Super-Six-Turnier
Arthur Abraham lädt in Berlin zum Volksboxen
Freitag, 4. September 2009 12:29 - Von Gunnar MeinhardtDer Ex-Weltmeister und Wahl-Berliner Arthur Abraham will Mitte Oktober die O2 World füllen - mit 14.000 Boxfans. Mit dem Kampf gegen Ex-Champion Jermain Taylor (USA) läutet er das spektakulärste Turnier in der Geschichte des Preisboxens ein. Es geht um rund 36 Millionen Euro.

Sven Felski ließ es sich nicht nehmen, seinem Kumpel Arthur Abraham schnell noch ein kurzes "Hallo" zu sagen. "Wenn er hier ist, muss ich doch wenigstens vorbeischauen.
Zumal er unser Fan ist, und ich ein großer Fan von ihm", begründete der Stürmer der Berliner Eisbären sein unangekündigtes Erscheinen am Donnerstag im sogenannten Blue Room der O2 World. Die supermoderne Arena am Ostbahnhof ist schließlich die Heimstätte des Deutschen Eishockey-Meisters, der am Freitag in Kassel das Unternehmen Titelverteidigung startet. Geht es nach Abraham, soll der Veranstaltungstempel aber auch sein künftiges "Wohnzimmer" werden.
Spektakulärstes Turnier in der Geschichte des Preisboxens
Nachdem der einstige Boxweltmeister im Mittelgewicht unzählige Male als Zuschauer in Berlins größter Halle gastierte, wird er dort nun am 17. Oktober erstmals selbst im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Mit dem Kampf gegen Ex-Champion Jermain Taylor (USA) läutet er das spektakulärste Turnier in der Geschichte des Preisboxens ein. Sechs vermeintliche Weltklassefighter des Supermittelgewichts wollen bis zum Sommer 2011 ihren Superchampion ermitteln. Es geht um rund 36 Millionen Euro.
Es nehmen teil: Arthur Abraham (Deutschland/30 Siege), Andre Dirrell (USA/18), Carl Froch (England/WBC-Weltmeister/25), Mikkel Kessler (Dänemark/WBA-Weltmeister/41/1 Niederlage), Jermain Taylor (USA/28/3/1 Unentschieden) und Andre Ward (USA/19).
"Dass ich den Auftakt der Champions League im Boxen ausgerechnet in dieser Halle vollziehen darf, ehrt mich besonders", sagte Abraham der versammelten Presse und fügte nicht ohne Pathos hinzu: "Für mich erfüllt sich damit ein Traum."
Ausgelöst wurde er während eines Vorkampfes bei der Titelverteidigung von Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko im Oktober vorigen Jahres gegen den Nigerianer Samuel Peter. Abraham erinnert sich noch genau an jene Augenblicke: "Ich stand auf dem Oberrang und schaute minutenlang in das weite Rund. In aller Seelenruhe sog ich die wahnsinnige Atmosphäre auf. Ich bekam eine Gänsehaut und wünschte mir nichts sehnlicher, als hier einmal im Ring zu stehen. Vor mehr als 14.000 Zuschauern zu boxen, ist doch bestimmt geil, dachte ich so bei mir."
Die Ränge könnten bei seinem Premierenauftritt durchaus voll besetzt sein, so wie bei Spielen der Eisbären oder den meisten anderen Events. Den gleichen Fehler wie beim Klitschko-Kampf werden die Ausrichter jedenfalls nicht wiederholen. Seinerzeit hatten sie viel zu hohe Eintrittspreise angesetzt. Hätten sie am Kampftag nicht tausende Karten kostenlos feilgeboten, wäre das weite Rund halb leer geblieben.
Teuerste Karten kosten 1000, billigste 15 Euro
Exklusivität hat allerdings auch diesmal seinen Preis. Die teuersten Tickets in Ringnähe kosten stolze 1000 Euro. Dafür aber werden 10.000 Karten für weniger als 40 Euro angeboten. Die billigsten sind schon für 15 Euro erhältlich.
"Volksboxen in Berlin", hat Detlef Kornett, Europachef der Anschutz Entertainment Group (AEG), dem Eigentümer der O2 World, als Motto für Abrahams Debüt im Limit bis 76,203 Kilogramm kreiert. Der offizielle Vorverkauf beginnt am 7. September. All jene, die am Vortag zum ersten Saisonheimspiel der Eisbären vorbeischauen, können bereits am Sonntag ihre Tickets erwerben.
Selbstredend wird Abraham Sonntag von der Tribüne aus den Eisbären wieder zujubeln. Um live gegen den ERC Ingolstadt dabei sein zu können, hat Boxlehrer Ulli Wegner extra das Training verlegt. Ein Freund solcher Kompromisse ist der 67 Jahre alte Trainer normalerweise nicht. "Arthur hat zwar die gigantische Atmosphäre schon einige Male erlebt", sagte Wegner. "Doch jetzt, wo sein Kampf hier perfekt ist, haben wir eine andere emotionale Situation. Es ist sicher gut, wenn er sich daran bewusst gewöhnen kann. Ich glaube schon, dass 14.000 Fans hinter ihm stehen werden."
Wahl-Berliner Abraham an der Ostsee im Trainingscamp
Viel Zeit bleibt Abraham für die Verinnerlichung nicht. In zwei Wochen wird der Wahl-Berliner sein Trainingscamp in Zinnowitz beziehen, um sich in gewohnter Ostsee-Idylle vorbereiten zu können. Sechs Tage vor dem Kampf kehrt er in die Hauptstadt zurück.
Das Duell gegen Taylor, der sich im texanischen Houston fit macht und per Videobotschaft wissen ließ, dass natürlich er am 17. Oktober den Ring als Sieger verlassen werde, sei richtungweisend, sagt Wegner. "Wenn Arthur den Kampf gewinnt, marschiert er durch das Turnier", ist der Übungsleiter überzeugt und freut sich diebisch auf die neue Herausforderung für sich und seinen Schützling: "Jetzt kann Arthur zeigen, ob er der Größte ist."
Sollte er am 17. Oktober den Ring nicht als Sieger verlassen, hätte er angesichts des Modus' noch immer die Chance, Superchampion zu werden. Doch ob er dann sobald noch einmal in seinem selbsternannten Wohnzimmer die Fäuste fliegen lassen würde, ist eher unwahrscheinlich. "Ich will hier noch viele Kämpfe machen und bin mir deshalb auch der Verantwortung bewusst, die ich mit dem Taylor-Kampf auf mich geladen habe", sagte Abraham und versprach: "Ich möchte viel besser boxen als sonst." Noch nämlich bleibt ein Rest-Traum. "Vielleicht", sagte er, "findet hier mit mir auch das Finale statt." Dann würde Sven Felski sicher nicht nur kurz vorbeischauen.


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich