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19.08.09

Leichtathletik-WM

Titelverteidigerin Franka Dietzsch verpasst Finale

Zum Abschluss ihrer großen Karriere hat Diskuswerferin Franka Dietzsch bei der WM in Berlin den Endkampf verpasst. Die 41-jährige Titelverteidigerin verfehlte die Qualifikationsweite um mehr als drei Meter. Immerhin ist Dietzsch WM-Rekordteilnehmerin: Seit 1991 war sie ununterbrochen am Start.

© AP
Aus und vorbei: Bei ihrer letzten WM verpasste Dietzsch den Endkampf
Aus und vorbei: Bei ihrer letzten WM verpasste Dietzsch den Endkampf

Dreimal war sie der Diskus-Schlager bei Weltmeisterschaften, doch beim Abschied von der großen Bühne gaben andere den Ton an: "Jetzt ist es vorbei. Ich bin unendlich enttäuscht, aber irgendwie auch erleichtert", sagte die 41 Jahre alte Grande Dame der deutschen Leichtathletik, nachdem sie in der Qualifikation von Berlin mit nur 58,44 m ausgeschieden war.

Es wirkte, als stünde Dietzsch beim Verlassen des Stadions neben sich. Ein letztes Winken ins Publikum, ein letztes Schulterzucken. Ihre Miene wirkte ferngesteuert. "Ich halte mich emotional gut, oder? Das kommt später", meinte die Neubrandenburgerin, der 61,08 m zum Einzug ins Finale am Freitag (20.20 Uhr) gereicht hätten. Dort steht die 18 Jahre jüngere deutsche Meisterin Nadine Müller nach 61,63 m.

Dietzschs Gefühle waren im Laufe der verkorksten Saison bereits auf der Strecke geblieben, auch wenn ihr auf dem Weg zum Stadion "Pippi in den Augen" stand: "Ich habe mich in den vergangenen Monaten mit jedem schlechten Wettkampf ein Stück weit mehr verabschiedet." Trotzdem gab die als Titelverteidigerin gesetzte Bankkauffrau den Traum vom Abschied vor Heim-Publikum nicht einfach auf. "Ich wollte unbedingt in Berlin starten und die große Bühne haben", sagte Dietzsch und kündigte an: "Ich mache noch zwei, drei kleine Wettkämpfe in Deutschland, aber international starte ich nicht mehr."

Anders als ihre Freundin Steffi Nerius, die ihr Good Bye am Dienstag mit WM-Gold gekrönt hatte, blieb Dietzsch der Glanz verwehrt, was sie aber nicht vergleichen mochte: "Zur Erinnerung: Steffi ist 37. Da war ich auch noch Weltmeisterin. Ich bin heute 41. " Außerdem habe Nerius nicht ihre gesundheitlichen Probleme gehabt.

Trotz des Ausscheidens in der Qualifikation sicherte sich Dietzsch bei der letzten WM einen Titel: Sie ist nun zusammen mit der gerade 34 Jahre alten Geherin Susana Feitor (Portugal) Rekord-Teilnehmerin (10 Starts). Feitor war am Sonntag über 20 km Gehen Zehnte geworden und verpasste wie Dietzsch seit Tokio 1991 keine Weltmeisterschaft.

Verärgert war die Frau von der Insel Usedom indes ein bisschen über ihre Leistung nach zwei Würfen ins Netz und nur einem auf 58, 44: "Ich kann es besser. Eine Medaille hätte ich hier zwar nicht geholt, aber das Finale locker erreichen können." Wie die gerade von einer Dopingsperre zurückgekehrte Athen-Olympiasiegerin Natalja Sadowa (Russland/37 Jahre). Wie üblich fehlte Dietzsch-Trainer Dieter Kollark bei der Qualifikation seines Schützlings. "Wir haben zusammen gefrühstückt und dann ist er gegangen."

Ihre Zukunftspläne wollte Dietzsch am Mittwoch noch nicht offenlegen. Nur soviel sagte sie: "Ich glaube, ich habe Talent für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen." Einen Job im Leistungssport als Bundestrainerin schloss sie jedoch aus. "Diesen Stress von großen Meisterschaften will ich mir nicht mehr antun."

Zu denen, die am Mittwoch ausschieden, gehörte auch eine, die mit 48 Jahren noch älter ist als Dietzsch: Jelena Zwerewa (Weißrussland), Weltmeisterin von 2001.

Zufrieden mit ihrem Auftritt konnte dagegen Nadine Müller sein: "Am Morgen habe ich mich noch ein bisschen mulmig gefühlt. Das war aber dann im Stadion weg, es hat irre Spaß gemacht", sagte die Hallenserin und nannte gleich ihr Ziel für das Finale: "Jetzt will ich unter die ersten Acht."

Quelle: sid/jr
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