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26.09.09

Derbysieg

Schalke schießt Dortmund noch tiefer in die Krise

Erstmals in dieser Saison änderte Schalkes Trainer Felix Magath seine Aufstellung nicht – es brachte seinem Team den Sieg im 134. Revierderby und einen Platz in der Bundesliga-Spitzengruppe. Nach dem sechsten sieglosen Spiel in Folge ist für Borussia Dortmund der schlechteste Saisonstart seit 21 Jahren perfekt.

© ddp/DDP
Rafinha (l.) und Levan Kenia jubeln mit dem Torschützen Jefferson Farfan (M.)
Rafinha (l.) und Levan Kenia jubeln mit dem Torschützen Jefferson Farfan (M.)

Wer in die Gesichter der Dortmunder Spieler blickte, sah betretene Mienen. Sie hatten alles gegeben, am Ende aber hat es wieder nicht gereicht. Im Revierderby gegen Schalke 04 unterlagen sie 0:1 (0:1). "Wir entwickeln einfach zu wenig Torgefahr", haderte Abwehrspieler Patrick Owomoyela.

Es war das sechste Spiel in Folge ohne Sieg und der schlechteste Saisonstart seit 21 Jahren. Keine Frage: Der Klub steckt in der Krise. "Es ist klar, dass es jetzt rauer für uns wird", sagte Trainer Jürgen Klopp. Nicht einmal in die Nähe der Fans trauten sich seine Spieler nach der Begegnung, sie hielten vorsichtshalber Abstand zu den enttäuschten Anhängern.

Dabei brachte das Dortmunder Team die ganze Partie über deutlich mehr Schwung ins Spiel als die Gäste. "Heiß wie Frittenfett" seien seine Spieler, hatte Klopp vor dem Spiel ausgemacht. Sein Eindruck täuschte nicht. Die Borussen lieferten eine engagierte Vorstellung ab. Sogar in Führung hätten sie gehen können. Ein abgefälschter Distanzschuss ihres Stürmers Lucas Barrios prallte von der Unterkante der Latte, aber wohl nicht ganz hinter die Torlinie. Beim Abschluss des stark spielenden Jefferson Farfan hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark dagegen keine Zweifel, der Ball zappelte unmissverständlich im Dortmunder Tornetz (31.). Die Schalker hatten ihre erste Chance eiskalt genutzt, im Fanblock jubelte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. "In der Höhle des Löwen zu gewinnen, ist das Schönste", sagte Trainer Felix Magath später.

Gegen Dortmund hatte er erstmals in dieser Saison seine Aufstellung nicht verändert. Es spielte die Formation, die schon unter der Woche im DFB-Pokal beim kleinen Revierderby in Bochum mit 3:0 erfolgreich gewesen war. Bei den Dortmundern fehlte weiter Kapitän Sebastian Kehl (Adduktoren-Beschwerden) in einer spannenden, intensiv geführten – und vor allem friedlichen Partie.

Im Vorfeld der Begegnung war ja auch viel versucht worden, um die verfeindeten Fanlager zu beschwichtigen. Dortmunds Hauptsponsor hatte Anzeigen geschaltet, auf denen sich ein Schalker und ein Dortmunder Anhänger Arm in Arm auf den Weg ins Stadion machen. Dortmunds Präsident Reinhard Rauball hatte im Stadionmagazin zur Besonnenheit aufgerufen und die beiden Kapitäne Roman Weidenfeller (Dortmund) und Heiko Westermann (Schalke) sich mit einem Videoappell auf den Internetseiten der Klubs an die Fans gewandt. Vielleicht hätte es Westermann auch mannschaftsintern machen müssen, denn einige seiner Mitspieler ließen ihre Emotionen entgleisen. Farfan jubelte nach seinem Tor vor der Dortmunder Fantribüne und Torwart Manuel Neuer nach dem Schlusspfiff. "Darüber wird noch zu reden sein", sagte Magath. Sein Kollege Klopp sagte: "Da reden alle von Deeskalation und dann so was."

Provokationen haben beim Kohlenpottschlager zwar Tradition, hüben wie drüben war es insbesondere in den vergangenen Jahren jedoch zu Eskalationen gekommen. Auch für das 134. Revierderby waren die Vorzeichen alarmierend. Im Dortmunder Innenstadtbereich hatten Ultras über Nacht Plakate angebracht. "Blau-Weiß vernichten" war die Botschaft an die Schalker. Die Polizei reagierte, sie bot rund 15 Hundertschaften und damit so viele wie nie bei einem Dortmunder Fußballspiel auf.

Schalkes Homepage wurde gehackt

Einen Internethacker konnte das am Vorabend des Duells jedoch nicht abschrecken. Offenbar von einem Anhänger Borussia Dortmunds wurden üble Hetztiraden auf der Webpräsens der Schalker hinterlassen. "Tod und Hass dem S04" war zu lesen. Bereits am 11. Februar war Schalkes Internetseite von Unbefugten geentert worden. Damals war Stürmer Kevin Kuranyi das Opfer gewesen. Sein Klub hätte ihn aus disziplinarischen Gründen suspendiert, hieß es damals. Am Samstag fehlte er wegen eines Infekts, hätte seinem Team in der zweiten Halbzeit jedoch gut getan.

Denn dem Druck der Dortmunder konnte es kaum etwas entgegensetzen, offensive Entlastungsaktionen hätten den Schalkern das Leben leichter gemacht. Magath regte sich fürchterlich über die Mutlosigkeit auf. Brauchte er aber gar nicht. Die Dortmunder gingen in Tornähe zu überhastet zu Werke und so stand er am Ende als glücklicher Sieger da. Es gehe darum, "wer der Platzhirsch im Revier ist", hatte er gesagt. Das wurde zugunsten der Schalker geklärt. Sie stehen in der Spitzengruppe. Dortmund dagegen rutschte in Nähe der Abstiegszone.

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