28.02.13

FC Bayern

Brillanter Robben stellt Heynckes vor Probleme

Der Pokalsieg gegen Dortmund war Balsam für die Münchener. Die tolle Vorstellung stellt sie aber vor ein Luxusproblem. Wohin mit Robben? Kehrt Ribery zurück, wird er sich mit Müller abwechseln müssen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Torschütze Arjen Robben nötigte im Pokalspiel den Bayern wie Gegner Dortmund Respekt ab
Torschütze Arjen Robben nötigte im Pokalspiel den Bayern wie Gegner Dortmund Respekt ab

Ja, und? Was soll er jetzt mit diesem Sieg? Matthias Sammer macht auf ratlos. "Du kannst nicht auf die Autogrammkarten drucken: 'Viertelfinale, Heimspiel gewonnen'", so der Sportvorstand des FC Bayern nach dem 1:0 (1:0) gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal. Er ist ja erst seit Sommer im Verein und habe die vielen Niederlagen gegen den BVB nicht direkt erlebt, "scheinbar war der Sieg wichtig". Sammer schmunzelt. Er weiß genau, wie wichtig.

Der FC St. Pauli hat nach einem großen Triumph gegen die Münchner mal T-Shirts produzieren lassen. "Weltpokalsiegerbesieger", stand darauf, und sie verkauften sich fast so gut wie Heinos neues Album. Also könnten sich die Marketingleute beim Rekordmeister doch auch was einfallen lassen. "Angstgegnerbesieger" würde passen. Elf Millionen Zuschauer an den Fernsehbildschirmen und 71.000 im Stadion sahen: Die Bayern sind derzeit das Nonplusultra des deutschen Fußballs. Die Stimmung in der Arena war so gut, dass die Vereinsführung den Fans am Donnerstag per Mitteilung dankte.

Sammer hat ja recht, dieses 1:0 bringt keinen Pokal an die Säbener Straße. Doch es war ein großer Sieg für die Münchner, und oft ist eben das wichtiger, was nicht auf der Autogrammkarte steht, das Gefühl bedeutender als der Fakt. So ist es gerade beim FC Bayern. Der Klub fühlt sich wieder als Nummer eins in Deutschland. Endlich darf er das wieder.

"Ein super Gefühl", schreibt Torwart Manuel Neuer auf seiner Facebook-Seite. Das Dortmund-Trauma ist abgelegt, die scheinbar letzte Herausforderung in den nationalen Wettbewerben gemeistert. Der Dortmund-Stachel steckt nicht mehr. Es war ein Schlüsselspiel, welches die Chance auf eine perfekte Saison (noch) größer gemacht hat.

Hoeneß: "Es ging um die Vormachtstellung"

"In diesem Spiel ging es um die Vormachtstellung im deutschen Fußball. Wir haben sie zurück, die Verhältnisse sind eindeutig geklärt", freut sich Uli Hoeneß. Spürt der Klubpräsident Genugtuung? Nachdem sein FC Bayern endlich dem Gegner wehgetan hat, der den Münchnern zuletzt so oft Schmerz zugefügt hatte? "Überhaupt nicht. Wir haben einiges dafür getan, in Deutschland wieder oben zu sein. Für uns war es gut, dass so ein Verein gekommen ist. Er hat uns auf ein anderes Level geführt."

Hoeneß ist erkältet, ihm war am Mittwochabend anzumerken, wie der Erfolg zu seiner Genesung beiträgt. Zufrieden ging er mit seiner Frau Susi durch die Katakomben des Stadions und erklärte, warum der erste Sieg über die Borussia nach sechs erfolglosen Partien in Liga und Pokal so verdient war: "Unsere Mannschaft hat in der ersten Hälfte teilweise perfekten Fußball gespielt."

Der FC Bayern dominierte die Partie. Und darf sich sagen: Ja, wir haben eine realistische Chance auf das Tripel. Nicht nur, weil der FC Barcelona, der Inbegriff der spanischen Dominanz im Fußball, das Achtelfinalhinspiel in der Champions League beim AC Mailand 0:2 verloren hat. Viel mehr als die Schwäche der anderen macht die eigene Stärke den Bayern Hoffnung.

Sammer attestiert Bayern-Achse "Weltklasse"

Sogar Tiefstapler Sammer will und kann nicht mehr kokettieren, wenn es ausschließlich um die Form seiner Mannschaft geht. Er habe eine Achse gesehen, die sei "weltklasse". Nämlich Neuer, Abwehrchef Dante und Kapitän Philipp Lahm, zudem lobte Sammer Mittelfeldstratege Bastian Schweinsteiger und Offensivstar Arjen Robben: "Bastian hatte eine Ausstrahlung, die gezeigt hat: An mir kommt keiner vorbei." Der zuletzt oft überragende Franck Ribery hatte gegen Dortmund gesperrt gefehlt – und es fiel überhaupt nicht auf.

Die 93 Minuten gegen Dortmund liefern den Münchnern Erkenntnisse. Erstens: Die Mannschaft kann mit Druck sehr gut umgehen. Zweitens: Die Expertenkritik an seinem Spiel hat Schweinsteiger offensichtlich noch besser gemacht. Drittens: Javi Martinez wird immer stärker. Viertens: Robben kann noch solche Tore schießen wie vor seinen Verletzungen. Fünftens: Trainer Jupp Heynckes hat nun auch gegen Dortmund die richtige Taktik gefunden. Wer soll diese Bayern aufhalten?

"Wir haben vor der Saison gesagt, dass die Titel nur über Dortmund gehen. Wir sind voll im Soll", sagt Kapitän Lahm. Und in der Champions League? "Da ist es noch ein weiter Weg. Wenn wir auf diesem Niveau weiterspielen, sind wir schwer zu besiegen."

Dopingprobe wird zum Ärgernis

Nur Robben ärgerte sich nach dem Abpfiff – weil er zur Dopingprobe musste und nicht mit der Mannschaft in der Kabine feiern konnte. Erst nach Mitternacht fuhr er nach Hause. Der Abend habe sich aber gelohnt, Dortmund habe noch mehr Widerstand geleistet als der FC Arsenal im Achtelfinalhinspiel der Champions League, sagte Robben: "Es war wichtig, in einem großen Spiel zu zeigen, dass wir sie besiegen können. Ich bin zufrieden."

In dieser Form ist er auf der Ersatzbank eine Verschwendung. Sein Schuss zum 1:0 (43. Minute) war für ihn die Revanche für die Niederlage vor einem Jahr, als er per Elfmeter an BVB-Torwart Roman Weidenfeller gescheitert war und BVB-Verteidiger Neven Subotic ihn verhöhnt hatte.

Die gute Leistung des 29-Jährigen stellt Heynckes vor ein Luxusproblem: Er hat in Robben, Ribery, Toni Kroos und Thomas Müller vier formstarke Offensive für das Mittelfeld – aber nur drei Plätze. Die Fähigkeit zu moderieren zeichnet den Trainer in dieser Saison aus, in den kommenden Wochen ist sie besonders gefordert. Vieles deutet daraufhin, dass sich Robben und Müller in den nächsten Wochen abwechseln.

Robben und Müller im Wechsel?

Im Bundesligaspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim am Sonntag würden es wohl beide in Kauf nehmen, geschont zu werden. Aber im Rückspiel gegen Arsenal am 13. März? Da will jeder dabei sein. In den weiteren Runden sowieso. Heynckes sagt nach dem Sieg über Dortmund: Die große Stärke seiner Mannschaft sei, dass seine Spieler "gierig" seien. Auf Titel, und auf Einsätze.

"Ich will jetzt einfach weitermachen und bin sehr positiv gestimmt. Der Trainer ist der Chef und entscheidet", so Robben. Dann sagt der Niederländer einen Satz, der für die Hoffenheimer wie eine Drohung klingen muss: "Ich kann noch viel besser spielen."

Matthias Sammer gefällt dieses Selbstvertrauen. Es solle jetzt aber noch nicht von Erfolg oder einer großartigen Saison geredet werden. "Du bekommst, was du verdient hast. Wir wollen weiter am Verdienen arbeiten", sagt er. Damit die neuen Autogrammkarten auch ihm gefallen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Mit der S-Bahn kommen die Berliner am Wochenende vielerorts nur im Schneckentempo voran
18:09Berliner Nahverkehr
Hälfte aller S-Bahn-Linien am Wochenende eingeschränkt

Auch an diesem Wochenende wird an vielen Berliner Bahnstrecken kräftig gebaut. Besonders betroffen sind die Fahrgäste der S-Bahn. Auf sieben Linien fahren bis Montagfrüh Pendelzüge oder Busse. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
18:48Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


„The Rock“: Wowereit zeigte nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihn die Fragen vielleicht ermüdeten
19:55Hauptstadtflughafen
Wowereit lässt sich im BER-Ausschuss nicht fassen

Berlins Regierender Bürgermeister musste sich dem BER-Untersuchungsausschusses stellen. Dabei zeigte er sich gelassen - und hatte auf alles ein Antwort. Eine persönliche Verantwortung wies er zurück. mehr...

Typhoon escorts plane into Stansted
18:52Britischer Luftraum
Kampfjet leitet Flugzeug um – Zwei Festnahmen

Dramatischer Zwischenfall in Großbritannien: Ein Kampfjet hat ein pakistanisches Flugzeug mit 297 Menschen an Bord umgeleitet. Zwei Männer wurden wegen Gefährdung des Luftverkehrs festgenommen. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote