Fussball-Bundesliga
Wie Schalkes Neuer Dortmunds Fans provozierte
Montag, 28. September 2009 16:02 - Von Oliver MüllerManuel Neuer genoss den Derby-Triumph in vollen Zügen, ging dabei nach dem Geschmack der Profis von Borussia Dortmund aber über die Grenzen des politisch korrekten Verhaltens hinaus: Er jubelte nach Spielende vor ihren Fans. Und angeblich soll er im Mittelkreis Kevin Großkreutz geschlagen haben.

Wer in Manuel Neuers wasserblaue Augen blickt, mag sich nur schwer vorstellen, dass er lügt. Doch genau dies unterstellen ihm einige Spieler von Borussia Dortmund. „Das kann er nicht abstreiten“, sagte Nuri Sahin, der gesehen haben will, was keine der vielen Fernsehkameras eingefangen hat: Einen angeblichen Schlag des Schalker Torhüters gegen den Borussen Kevin Großkreutz nach Schlusspfiff im Mittelkreis. Absicht sei dies gewesen, sagte Sahin und Großkreutz klagte darüber, dass ihm seine Nase „richtig weh“ tue.
„Das muss ein anderer Manuel Neuer gewesen sein“, konterte süffisant Neuer den Vorwurf, den er bestreitet: „Ich habe weit und breit keinen Großkreutz gesehen und auch keine Berührung gespürt.“ Dann fügte er ironisch an: „Ich hoffe, dass er noch alle Zähne hat.“Neuer war vom Hochgefühl des Sieges getragen, von Reue keine Spur. Für ihn war der Sieg in Dortmund wichtig, weit wichtiger als so manchem anderen seines Teams. Seit seinem vierten Lebensjahr ist er ein Schalker und früher als Mitglied des Fanklubs „Buerschenschaft“ ständiger Besucher der Nordkurve im alten Parkstadion gewesen. Er genoss den Triumph in vollen Zügen, ging dabei nach dem Geschmack der Dortmunder aber über die Grenzen des politisch korrekten Verhaltens hinaus – er jubelte nach Spielende vor der deren Fans. Die fühlten sich daraufhin provoziert.
Das Nachspiel hat für Neuer keine Folgen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nimmt keine Ermittlungen gegen den U21-Europameister auf. Spieler von Borussia Dortmund hatten Neuer beschuldigt, eine Tätlichkeit an BVB-Profi Kevin Großkreutz begangen zu haben. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, hieß es vom DFB nach Ansicht der Fernsehbilder.
Der 23 Jahre alte Neuer wirkt zwar nicht so, doch in bestimmten Situationen neigt er zu provokantem Verhalten. So schnappte er sich in der vergangenen Saison nach dem Schalker Sieg bei Bayern München die Eckfahne und wälzte sich auf dem Boden – wie Oliver Kahn nach der in der letzten Minute der Saison 2000/01 gewonnen Meisterschaft, die Schalke den schon sicher geglaubten Titel raubte. Neuer hatte die Bilder vom Kahn-Jubel damals auf der Anzeigentafel im Parkstadion sehen müssen und war in Tränen aufgelöst – er ist halt Schalker durch und durch.
Am Samstag musste er sich im Kabinengang von den Dortmunder Kollegen einiges anhören, doch an ihm perlt das ab. Er lebt das, was generell von Fußballprofis erwartet, aber nur in den seltensten Fällen tatsächlich praktiziert wird: Identifikation mit dem Verein. Das ist respektabel, immer vorausgesetzt, dass er tatsächlich gegenüber Großkreutz nicht handgreiflich geworden ist. Doch hier gilt mangels Beweisen auch für einen Schalker in Dortmund die Unschuldsvermutung.Erschienen am 27.09.2009


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