24.02.13

Ultimate Fighting

Keine prügelt so tabulos wie "Rowdy" Rousey

Premiere beim umstrittenen Ultimate Fighting: Zum ersten Mal prügelten sich zwei Frauen im Maschendrahtkäfig. Gewonnen hat Ronda "Rowdy" Rousey, die nach ihrer Geburt für behindert gehalten wurde.

Von Ansgar Graw
Foto: AP/dpa

Ronda „Rowdy“ Rousey hat beim Ultimate Fighting im kalifornischen Anaheim ihren Titel verteidigt. Es war das erste Mal in dieser Sportart, dass auch Frauen …

10 Bilder

Keine Angst vor Superlativen. "Heute wird Geschichte geschrieben", verkündet der Hallensprecher im kalifornischen Anaheim. Zum ersten Mal stehen sich zwei Frauen zum Ultimate Fighting gegenüber. Im Octagon, dem achteckigen Maschendrahtkäfig, kämpft Ronda Rousey gegen Liz Carmouche.

"Rowdy" Rousey ist 26, blond, langmähnig, Gewinnerin einer Judo-Bronzemedaille 2008 in Peking. Sie hat sich den ersten Titel für eine Frau in der Ultimate Fighting Championship (UFC) mit sechs Siegen in sechs Profikämpfen beim Kickboxen erworben.

"Girlrilla" Carmouche, 29, brünett, ebenso langhaarig und äußerlich ebenso feminin, aber mit einer Vergangenheit bei den harten US Marines, ist die Herausforderin. Sie gewann sieben Kickbox-Kämpfe und verlor zwei.

Etablierung der wüsten Kneipenschlägerei

Zwei Frauen, die in ihren Personen zweimal die Schöne und das Biest vereinigen, stehen sich gleich gegenüber beim Ultimate Fighting. Zum! ersten! Mal!, hämmert der Hallensprecher immer wieder ein.

Zunächst aber dürfen an diesem Samstagabend Männer ins Achteck steigen, barfüßig, mit Kampfhandschuhen ausgerüstet und bevorzugt tätowiert, bekleidet mit einer knielangen Sporthose. "Rowdy" und "Girlrilla" werden nachher zudem Sportbustiers tragen, Rousy in Schwarz, Carmouche in Blau.

Ultimate Fighting ist die Etablierung der wüsten Kneipenschlägerei als Sportart. Veranstalter UFC ist der Tycoon auf dem Gebiet der "gemischten Kampfkunst" (Mixed Martial Arts). 1993 in Denver gestartet und inzwischen mit Hauptsitz im Spielparadies Las Vegas, ist das anfänglich massiv umstrittene Ultimate Fighting längst auch nach Europa, Asien und Australien geschwappt.

Erlaubt ist im brutalen Kräftemessen nicht alles, aber doch das meiste. Keine Kopfstöße, nicht in die Augen, keine Schläge gegen den Hals oder in den Rücken, keine Tiefschläge, und der Kopf ist zumindest dann vor Fußtritten sicher, wenn der eine Kämpfer auf dem Boden liegt. Ansonsten: feste drauf, mit Fäusten, mit den Fingern, deren Spitzen anders als beim Boxhandschuh freiliegen, mit den Füßen, mit dem Ellenbogen, dem Knie, mit dem ganzen Körper.

Ultimate Fighting ist die Kombination von allem, was wehtut, aus Boxen, Karate, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Ringen und was einem sonst noch einfallen mag, um den Gegner zu besiegen. Die Gewalt ist echt. Nichts ist abgesprochen, nichts wird vorgetäuscht. Das einzige Showelement sind die Mädels in den knappen Bikinis, die wie beim Boxen die Tafeln mit der Rundennummer in den Unterbrechungen um den Käfig tragen.

Praktisch keine einschränkenden Regeln

Über Ultimate Fighting wurde in den 90er-Jahren erbittert gestritten, zumal es damals praktisch noch keine einschränkenden Regeln gab. Senator John McCain, der republikanische Präsidentschaftskandidat des Jahres 2008, wollte die "menschlichen Hahnenkämpfe" verbieten lassen.

36 Staaten bannten die tabulose Sportart. In einem langjährigen Prozess unterwarfen sich die UFC-Veranstalter bestimmten Regeln wie dem Tragen der Handschuhe (um Handverletzungen zu vermeiden) und dem Verbot des Kopftretens beim liegenden Gegner.

Allmählich löste sich der Sport vom Schmuddelimage. In großen Kasinos fanden Kämpfe statt, Fernsehsender schlossen Verträge, die Pay-TV-Übertragungen durchbrachen erst die Hunderttausender- und 2006 auch die Millionen-Grenze. Ultimate Fighting ist nicht die Lieblingssportart der Eliten.

Aber Preise von 40 bis 55 Dollar pro Kampf, die im Bezahlfernsehen oder von übertragenden Internetplattformen genommen werden, dürften nicht ausschließlich von Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter gezahlt werden. Die Brutalo-Premiere der Frauen am späten Samstagabend kostete auf einem YouTube-Kanal 45 Dollar.

Brutalität statt Eleganz

Ultimate Fighting firmiert unter Kampfkunst, aber künstlerisch ist wenig an den Kämpfen, die so brutal wie ungelenk wirken. Die Brutalität muss mangels Berechenbarkeit der eigenen Attacken wie der des anderen ständig improvisiert werden.

Es fehlt die Eleganz des Boxens, die tänzerische Leichtigkeit des Judos, das Reglement des Ringens, die akrobatische Show der Wrestler. Aber Ultimate Fighting ist schonungslos ehrlich. Es geht um die Mutter aller Fragen: Wer haut wen um? Und ihm im Zweifel dabei die Zähne ein? Das scheint genügend Menschen zu faszinieren.

Und nun zum! ersten! Mal! auch mit Frauen im Käfig. In den Vereinigten Staaten, deren Verteidigungsminister gerade den Soldatinnen den Weg auch in Kampfeinsätze und damit die vorderste Frontlinie freigegeben hat, muss das nicht wirklich überraschen. Und die Frauen, die sich heute gegenüberstehen, sind nicht im Mädchenpensionat aufgewachsen.

Von der Behinderten zur Kämpferin

Ronda Rousey musste sich ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes erkämpfen. Als sie im südlichen Kalifornien zur Welt kam, hatte sich die Nabelschnur um ihren Hals gewickelt. Massive Entwicklungsverzögerungen waren die Folge, erst sehr spät lernte sie zu sprechen. "Sie konnte nicht reden, du konntest nichts verstehen, sie bekam die Worte nicht heraus", sagt Ann Maria Rousey DeMars, ihre Mutter und Managerin.

Als Ronda vier wurde, sagte ihr Vater, sie dürfe sich alles wünschen, was sie wolle, und das Kind stammelte: "Bolgriin." Die Eltern klapperten alle Spielzeuggeschäfte ab, befragten die dortigen Mitarbeiter, um was es sich bei "Bolgriin" wohl handeln könne, und ein Manager vermochte das Wort zu entschlüsseln: Es handele sich um eine Spielzeugfigur von Hulk Hogan, dem martialischen Wrestler mit dem weißen Dschingis-Kahn-Bart, eine feste TV-Größe in bestimmten amerikanischen Milieus.

Ronda trieb von früh an Sport, sie schwamm, machte Geländeläufe und versuchte, ihre beiden älteren Schwestern herauszufordern. Die Unfähigkeit zur Kommunikation suchte sich ein Ventil. Judo wurde Rondas bevorzugte Disziplin. An den Olympischen Spielen 2004 in Athen nahm sie mit 17 Jahren als jüngste Athletin teil. Vier Jahre später gewann sie in Peking Bronze.

Zu dickköpfig für ein Schema

Die Highschool brach Rousey ab. Sie wechselte zu den Mixed Martial Arts, die höhere Gagen versprachen als Judo. Im Kickboxen (Strikeforce) gewann sie im März vorigen Jahres den Titel in der Bantamgewichtsklasse. Im November unterschrieb sie als erste Frau einen Vertrag mit den UFC-Veranstaltern und wurde sofort zur Titelträgerin erklärt.

"Ich wusste, dass ich wirklich mochte, was ich tat, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen wollte. Und dass dieser Beruf nicht wirklich existierte. Darum musste ich ihn aufbauen", sagt die junge Frau, die ganz und gar nicht dumm wirkt.

"Wenn ich mir meine Optionen so überlegte – zur Schule gehen, irgendeinen Job annehmen –, gefiel mir nichts davon. Darum dachte ich, das kannst du irgendwie schaffen. Ich halte mich nicht für besonders cool oder einen besonderen Pionier. Ich war einfach nur zu dickköpfig, um in irgendein vorhandenes Schema zu passen."

Über Gegner, aber auch unbeteiligte Dritte verliert die Kampfsportlerin keineswegs nur Freundlichkeiten. Kim Kardashian, ein durch ein Sexvideo bekannt gewordenes Reality-TV-Sternchen, ließ Rousey wissen, sie sei als Vorbild für Jugendliche ungeeignet und solle lieber "Gleitcreme verkaufen". Über den Mit-Olympioniken Michael Phelps schimpfte sie, der Ausnahmeschwimmer halte sich für etwas Besseres, er habe sie nicht wie eine Teamkameradin behandelt, sondern wie ein "Groupie".

Soldatentochter mit irisch-libanesischen Wurzeln

Carmouche ist ebenfalls nicht zart besaitet und seit 2010 im Kampfsportgeschäft. Die in Japan aufgewachsene Soldatentochter aus Louisiana mit libanesischen und irischen Vorfahren diente fünf Jahre bei den Marines als Hubschraubermechanikerin.

Über drei Runden à fünf Minuten geht ein Kampf, bei den Männern wie auch zum! ersten! Mal! bei den Frauen. Das sagen die Regeln. Aber die dramatische Premiere verläuft anders.

Rousey greift sofort an, es ist kurz nach Mitternacht Ortszeit, sie boxt, tritt, will ihre Gegnerin in die Enge treiben. Carmouche weicht zurück. Aber plötzlich hängt die Herausforderin auf dem Rücken der leicht taumelnden Favoritin und würgt heftig sie mit ihrer Armbeuge.

In der Spinnennetz-Position

Doch Rousey kann Carmouche abschütteln, nimmt sie in den einfachen Nelson, liegt dann über ihr, hält sie im Schwitzkasten. Und trommelt ihr mit der Faust ins Gesicht, wieder, immer wieder. Spätestens jetzt stellen sich beim Zuschauen Fremdschmerzen ein.

Rousey lässt die Gegnerin nicht mehr los, presst sie in der Spinnennetz-Position nieder, weicht den tretenden Beinen aus, bekommt dann einen Arm von Carmouche zu fassen, kugelt ihn mit dem Armhebelgriff nahezu aus – da entscheidet der Ringrichter auf Sieg für Rousy. Nach drei Minuten in der ersten Runde.

Jubel in der Arena! Die Titelverteidigerin hat gewonnen. Zum! ersten! Mal! standen sich im achteckigen Ultimate-Fighting-Käfig zwei Frauen gegenüber. Weitere Kämpfe werden folgen, bei den Frauen wie bei den Männern. Aber für den journalistischen Beobachter war das zum! letzten! Mal!

Quelle: dapd
10.10.12 1:14 min.
Der berühmte Hulk Hogan kämpft mit der Scham. Denn seit einiger Zeit kursiert ein Sex-Tape von ihm im Internet. Es zeigt den 59-Jährigen mit der damaligen Ehefrau seines besten Freundes.
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Champions League "Das war für Rom eine Katastrophe"
Verhaftet vom Regime Nordkorea lässt US-Bürger frei
Champions League Dortmund lechzt nach einem Erfolgserlebnis
Unglück in Moskau Total-Chef stirbt bei Kollision mit Schneepflug
1. Bundesliga Spielplan
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großbritannien

Ein Hauch von Bauch – Auftritt von schwangerer…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote