Ski alpin
Bode Miller will seinen eigenen Wein anbauen
Freitag, 12. Februar 2010 12:34 - Von Axel HeuberIm vergangenen Winter hatte Bode Miller den alpinen Weltcup mitten in der Saison fluchtartig verlassen, ohne vorher ein Rennen zu gewinnen. Nun greift der 32-Jährige im Skiteam der USA noch einmal an. Mit Morgenpost Online sprach der Amerikaner über die wahre Freiheit und das Streben nach Glück.

Hermann Maier trat zurück, doch Bode Miller bleibt ein Fixstern im alpinen Skizirkus. Der vierfache Weltmeister und zweimalige Weltcup-Gesamtsieger aus den USA hatte im vergangenen Winter den Weltcup-Zirkus einfach verlassen, erst im September kündigte er dann die Fortsetzung seiner Karriere an. Den Saisonauftakt in Sölden erlebt Miller, 32, heute wegen Trainingsrückstand noch als Zuschauer, aber schon bei den nächsten Weltcups in Übersee greift er wieder an.
Morgenpost Online: Freiheit spielt eine ganz besondere Rolle in Ihrem Leben, oder, Mister Miller?
Bode Miller: Wie kommen Sie darauf?
Morgenpost Online: Wir haben 23 Mal angerufen, ehe wir Sie endlich am Telefon hatten.
Miller: Oh, das tut mir echt leid! Das lag am Telefon, es hat nicht geklingelt. Aber stimmt schon, Freiheit ist mir wirklich sehr wichtig.
Morgenpost Online: Wie definieren Sie denn Freiheit?
Miller: Es ist die Möglichkeit, eigene Entscheidungen treffen und ihnen auch vertrauen zu können. Ohne dass mir andere reinquatschen.
Morgenpost Online: Und Sie nehmen sich diese Freiheit.
Miller: Es ist schon wichtig, auf die Menschen zu hören, die dich umgeben. Du musst es reflektieren und in deine Entscheidungen einfließen lassen. Aber am Ende solltest du tun, was du für richtig hältst.
Morgenpost Online: Woher kommt dieser ausgeprägte Hang zur Unabhängigkeit? Daher, dass Sie in einer Blockhütte aufwuchsen, im Wald, ohne Strom?
Miller: Ich denke schon. Meine Eltern gaben mir schon als Kind sehr viel Freiheit. Sie haben mir nie gesagt, was ich zu tun habe, sondern haben es mich einfach tun lassen. Es gab weit und breit keine Stadt, deshalb war ich in einer sicheren Umgebung, und sie brauchten sich keine Sorgen machen. In einer Stadt kann viel passieren, dort draußen in der Natur ist es viel sicherer. Und ich war den ganzen Tag draußen, das ganze Jahr über.
Morgenpost Online: Was haben Sie dort draußen gelernt?
Miller: Eine ganze Menge. Du bist allein, läufst stundenlang durch den Wald und hörst auf deine innere Stimme. Es prasseln nicht die ganze Zeit irgendwelche Sachen auf dich ein, die dich gar nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Ich habe schon als Kind viel nachgedacht und die Unabhängigkeit genossen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Das tut dir gut, weil du lernst, die Konsequenzen deiner Entscheidungen zu tragen.
Morgenpost Online: Also hat die Zeit in der Natur Ihr Leben entscheidend geprägt?
Miller: Ich war so oft dort draußen, wie ich nur konnte. Und das bin ich bis heute. Von damals kommt sicher auch meine Liebe zum Sport, weil ich mich immer bewegt habe, immer unterwegs war.
Morgenpost Online: Und der Sport ist zum Beruf geworden. Ist Skifahren ein besonderes Gefühl der Freiheit?
Miller: Definitiv! Wenn du draußen in den Bergen bist, dann hast du die Dinge selbst unter Kontrolle. Du allein entscheidest, wie, wohin, wie schnell – das ist echte Freiheit.
Morgenpost Online: Offensichtlich aber nicht immer. Vor einigen Monaten brachen Sie die Saison einfach ab und verbrachten ein paar Wochen am Meer beim Surfen gemeinsam mit Ihrer Tochter?
Miller: Es war ein Gefühl, dem ich nachgegeben habe. Ich bin nach Kalifornien gekommen, es war eine lange Saison gewesen, nicht besonders erfolgreich, und auf einmal war alles anders. Ich hing mit meiner Tochter ab, wir hatten viel Spaß. Das war wunderschön. Als es an der Zeit war, zurück zu den Rennen zu fliegen, habe ich gespürt, dass ich nicht gehen wollte.
Morgenpost Online: Und dann sind Sie einfach nicht zum Flughafen gefahren?
Miller: So ungefähr. Du kannst dich natürlich immer pushen und durchbeißen, aber in manchen Situationen ist es wichtiger zu erkennen, was dich wirklich glücklich macht.
Morgenpost Online: Also lagen Sie am Strand und haben frei gefühlt.
Miller: Ich lebte in den Tag hinein. Das war eine Auszeit nach zwölf Jahren Skikarriere. Ich hatte Zeit, um nachzudenken, zu reflektieren.
Morgenpost Online: Und wie kam es zur Entscheidung, ins US-Skiteam zurückzukehren? Das hatten Sie 2007 verlassen, um nur noch auf eigene Rechnung unterwegs zu sein.
Miller: Eine Zeit lang konnte ich mir das wirklich überhaupt nicht vorstellen. Aber dann hatte ich eine gute Distanz zum Sport gefunden, um mir klare Gedanken machen zu können. Es gab ein paar Gespräche mit den Verantwortlichen, und irgendwann dachte ich mir: Mann, die haben schon viel zu bieten!
Morgenpost Online: Was denn?
Miller: Die Arbeit in einem echt starken Team, zusammen mit jungen Fahrern. Die haben alle viel vor. Das Programm ist durchdacht. Und die Vorstellung, ein Teil dieses Projekts zu sein, hat mich dann irgendwie begeistert.
Morgenpost Online: Geht’s trotzdem wieder im eigenen Wohnmobil durch die Alpen?
Miller: Das ist verkauft, vielleicht miete ich mir aber eins – das steht noch nicht fest.
Morgenpost Online: Sind Hotels nicht komfortabler?
Miller: Für ein paar Tage vielleicht. Aber wenn du alle zwei oder drei Tage umziehen musst, mit deinen Taschen, deinem ganzen Zeug, fünf Monate hintereinander, dann geht dir das ganz schön auf die Nerven.
Morgenpost Online: Ihr langjähriger Kontrahent Hermann Maier ist gerade zurückgetreten. Und es klingt, als könnten Sie seine Entscheidung gut verstehen.
Miller: Hermann war eine wichtige Persönlichkeit für die gesamte Skiszene. Er hat den Rennsport geprägt wie nur wenige Fahrer. Aber jeder muss für sich selbst entscheiden, wann es Zeit für ein neues Kapitel ist. Ich respektiere seine Entscheidung sehr – auch deshalb, weil ich mir vorstellen kann, dass es sicher nicht einfach gewesen ist: Die Gewissheit und die Entschlossenheit für einen solchen Schritt muss du erst mal finden.
Morgenpost Online: Sie haben schon mehrere Male laut über das Ende Ihrer Karriere nachgedacht. Und viele Leute glaubten, diesmal sei es wirklich soweit. Trotzdem machen Sie wieder weiter. Woran werden Sie erkennen, dass es wirklich zu Ende sein soll?
Miller: Wenn aus einem Gefühl die Gewissheit geworden ist.
Morgenpost Online: Bevor es soweit ist, steht noch ein absolutes Highlight an: Olympia in Vancouver. Klingt nach dem perfekten Termin für einen Showdown.
Miller: Ja, das mag sein. Ich will mich aber erst einmal voll auf diese Saison konzentrieren. Ich bin ein bisschen raus und werde hart daran arbeiten müssen, mich wieder in Topform zu bringen. Aber klar, kein Wettkampf fühlt sich so besonders an wie die Olympischen Spiele.
Morgenpost Online: Und nach den Spielen? Nehmen Sie sich die Freiheit und pflanzen nur noch Wein auf Ihrer Farm an?
Miller: Ich weiß nicht, ob das viel mit Freiheit zu tun hat. Das ist sicher ganz schön anstrengend. Aber ich habe wirklich vor, Trauben anzupflanzen und meinen eigenen Wein zu verkaufen.
Morgenpost Online: Freuen Sie sich schon auf diese Zeit?
Miller: Es wird eine große Veränderung sein, aber ich allein werde entscheiden, wohin mein Leben dann führt. Das werde ich genießen.
Erschienen am 27.10.2009


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich