Fussball-Bundesliga
Die Schweinegrippe legt Hannover 96 lahm
Weil Steven Cherundolo mit dem an Schweinegrippe erkrankten Landon Donovan Kontakt hatte, wurde er von Hannover 96 isoliert. Vorher trank er mit Vinicius und Jan Rosenthal Kaffee, weshalb diese auch vom Team getrennt wurden. In der Bundesliga fehlen klare präventive Maßnahmen gegen die Pandemie.
Von Christian Otto
Der Hinweis kam von keinem Arzt, keinem Funktionär, sondern von einem Journalisten. Aus der medialen Anfrage an Hannover 96, was davon zu halten sei, dass mit Landon Donovan ein US-Nationalspieler an der so genannten Schweinegrippe erkrankt sei, entstand bereits der zweite Quarantäne-Fall bei den Niedersachsen.
Donovan, der frühere Profi des FC Bayern München, ist nach dem WM-Qualifikationsspiel der US-Auswahl gegen Mexiko (1:2) positiv auf den H1N1-Virus getestet worden. Deshalb musste sein amerikanischer Teamkollege Steven Cherundolo, der nach seinem Länderspiel-Einsatz für die USA am Samstag eigentlich schon wieder für 96 am Wochenende beim 1:1 (0:0) gegen Mainz 05 auflaufen sollte, von seiner Vereinsmannschaft isoliert werden. Ein Hinweis von der Teamleitung der Amerikaner auf eine mögliche Ansteckungsgefahr blieb aus, kein Verband meldete sich zu Wort. Dass Cherundolo um ein Haar zum Einsatz gekommen wäre, wirft ein merkwürdiges Licht auf die präventiven Maßnahmen in der Fußball-Bundesliga gegen die grassierende Schweinegrippe.
In Hannover hingegen kennen sie sich längst aus mit Inkubationszeiten, Vorsichtsmaßnahmen und Isolationen. Schon vor zwei Wochen, rund um das peinliche Pokal-Aus bei Eintracht Trier, musste Jungprofi Hendrik Hahne nach zwei positiven Schweinegrippe-Fällen in der 96-Reservemannschaft von den Bundesligaprofis getrennt werden.
Gegen Mainz waren es gleich drei Profis. Denn Cherundolo hatte nach seiner Rückkehr vom Länderspiel mit seinen Teamkollegen Vinicius und Jan Rosenthal Kontakt. Ein gemeinsamer Kaffee und ein Gespräch am gleichen Tisch mit dem Verteidiger sorgten dafür, dass der ohnehin schon dezimierte 96-Kader noch kleiner wurde. "Ich wäre froh, wenn ich endlich einmal wieder den gesamten Kader zur Verfügung hätte", sagte 96-Trainer Dieter Hecking, dessen Rauswurf von den eigenen Fans nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Mainz erneut lautstark gefordert wurde. Aristide Bance hatte die Gäste in Führung gebracht (53. Minute), Jiri Stajner per Elfmeter ausgeglichen (56.).
Nicht nur Hannover, auch Borussia Mönchengladbach hat ein Problem mit der Schweinegrippe. Die Westdeutschen beschäftigen mit Michael Bradley auch einen Mitspieler des erkrankten Donovan. Bradley sei zwar negativ getestet worden. Aber aus Präventionsgründen hätte der Verein laut Teammanager Steffen Korell vor der Partie gegen Hertha BSC auf eine Nominierung des 22-Jährigen verzichtet. Der US-Amerikaner ist bis Dienstag vom Training freigestellt.
Verblüffend an den Vorfällen in Hannover und auch Mönchengladbach ist, dass die präventiven Maßnahmen freiwillig und offenbar ohne Rücksprache mit Behörden oder der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ergriffen werden. "Es gibt bei uns keine Infektionen, deshalb ist das Gesundheitsamt auch nicht im Spiel. Steven Cherundolo ist nicht erkrankt", versicherte Dr. Wego Kregehr, der Mannschaftsarzt von Hannover 96. Und Klubsprecher Andreas Kuhnt sagt: "Die Kollegen in Mönchengladbach sind mit der Sache genauso allein gelassen wie wir." Man habe keinerlei Kontakt zur Ligenleitung gehabt und über präventiven Maßnahmen allein entschieden.
Trotz des immensen Drucks durch den Fehlstart handeln die Verantwortlichen der Niedersachsen besonnen. "Wer sich bei uns schlapp fühlt, wird sofort untersucht und im Notfall sofort isoliert", sagt Stürmer Mike Hanke und spricht von strikten Ansagen der medizinischen Abteilung. Letztere hätten sie sich bei 96 auch von der DFL gewünscht.
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