HSV
Labbadia, Boateng und ein großes Missverständnis
Der Hamburger SV ist der große Verlierer des elften Bundesliga-Spieltags. Er verlor ausgerechnet gegen die Mannschaft, die in den vergangenen sechs Partien nur ein Tor zustande gebracht hatte. Am Ende hieß es gegen Mönchengladbach 2:3, und besonders Trainer Bruno Labbadia musste sich einige Kritik gefallen lassen.
Von Sven Flohr
HSV-Trainer Labbadia hatte Nationalspieler Jerome Boateng trotz einer Verletzung lange auf dem Feld belassen und damit die Unsicherheiten in seiner Hintermannschaft befeuert. So ging Boateng beim 2:2 nicht zum Kopfball hoch. "Ich hatte keinen Abwehrspieler mehr auf der Bank, und der Doktor hat gesagt, es sei nicht schlimm, nur schmerzhaft", begründete Labbadia seine eigentümliche Entscheidung.
Boateng hatte Mitte der zweiten Halbzeit eine schwere Fußprellung erlitten und konnte danach kaum noch vernünftig auftreten. Er nahm sogar Schmerztabletten auf dem Spielfeld, war aber auch danach sichtbar nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte, und das Spiel kippte.
Nun stellt sich die Frage, wen die größere Schuld trifft: den Trainer, der nicht erkennt, dass sein Spieler nicht mehr kann. Oder den übertrieben tapferen Profi, der sich nicht freiwillig auswechseln lässt.
Labbadia tendierte eindeutig zu Letzterem. "Der Spieler hat keine Anzeichen gemacht, dass er raus muss. Das muss er signalisieren, wir können in den Spieler ja nicht rein schauen", sagte der Trainer und kündigte ein Gespräch an: "Da wird drüber reden zu sein."
Das denkt auch der derzeit beste HSV-Spieler, allerdings sollte die Debatte laut Ze Roberto einen anderen Zungenschlag bekommen. "Ich denke schon, dass der Trainer zu spät gewechselt hat", kritisierte der Brasilianer, "Jerome ist ja die ganze Zeit nur auf einem Bein gelaufen."
Und so kassierte die Mannschaft zum zweiten Mal in Folge drei Gegentore und nutzte zum zweiten Mal in Folge eine 2:0-Führung nicht zum Sieg – am vergangenen Spieltag reichte es bei Schalke 04 nur zu einem 3:3.
Diesmal erarbeiteten sich die disziplinierten und erstaunlich effektiven Gladbach sogar drei Punkte, die der eingewechselte Rob Friend in der 82. Minute mit seinem Siegtor klarmachte. Zuvor hatten Marco Reus (39.) und Dante (76.) zweimal HSV-Führungen durch Piotr Trochowski (13. ) und Ze Roberto (47.) ausgeglichen.
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