Berlin 2009
"Die Leichtathletik-WM hatte nur Gewinner"
Samstag, 7. August 2010 06:30 - Von Sebastian ArltLeichtathletik-Weltvandspräsident Lamine Diack lobte die WM in Berlin in den höchsten Tönen: "Es war ein fantastisches Event." Und DLV-Präsident Clemens Prokop behauptete: "Die WM hatte nur Gewinner." Doch erst im Oktober wird sich zeigen, wie groß das Defizit der Titelkämpfe ist.
Gegen 19.30 Uhr war alles vorbei: Nach einer Abschlussfeier, die mehr stimmungsvolle Musik als langweilige Redebeiträge verdient gehabt hätte, war die 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaft am Sonntag Geschichte. Stunden später begann schon rund ums Berliner Olympiastadion der Abbau der Containerstadt, auf den beiden Flughäfen der Hauptstadt wimmelte es gestern vor abreisenden Sportlern und Betreuern. Mancher wirkte übernächtigt nach einer der Abschiedspartys, die die Mannschaften gefeiert hatten.
Lamine Diack, der Präsident des Weltverbandes IAAF, lobte in den höchsten Tönen: „Es war ein fantastisches Event.“ Besonders hatten es ihm die Zuschauer angetan: „Sie waren außergewöhnlich fair und haben jeden angefeuert.“ Das Publikum war auf alle Fälle weltmeisterlich – so es denn anwesend war. Denn wenn ein Makel in Erinnerung bleibt, dann sind es die teilweise leeren Ränge, nicht nur bei den Veranstaltungsabschnitten am Vormittag, sondern an einigen Tagen auch abends.
Vermarktung, Werbung, Tickets, das alles wird im Nachklang der WM sicher noch diskutiert werden. „Man kann immer etwas anders machen“, sagte der im Organisationskomitee dafür zuständige Michael Mronz auf die Frage, ob er aus heutiger Sicht manches anders angegangen wäre. Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, gab ehrlich zu: „Was die Tickets betrifft, hatten wir uns eigentlich etwas Ambitionierteres vorgenommen.“ Im Etat hatten die Verantwortlichen aber sowieso weniger als die erhofften 500.000 verkauften Karten angesetzt. Am Ende wurden es 400.000.
Wie hoch wird das Defizit?
Bleibt ein Defizit? Diese Frage wird sich noch nicht so schnell beantwortet lassen. Erst Ende September, Anfang Oktober werde man, so OK-Geschäftsführer Heinrich Clausen, Genaues wissen. Einiges wie Doppelbesteuerung der Siegerprämien oder Verteilung der Reisekosten könne erst in den kommenden Wochen abgerechnet werden. Dann wird man sehen, ob es bei der Lücke im sechsstelligen Bereich bleibt, die sich derzeit auftut.
Mit 20 Millionen Euro ist Berlin am Gesamtetat von 44 Millionen Euro beteiligt. Schießt man im Falle eines Falles noch etwas nach oder muss dann der Deutsche Leichtathletik-Verband bluten? „Dann werden wir uns an einen Tisch setzen“, kündigte Wowereit an. „Wir bleiben ein fairer Partner des DLV.“
Es muss sich also noch zeigen, ob der Satz von DLV-Präsident Clemens Prokop Gültigkeit hat: „Die WM hatte nur Gewinner.“
Erschienen am 24.08.2009


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