WM in Berlin
Berliner Harting holt zweites deutsches Gold
Freitag, 21. August 2009 08:29 - Von Sebastian ArltRobert Harting hat bei der Leichtathletik-WM mit einem unglaublichen letzten Wurf den Titel im Diskuswerfen gewonnen. Ausgerechnet der Berliner, der so oft polarisiert und provoziert. Ausgerechnet nachdem der 24-Jährige mit einer Verbal-Attacke gegen Dopingopfer wieder einmal für großen Ärger gesorgt hatte.
Es war genau 21.29 Uhr, als Robert Harting auf der Bahn sein Trikot zerriss. Der Berliner Diskuswerfer war nicht mehr zu halten. Weltmeister! Im letzten Versuch hatte er den Diskus auf unglaubliche 69,43 m geschleudert. Er nahm WM-Maskottchen Berlino huckepack, ließ sich auf der Ehrenrunde mit Tränen in den Augen feiern. „Ich wollte mein Stadion verteidigen, das ist mir gelungen“, freute sich der Mann vom SC Charlottenburg überschwänglich. Auf Rang zwei kam der Pole Piotr Malachowski (69,15 m) vor Gerd Kanter aus Estland (66,88 m).
Ausgerechnet Robert Harting. Ausgerechnet der Berliner, der so oft polarisiert und provoziert. Ausgerechnet nachdem der 24-Jährige noch am Dienstag mit einer Verbal-Attacke gegen Dopingopfer wieder einmal für Ärger gesorgt hatte. Gleich nachdem er als Sieger feststand und die Jubelphase begann, legte er seine Finger auf die Lippen und machte eine Bewegung, als wenn er seinen Mund mit einem Schlüssel abschließen wollte. Ein Zeichen für Schweigen, was ihm doch allzu schwer fällt.
Doch bald sprach er wieder: „Ich hatte erst gehofft, dass ich mehr Buhrufe kriege. Nee nicht gehofft, befürchtet. Deutsche Sprache, schwere Sprache.“ Wieder so ein typischer Harting-Spruch. Doch eines sei ihm ebenfalls wichtig: „Natürlich tut mir alles von Herzen leid. Ich weiß wortgenau gar nicht, was da los war.“ Vieles sei falsch verstanden worden.Zumindest seine großartige sportliche Leistung von Mittwoch ist unbestritten. Gleich zu Beginn hatte der Pole die Konkurrenten in Staunen versetzt und kam auf 68,77 m, polnischer Rekord. Harting war nicht geschockt, schleuderte den Diskus im ersten Durchgang auf die Saisonbestweite von 68,25 m. Vor seinen Versuchen animierte er das Publikum jedes Mal zum Klatschen. Nach drei Runden hieß es immer noch Malachowski vor Harting. Als Malachowski dann im fünften Versuch 69,15 m weit warf, wähnte er sich schon als Weltmeister. Doch dann kam im letzten Durchgang Hartings goldener Wurf. Malachowski konnte nicht mehr kontern.
„Ich wollte unbedingt den Polen schlagen“, erklärte Harting anschließend. „Am Ende bin ich fast zusammengefallen, solche Kreislaufprobleme hatte ich schon lange nicht mehr.“ „Wahnsinn, ich wusste immer, dass er das kann“, jubelte sein Trainer Werner Goldmann, wegen dessen Doping-Verstrickungen in der DDR es in der Vergangenheit so viele Diskussionen gegeben hatte.
In den Jubel der meisten der 32.000 Zuschauer im Olympiastadion über die zweite deutsche Goldmedaille nach Steffi Nerius mischte sich aber auch bei einigen Nachdenklichkeit. Zu sehr ist Harting zuletzt immer wieder aus der Rolle gefallen. Seine Ausfälle gegenüber Dopingopfer und deren Unterstützer nach der Qualifikation am Dienstag hatte ihm vor seinem großen Auftritt zu Recht viel Ärger eingebracht. Auch am Mittwoch ließ der Doping-Hilfe-Verein übrigens wieder Papp-Brillen vor dem Olympiastadion verteilen, um plakativ auf den im Verborgenen weiter stattfindenden Gebrauch von verbotenen Mitteln aufmerksam zu machen.
Die ganzen Turbulenzen um ihn schienen Harting auf alle Fälle nicht beeindruckt zu haben. DLV-Sportdirektor Jürgen Mallow, der Harting als „Problem-Athleten“ bezeichnete, wollte am Mittwoch zum Fall nicht weiter Stellung nehmen. Verband und Harting werden sich am Donnerstagvormittag in einer Pressekonferenz äußern. Fest steht jedenfalls, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband den immer wieder aneckenden Harting nach der WM zu einem ausführlichen Gespräch bitten wird. Gold hin, Gold her. Schließlich hatten seine jüngsten Äußerungen nicht zum ersten Mal für Ärger gesorgt. Zuvor hatte er beispielsweise gegen DLV-Präsident Clemens Prokop und DLV-Sportdirektor Frank Hensel gestänkert. Dass die Verbandsfunktionäre, die vor der WM erst einmal stillhielten, sich das ohne Weiteres gefallen lassen, ist kaum anzunehmen.Erschienen am 19.08.2009


Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Events
Kino
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Branchenbuch
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich