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Leichtathletik-WM

Heidler ist Deutschlands letzte Titelhoffnung

Sie ist Titelverteidigerin, in der Qualifikation warf die 25-Jährige Bestweite: In der Hammerwurf-Konkurrenz am Samstagabend ist Betty Heidler die letzte deutsche Gold-Hoffnung in Berlin. Allerdings scheiterte sie bei Olympia 2008 in Peking an einem ähnlich hohen Erwartungsdruck.

Betty Heidler qualifizierte sich mit Bestweite für das Hammerwurf-Finale.
Foto: AFP
Betty Heidler qualifizierte sich mit Bestweite für das Hammerwurf-Finale.

Betty Heidler fasste es in vier Worte zusammen: „Das war schon krass.“ Besser hätte die Generalprobe nicht verlaufen können, mehr Selbstvertrauen hätte sich Deutschlands letzte Titelhoffnung bei dieser WM nicht holen können. Am Donnerstag hatte die Hammerwerferin in der Qualifikation 75,27 m geworfen, das war die beste Weite aller Teilnehmerinnen.

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Spätestens seitdem weiß man nun, dass ihr Ziel für das Finale am Samstagabend, nicht unrealistisch ist: „Ich will erneut den Titel holen.“ Vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Osaka hatte Heidler unerwartet Gold gewonnen. Locker und ohne große Belastung war sie damals die Sache angegangen – und hatte zugeschlagen. Einst war die Sache sicher einfacher. „Diesmal geht es nicht um eine Überraschung, sondern darum, den Erfolg zu bestätigen.“

Und da werden schnell Erinnerungen wach an die Olympischen Spiele 2008 in Peking, als sie sich auch gute Chancen ausgerechnet hatte und eben auch zeigen wollte, dass das WM-Gold kein Ausrutscher war. Doch es ging völlig daneben. In einer Klassifizierung der Olympiateilnehmer durch das Fachblatt „Leichtathletik“ wurde sie nach ihrem neunten Platz unter der Rubrik „Mitläufer“ eingestuft.

Die 25-Jährige war dem Druck nicht gewachsen, in der Qualifikation warf sie den Hammer erst zweimal ins Fangnetz, der dritte Versuch war um sechs Meter kürzer als ihre persönliche Bestleistung. Das bedeutete das Aus.

Sie hatte ganz schön dran zu knabbern am frühen Olympia-Aus, zog aber auch Konsequenzen. Denn sie hatte Schwachstellen erkannt. „Ich habe damals viel zu viel an mich ran gelassen.“ Inzwischen sei sie „viel lockerer“ geworden. „Das ist das Ergebnis knüppelharter Arbeit, vieler neuer Gedanken und Diskussionen“, sagte ihr Heimtrainer Michael Deyhle, in Personalunion auch Bundestrainer.

Heidler bestätigte das: „Ich habe viele Gespräche geführt mit Freunden, dem Trainer und einer Sportpsychologin.“ Heike Kugler, die auch die WM-Zweite im Kugelstoßen, Nadine Kleinert, berät und zur offiziellen WM-Delegation des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gehört, lehrte sie vor allem, sich nicht selbst zu viel Druck durch den Weltmeistertitel aufzuerlegen. Heidler sagt heute: „Ich muss nichts mehr beweisen.“ Und: „Ich zweifle nicht an mir.“

Was Öffentlichkeitsarbeit betrifft, haben sich Deyhle und Heidler wohl ein Beispiel an dem Erfolgduo im Hochsprung, Ariane Friedrich und Günter Eisinger, genommen. Wie bei Eisinger liefen zuletzt alle Medienanfragen direkt über Deyhle – und wurden zumeist abschlägig beschieden. Betty Heidler sollte und wollte ihre Ruhe haben.

Sie verliert auch keine Gedanken daran, dass in der Weltrekordlerin Tatjana Lysenko (Russland) eine Favoritin nach abgelaufener Dopingsperre zurück ist. Mit der neuen Lockerheit will die Jura-Studentin das Finale im Olympiastadion angehen, ein „Heimspiel“ für die in Berlin-Marzahn geborene und aufgewachsene Heidler, die mit 18 Jahren nach Frankfurt zog, um unter Deyhle eine Weltklasse-Hammerwerferin zu werden. Damals waren die Eltern entsetzt, dass ihre Tochter von zu Hause wegzog, inzwischen sind sie längst „stolz auf mich“.

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