05.03.13

Christian Frommert

"Ich hatte das Gefühl, ich bin Madonna"

Zu Zeiten des T-Mobile-Teams war Christian Frommert Sprecher im Konzern. In einem Buch beschreibt er nun seine Magersucht. Er glaubt, dass die Zeit im Radsport eine Mitschuld an der Krankheit trägt.

Foto: picture-alliance / Sascha Bauman

Christian Frommert wog bei 1,84 Körpergröße zweitweise nur noch 39 Kilo
Der Magersüchtige Christian Frommert hat ein Buch über seine Krankheit veröffentlicht

Christian Frommert war einst ein mächtiger Mann in der deutschen Radsport-Szene. Er arbeitete als Sprecher des T-Mobile-Sportsponsorings und damit für das einstige Profiteam rund um Jan Ullrich. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Frommert aber durch seine Krankheitsgeschichte, die er im Februar 2012 öffentlich machte.

Der heute 46-Jährige leidet an Anorexia, Magersucht. Damals ließ er sich für das Lifystyle-Magazin "Men's Health" fotografieren. Mit eingefallenen Wangenknochen, spindeldürren Armen und dem sich unter der Haut abzeichnenden Knochenbau. Am Tiefpunkt seiner Krankheit wog Frommert bei einer Größe von 1,84 m nur noch 39 Kilogramm.

Ein dicker Bursche

Die Erfahrungen seines Leidens hat er in einem Buch zusammengefasst, "Bild" veröffentlicht in dieser Woche Auszüge aus "Dann iss halt was" (320 Seiten, Mosaik Verlag, 19,99 Euro, im Handel ab 11. März).

Aber wie kam es überhaupt so weit? Frommert beschreibt sich als dicken Burschen, dem es an Attraktivität mangelt. 1986 traf er seine erste Freundin. "Da war der Dicke, der so froh war, dass er endlich nicht mehr allein war", schreibt der 46-Jährige.

Das änderte sich aber, nachdem Frommert ein Blick in das Tagebuch seiner Gabi geworfen hatte. "Er ist ja doch ganz schön dick", stand da.

Kampf um Anerkennung

Nach dem Abitur ging Gabi nach Australien und Frommert schwor sich: Wenn sie zurückkommt, bin ich dünn. "Das Perfide daran: Ich wollte es nicht für mich, sondern für sie", schreibt der ehemalige Sprecher des Telekom-Teams, der dann innerhalb eines Jahres 60 Kilo verlor.

Frommert stellt für sich eine Gleichung auf: schlank + geistige Leistungsfähigkeit = attraktiv + anziehend + begehrenswert.

"Wenn ich darüber nachdenke, wie das alles so weit kommen konnte mit mir, komme ich immer öfter auf die Idee, dass das alles tatsächlich sehr viel mit meiner Zeit bei Telekom zu tun hat."

"In Richtung Absturz kommuniziert"

Während der erfolgreichen Zeiten des Bonner Rad-Rennstalls stand auch Frommert im Fokus der Öffentlichkeit. Interviews im Frühstücksfernsehen und in den Tagesthemen gehörten zum Geschäft. Aufgrund der vielen Arbeit nahm sich Frommert aber kaum noch Zeit für die Nahrungsaufnahme.

"Mit einem Mal lagen sie mir alle zu Füßen, und es war mir vollkommen egal, dass es bei all ihren Fragen nicht eine Sekunde um mich ging, sondern nur um eine Gruppe von Radfahrern und deren Sponsoren", erklärt Frommert. "Wenn sich ein Landei wie ich plötzlich vor Weltöffentlichkeit und Anerkennung nicht mehr retten kann, ist das ein Gefühl wie: Ich bin Madonna."

Es zählte nur noch die Anerkennung, alles andere war nebensächlich und uninteressant. Frommert: "Ich merkte gar nicht, wie ich mich in Richtung eines steilen Absturzes kommunizierte."

Quelle: DW/fb
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