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Tabellenletzter

Herthas Spieler lachen über Trainer Lucien Favre

Tabellenletzter, im Pokal an einem Zweitligisten gescheitert und in Hoffenheim die sechste Bundesliga-Niederlage in Serie kassiert: Bei Hertha BSC eskaliert die Lage. Lucien Favres Assistent Harald Gämperle ging nach dem Vormittagstraining auf die Spieler los – die hingegen zogen es vor, zu schweigen.

Ratlos: Hertha-Manager Michael Preetz, Co-Trainer Harald Gämperle und Chefcoach Lucien Favre (v.l.)
Foto: picture-alliance / City-Press
Ratlos: Hertha-Manager Michael Preetz, Co-Trainer Harald Gämperle und Chefcoach Lucien Favre (v.l.)

Die Situation bei Hertha BSC eskaliert. Mit dem 1:5 (1:3) bei der TSG Hoffenheim hat der Tabellenletzte am Sonntag seinen Vereinsrekord von sechs Bundesliga-Niederlagen in Serie eingestellt; bereits nach fünf Minuten hatte es 0:2 gestanden. Der erneut blamable Auftritt lässt die Lage nun derart eskalieren, dass personelle Konsequenzen beim Vierten der Vorsaison kaum noch zu vermeiden sind. Die Ablösung des Trainers Lucien Favre scheint nur noch eine Frage von Tagen zu sein. Anders sind die Aussagen von Harald Gämperle nicht zu deuten. Favres Assistent attackierte am Montag nach dem Auslaufen massiv seine Spieler.

Eigentlich lässt Favre seine Mannschaft am Tag nach einer Partie nur eine leichte Einheit absolvieren. An diesem Montag ließ er sie aber von 9.50 Uhr an anderthalb Stunden lang ackern. Im Anschluss an das harte Training wollte sich der Schweizer nicht äußern, er winkte nur ab und eilte in seine Kabine. Dafür sprach ein anderer, der sonst öffentlich kaum in Erscheinung tritt: Co-Trainer Gämperle rechnete mit der Mannschaft ab.

„Wir sind von der Art und Weise, wie die Mannschaft gespielt hat, sehr enttäuscht“, leitete Gämperle seine Wutrede ein: „Das geht einfach nicht. Wir waren mental nicht bereit. Die Spieler haben den ganzen Verein und den Trainer im Stich gelassen. Die Spieler können sich nur selbst helfen.“

Dann folgten sehr deutliche Anschuldigungen. Auf die Frage, ob er und Favre die Vorstellungen ihrer Spieler persönlich nähmen, sagte Gämperle: „Wenn einige über zwei, drei Spiele solche Leistungen bringen, muss man sich schon fragen, welche Interessen die Spieler haben.“ Die scheinen laut Gämperle nicht mit denen ihres Übungsleiters überein zu stimmen: „Hertha hatte fachlich noch nie so einen guten Trainer wie Favre, aber das merken die Spieler nicht. Einige machen hinter dem Rücken Politik. Im Mannschaftsbus werden gewisse Äußerungen mit Gelächter kommentiert. Einige Spieler quatschen zu viel.“ Schlusswort des Co-Trainers: „Die Spieler müssen den Arsch hoch kriegen. Auf was warten sie? Auf den lieben Gott?“

Dass Mannschaften gegen ihren Trainer spielen, wird in der Branche gern als Märchen abgetan. So etwas gäbe es nicht, heißt es dann. Hier aber gibt ein Übungsleiter offen zu, dass Teile seiner Elf gegen ihn arbeiten. Mehr noch: Sie lachen sogar über ihn. Gämperle wollte mit diesem Vorstoß seinem Vorgesetzten helfen. Doch mit dem Geständnis, es stimme zwischen Mannschaft und Trainer nicht, hat er Favre einen Bärendienst erwiesen. Denn wie soll künftig die Zusammenarbeit zwischen Trainerteam und Spielern noch funktionieren?

Ursprünglich wollte Manager Michael Preetz Favre noch zwei weitere Partien Zeit geben, sich zu beweisen. Die Ereignisse von Hoffenheim und Gämperles Auftritt könnten ihn jedoch zum Handeln zwingen. Am Montag fand eine Krisensitzung mit dem Trainerteam statt, deren Ausgang bislang noch unbekannt ist. Dass Favre bei diesem Treffen seinen Job hinwarf, galt als unwahrscheinlich. Noch am Vorabend hatte er betont, weiter zu machen. Dennoch wird über einen Nachfolger spekuliert: Als Kandidaten gelten unter anderem die ehemaligen Hertha-Spieler Eyjölfur Sverrisson (41) und Kjetil Rekdal (40).

Von den Spielern äußerte sich am Montag nur der Dienstälteste. Pal Dardai, seit 1997 im Verein, kündigte für den Dienstag eine teaminterne Sitzung ohne Trainer an. „Wir sind zusammen da rein gerutscht, jetzt müssen wir zusammen da raus. Nicht nur Favre steht unter Druck, auch die Spieler“, sagte der Ungar und malte ein düsteres Bild von der Zukunft: „Wenn wir so weiter spielen, kann ich als 33-Jähriger nach der Saison meine Schuhe an den Nagel hängen. Und Arne Friedrich ist dann wohl kein Nationalspieler mehr.“

Auch um den Kapitän gibt es Ärger. Friedrich hatte im Anschluss an das Debakel von Hoffenheim, der sechsten Bundesliga-Niederlage in Folge, das Gespräch mit den Fans gesucht. Auf deren Frage, wie es so weit kommen konnte, soll Friedrich geantwortet haben, dass er auch nichts machen könne: Schließlich verstehe er die Sprache der meisten seiner Mitspieler nicht.



Erschienen am 28.09.2009

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