dort werden die Spieler ganz anders sozialisiert. Häufig spielt die Herkunft – etwa aus der Stadt oder vom Land – oder die Religion eine Rolle."

Abneigung gegen Homosexuelle ist aber auch in Deutschland wie im gesamten westeuropäischen Fußball verbreitet. Erst Anfang Oktober weigerte sich das "aus gläubigen Muslimen" bestehende Amateurteam Creteil Bebel, gegen Paris Foot Gay anzutreten. Begründung: "Unsere Überzeugungen sind uns wichtiger als ein simples Fußballspiel."

Unter Profis, sagt Walther-Ahrens, sei Homosexualität "genau so ein heikles Thema wie für die Normalbevölkerung. Wenn ich als Spieler mit Schwulen und Lesben sympathisiere, lande ich schnell selber in dieser Ecke und werde als schwul oder lesbisch verschrien". Nur selten positionieren sich prominente Kicker gegen Homophobie wie Philipp Lahm vor rund zwei Jahren in einem Interview mit einem Szenemagazin.

Schwulsein im Fußball ist psychisch belastend

Nach Schätzungen von Wissenschaftlern sind fünf bis zehn Prozent der deutschen Männer homosexuell. Warum sollte das im Fußball anders sein? In dem bemerkenswerten Buch "Versteck Spieler" beschreibt der Autor Ronny Blaschke am Beispiel des früheren Amateurfußballspielers Marcus Urban sehr anschaulich, wie psychisch belastend Schwulsein in der Branche und ein Outing sind. Er sagt: "Das Problem ist vielschichtig. Immerhin hat der Deutsche Fußball-Bund es in Person vor allem von Theo Zwanziger inzwischen erkannt und ist in die Offensive gegangen."

So sehr Szenekenner das persönliche Engagement Zwanzigers und seines DFB-Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn in Form von Erklärungen, Flyern und ehrenwerten Aktionen aber gutheißen ("Zwanziger ist unsere Speerspitze"), so sehr fürchten sie insgeheim, dass es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben wird. "Ich sage auch explizit: Was Herr Zwanziger im DFB macht, ist sehr stark mit seiner Person verbunden", sagt Martin Schweer.

"Homophobie ist empirisch nicht messbar"

Der Psychologie-Professor von der Universität Vechta hat zum Thema geforscht, er sagt: "Homophobie ist empirisch nicht messbar. Das macht es schwierig." Es brauche zudem Zeit, "bis der erste Bundesligaprofi ohne Scheu sagt: 'Ich bin schwul.’" Auch QFF-Sprecher Brüllau sagt: "Ein Stadion ist noch immer ein Männerreservat, wo gewisse Ängste vorherrschen. Wir haben es mit einem ganz frigiden Gebilde zu tun. Deshalb sehe ich auf lange Zeit kein Outing." Dabei könnte gerade das womöglich zu einer Enttabuisierung führen, die Sportlern und Fans gleichermaßen zu Gute kommt. Denn auch homosexuelle Fußballfans wollen im Stadion lediglich so sein und wahrgenommen werden, wie sie sind – nämlich ganz normal.

Wichtiger als Symbolpolitik wäre es, meinen Szenekenner, wenn der DFB künftig schon früh auf Prävention gegen Homophobie einwirken würde. "Wenn ein F-Jugendspieler im Training vom Übungsleiter fünfmal hört, dass ein Fehlpass ein 'schwuler Schuss’ war, dann ist schon das ein Nährboden." Etwa dafür, wenn im Stadion der Schiedsrichter mit "Schwule Sau"-Rufen verunglimpft wird. Klingt harmlos, ist es aber nicht. Brüllau: "Ich gehe seit 30 Jahren zum Fußball, aber das lässt mich noch immer nicht kalt."

Arek Onyszko war übrigens im Juni bereits bei seinem vormaligen Verein in Odense entlassen worden: Er trug nach einem Gerichtsprozess mehrere Wochen lang eine elektronische Fußfessel, nachdem er seine Ex-Frau verprügelt hatte. Menschenfreunde sehen anders aus.

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