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25.08.09

Mann oder Frau

Südafrikaner feiern Semenya als "First Lady"

800-m-Weltmeisterin Caster Semenya ist in Südafrika begeistert empfangen worden. Selten wurde eine Sportlerin von der Politik so in Beschlag genommen wie die 18-Jährige, nachdem der Weltverband einen Geschlechtstest angeordnet hatte. Semenya sprach bei ihrer Rückkehr kaum. Sie sei traumatisiert, sagt ein Funktionär.

© dpa/DPA
Wieder zu Hause in Südafrika: 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya
Wieder zu Hause in Südafrika: 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya

Verlegen stand Caster Semenya auf der Bühne vor dem Johannesburger Flughafen Or Tambo. Eine Sängerin versuchte, die 800-Meter-Weltmeisterin von Berlin zum Tanzen zu bewegen, rund 2000 Menschen riefen immer wieder "Caster Caster". Doch die 18-Jährige wippte nur von einem Bein auf das andere. "Hallo zusammen", sagte sie in das Mikrofon, das ihr die Moderatorin unter die Nase hielt. Mehr bekamen die Südafrikaner bei ihrer Rückkehr nicht von ihr zu hören. Semenya sei "traumatisiert", erklärte ein Funktionär des Leichtathletikverbands.

Dafür sprachen andere. Selten wurde eine Sportlerin so von der Politik in Beschlag genommen wie Semenya, nachdem der Leichtathletikweltverband IAAF einen Geschlechtstest angeordnet hat. Die großen südafrikanischen Parteien, sowie Frauenrechtsgruppen hatten ihre Mitglieder für den Empfang der Leichtathletik-Mannschaft mobilisiert – dabei ging es allein um Semenya. Ihr Fall bewegt die Nation: Hunderte hielten Plakate hoch mit Aufschriften wie: "Unsere First Lady".

Die Regierungspartei ANC hatte ihren Jugendliga-Vorsitzenden Julius Malema geschickt, der erklärte, das Geschlecht "dieser Heldin" werde niemals in Südafrika getestet werden: "Wir haben die Bestätigung ihrer Eltern. Das ist genug." Man werde Geschlechtertests genauso wenig wie Rassismus akzeptieren – womit der Fall vom ANC angesichts des in der Tat ungeschickten Verhaltens der IAAF konsequent in Verbindung gebracht wird.

Semenya, in deren Geburtszertifikat "weiblich" steht, wird nicht vorgeworfen, betrogen zu haben – aber eventuell unwissentlich genetische Voraussetzungen zu haben, die ihr einen unfairen Vorteil gegenüber anderen Athletinnen si-chern. Nach Angaben der englischen Zeitung "Telegraph" hätten frühere Tests einen um das Dreifache erhöhten Wert des bei Frauen üblichen Testosteron-Levels ergeben.

Nicht nur ihre Familie im kleinen afrikanischen Dorf Masehlong fragt sich, wie Semenya die Debatte überstehen soll. Doch die Sportlerin scheint stärker als gedacht. Am Montag wischte sie auf der Bühne mit beiden Händen über ihre Schulter. Als wolle sie ein kleines Staubkorn entfernen, das sie beschmutzt hat.

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