Abschiedsrede in Berlin
Herthas Ex-Trainer Favre vermisst Dieter Hoeneß
Um seine Sicht des Absturzes von Hertha BSC zu beschreiben, ist der entlassene Trainer Lucien Favre heute extra nach Berlin zurückgekehrt – und kritisierte Präsident Gegenbauer und indirekt auch Manager Preetz. Der Schweizer ist der Meinung, dass das Schlusslicht "die Trennung von Dieter Hoeneß nicht verkraftet" habe.
Von Daniel Stolpe
Ins Berliner Luxushotel Adlon am Pariser Platz hatte Lucien Favre geladen, um so etwas wie eine Abschiedsrede zu halten – zum ersten Mal äußerte sich Herthas Ex-Trainer zu seinem Rauswurf. Dass Hertha BSC in der Krise steckt, daran trage er eine Mitschuld, sagte Favre. "Ich bin in der ganzen Zeit zu viele Kompromisse eingegangen. Kompromisse sind immer Fehler. Es war eine Frage der Zeit, bis ich gegen die Mauer fahre."
Favre sagte weiter, er hätte sich durchaus zugetraut, die Mannschaft von Platz 18 der Bundesliga wieder nach oben zu bringen, so wie ihm das auch in der Schweiz beim FC Zürich gelungen war. Nur hätte man, so Favre indirekt, wohl in der Mannschaft einiges tun müssen: Die Investitionspläne von Hertha-Präsident Werner Gegenbauer seien richtig, sagte Favre – und ergänzte giftig: "Es ist bemerkenswert, dass er jetzt davon spricht, dass Hertha im Winter investieren muss. Man muss aber nicht eine halbe Million investiere, sondern zehn Millionen."
Zur Trennung Herthas von Ex-Manager Dieter Hoeneß, mit dem häufiger aneinandergeraten war, sagte Favre. "Ich habe keine Klubpolitik gemacht. Ich bin ihm sehr dankbar." Hertha BSC habe "die Trennung von Hoeneß nicht verkraftet" – Nachfolger von Hoeneß ist Michael Preetz. Dass Hoeneß ging und laut Favre eine Lücke hinterließ, habe seine "Arbeit erschwert". Über seine Zukunft hat Favre noch nicht entschieden. Er sagt nur: "Ich will in einer der großen Ligen bleiben und bei einem Klub arbeiten, der Ambitionen hat und Titel gewinnen will." Um 16.30 Uhr berichtet er Schweizer Journalisten in Baar/Zug von seiner Zeit in der Bundesliga.
Hertha BSC hatte sich Ende September nach sechs Niederlagen zum Saisonauftakt von dem Schweizer Lucien Favre (51) getrennt. Favre hatte mit Hertha aus 75 Bundesliga-Partien 110 Punkte (Schnitt:1,47) geholt. Ende der vergangenen Saison stand Hertha sogar zwischenzeitlich ganz oben in der Bundesligatabelle.
Doch in dieser Saison konnte die Mannschaft da nicht anknüpfen. Neun Gegentore in den letzten beiden Ligaspielen gegen Freiburg (0:4) und in Hoffenheim (1:5) hätten in letzter Konsequenz nichtsdestotrotz keine andere Wahl gelassen, als zur Beurlaubung zu greifen, sagte Manager Michael Preetz auf der Pressekonferenz zur Trennung vor einige Tagen: "Es ist mir schwer gefallen, aber ich musste eine Entscheidung für Hertha BSC treffen. Das Präsidium trägt diesen Schritt mit."
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