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Impfen oder nicht?

Schweinegrippe spaltet die Bundesliga

Die Bundesliga-Klubs sind sich nicht sicher, wie sie mit dem Thema Impfung gegen Schweingrippe umgehen sollen. Vereine wie Bayern München oder Werder Bremen wollen erst einmal abwarten, mögliche Nebenwirkungen schrecken sie offenbar ab. Insgesamt herrscht in der Liga noch große Skepsis gegenüber dem kleinen Piks.

Ganz Deutschland diskutiert über die Schweinegrippe-Impfung, und wie so viele Bürger schwanken auch die Fußball-Bundesligaklubs zwischen Risiko und Nutzen dieser Vorsorge. Ab Montag ruft das Bundesgesundheitsministerium zu einer der größten Massenimpfung in der Geschichte der Bundesrepublik auf, doch in der Liga herrscht noch große Skepsis gegenüber dem kleinen Piks.

„Auf der einen Seite ist die Schweinegrippe eine ansteckende Krankheit, die, wenn sie sich einer einfängt, die ganze Mannschaft flachlegen kann. Auf der anderen Seite gibt es die Spekulationen über Nebenwirkungen. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagt Markus Hörwick, Pressechef von Rekordmeister Bayern München.

Auch die meisten anderen Vereine wie Meister VfL Wolfsburg, Pokalsieger Werder Bremen, 1899 Hoffenheim oder der Hamburger SV wollen erst einmal abwarten. „Wir lassen das von unseren Ärzten beurteilen. Ich denke, da ist im Moment auch ein bisschen Hysterie im Spiel“, sagte Bremens Vorstandsvorsitzender Klaus Allofs.

Die möglichen Nebenwirkungen - angefangen von Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle bis zu Kopf- und Gliederschmerzen, Ermüdung und Schüttelfrost - schrecken offenbar ab. Zumal sich die Klubs angesichts der vielen englischen Wochen derzeit keinen Spielerausfall leisten können.

Doch dies könnte sich als kurzsichtiger Fehler erweisen, warnt Ulrich Schleicher. Der Team-Arzt von Hertha BSC sieht keine Alternative zur Impfung: „Ich lege den Profis dringend ans Herz, sich impfen zu lassen. Sie sind aufgrund ihres Berufes Risikopersonen.“ Nach einer Höchstleistung sei das Immunsystem für vier bis fünf Stunden sehr geschwächt. Zudem sei die Ansteckungsgefahr durch die vielen Reisen größer als normal.

Außer Hertha, die Anfang November auf freiwilliger Basis die ersten Spieler impfen lassen will, tendiert auch der SC Freiburg in dieser Frage zur Vorsorge. „Grundsätzlich lassen wir uns eher impfen als nicht. Dann ist es denkbar, dass wir danach alle Spieler einen Tag pausieren lassen“, erklärte Pressesprecher Rudi Raschke.

Trotz des Zögerns bei nahezu allen Klubs hat die Entwicklung der Erkrankung, die auch unter den Namen mexikanische Grippe, neue Influenza oder unter der Bezeichnung H1N1 bekannt ist, die Liga aufgeschreckt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gibt es derzeit rund 25.000 Erkrankungen mit dem Virus und zwei offizielle Todesfälle.

Während die Bundesliga bislang noch verschont blieb, gab es bei den A-Junioren von Zweitligist Hansa Rostock einen Schweinegrippe-Fall. Daraufhin wurden die Spiele der A- und B-Jugend abgesagt. Der schwedische Fußballverband verbot den Spielern als Vorsichtsmaßnahme vor und nach den Spielen das Händeschütteln.

96-Profis in Quarantäne

So weit geht die Bundesliga nicht, doch unter den Teppich gekehrt wird das Thema nicht. „Wir haben der Problematik von Beginn höchste Sensibilität beigemessen und werden das Thema Impfung in den nächsten Tagen noch einmal mit der Mannschaft diskutieren“, sagt Hannovers Pressesprecher Andreas Kuhnt. Bei 96 wurden jüngst die Profis Steven Cherundolo, Jan Rosenthal und Vinicius für einige Tage in Quarantäne gesteckt, weil Cherundolo während einer Länderspielreise mit der USA in Kontakt mit einem Schweinegrippe-Opfer gekommen war. Erkrankt ist aber keiner der drei Spieler.

Einig sind sich die Klubs darüber, dass, sollten Verdachtsmomente der Krankheit innerhalb der Mannschaft auftauchen, schnell reagiert werde würde. „Dann würden wir impfen“, lautet die Devise bei nahezu allen Klubs. Die Hoffenheimer sitzen für diesen Fall quasi direkt an der Quelle: ein Business-Partner der Kraichgauer ist Weltmarktführer für Impfstoffe.sid/jr



Erschienen am 23.10.2009

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