DEL
Warum Busch trotz Sperre für Berlin spielen darf
Samstag, 5. September 2009 19:41 - Von Marcel SteinEigentlich hat der Internationale Sportgerichtshof den Eishockeyspieler Florian Busch im Juni für zwei Jahre gesperrt, weil der Stürmer der Eisbären Berlin einen Dopingtest verweigert hatte. Trotzdem wird der 24-Jährige heute gegen die Kassel Huskies auflaufen, da "das Urteil derzeit nicht vollstreckbar ist".

Jeff Friesen hat schon viele gute Spieler gesehen, 977 Mal lief der Kanadier in der nordamerikanischen Profiliga NHL auf. Mit diesen Meriten ist er nun die Attraktion der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), Friesen (33) heuerte beim Deutschen Meister EHC Eisbären an. Schon nach wenigen Trainingseinheiten mit den Berlinern staunte er darüber, wie viel Talent in der Mannschaft steckt. „Unglaublich, dass einer wie Busch nicht in der NHL spielt“, sagt Friesen.
„Das Urteil ist derzeit nicht vollstreckbar, deshalb wird er nicht gesperrt“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Um den Schiedsspruch in Deutschland wirksam werden zu lassen, müsste die Weltantidopingagentur (Wada), für die ein verweigerter Test einer positiven Probe gleichkommt und mit einer Sperre von zwei Jahren zu ahnden ist, einen Antrag beim Berliner Kammergericht stellen. Das wird die Wada erst tun, wenn ein Verfahren beim Schweizer Bundesgericht das Cas-Urteil bestätigt.
In der Schweiz hatten Buschs Anwälte eine Rechtsbeschwerde gegen die Entscheidung des Cas vom 23. Juni eingelegt. Es soll geprüft werden, ob der Cas in diesem Fall zuständig war. Denn laut Verteidigung lag keine rechtgültige Schiedsgerichtsvereinbarung vor. Busch hatte keine Athletenvereinbarung beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) unterschrieben.
Bis zum 31. August hatten beide Parteien Zeit, ihre Standpunkte beim Bundesgericht darzulegen. Sollte dort der Cas bestätigt werden und die Wada dann die Vollstreckung beantragen, „werden wir Busch auch sperren“, sagt Tripcke. Das Prozedere könne sich aber noch Monate hinziehen. Tripcke: „Ich glaube nicht, dass es noch in diesem Jahr dazu kommt, vielleicht nicht einmal in dieser Saison.“
So langwierig der Fall Busch ist, so heilsam war er doch für die Sportart allgemein. Der laxe Umgang mit dem Thema Doping, vor allem beim DEB ist passé. „Wir haben jetzt alles in die Hände der Nationalen Antidopingagentur gelegt“, sagt Tripcke. Die DEL lässt als erste Profiliga alle Trainings- und Wettkampfkontrollen von der Nada durchführen, der DEB setzt den Antidopingcode penibel um. Vom Schmuddelkind entwickelt sich das Eishockey so zum „Vorreiter“, wie es bei der Nada heißt. Nur das Gezerre um Busch erinnert noch an die einstigen Versäumnisse.
Sollte der Stürmer tatsächlich gesperrt werden, muss das nicht heißen, dass er nicht spielen darf. An Cas-Sprüche ist die NHL nämlich nicht gebunden. Jeff Friesen sieht ihn ohnehin dort besser aufgehoben als in Deutschland.Erschienen am 04.09.2009


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