22.02.13

Nordische Ski-WM

Frenzel verpasst Medaille, Kircheisen holt Bronze

Bei der WM in Val di Fiemme hat Björn Kircheisen am Freitag in der Nordischen Kombination die erste Medaille für Deutschland gewonnen. Titelverteidiger Eric Frenzel hatte ganz knapp das Nachsehen.

Foto: AFP
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Spannendes Fotofinsih: Der Franzose Jason Lamy Chappuis (2.v.l.) siegt vor dem Österreicher Mario Stecher (l.) und den Deutschen Björn Kircheisen (2.v.r) und Eric Frenzel (r.)

Mit guten Traditionen zu brechen, könnte fatal enden. Und das wollten die Eltern von Eric Frenzel (24), Deutschlands großer Hoffnung in der Nordischen Kombination, keinesfalls riskieren. Erst recht nicht, weil es hier in Val di Fiemme um den WM-Titel ging. "Wenn ich den Druck spüre, der auf Eric lastet, geht es mir als Mama nicht so gut", sagte Silke Frenzel, auf dem Kopf eine Pudelmütze in deutschen Nationalfarben, in der Hand eine Nationalflagge mit dem Namen ihres Sohnes.

Als all seine Konkurrenten dann die Schanze hinuntergesegelt waren, und Frenzel oben auf dem Balken saß, war es Zeit für das Ritual: ein kleiner Schluck Schnaps in kleiner Runde mit Freunden und Verwandten.

Und dann nahm ein kleines Drama seinen Lauf. Am Ende des an Spannung kaum zu überbietenden Langlaufrennens hatte der Sieger den drei Sportlern hinter ihm gerade mal einen Schritt voraus. Platz zwei, drei und vier trennten nur Millimeter. Und ausgerechnet Frenzel landete neben dem Podest. "Ich bin natürlich enttäuscht", sagte er.

Die erste Medaille dieser Nordischen Ski-WM konnten die Deutschen dennoch feiern: Mit einer enormen Laufleistung lief Routinier Björn Kircheisen (29) überraschend auf Rang drei hinter Olympiasieger Jason Lamy-Chappuis (Frankreich) und Mario Stecher (Österreich). "Ich bin froh, dass ich eine Medaille habe. Platz Vierter wäre übel gewesen", sagte Kircheisen. So blieb Frenzel die Blechmedaille hinter seinem Teamkollegen.

Bundestrainer Weinbuch betrübt

Der Druck auf Frenzel war groß gewesen. Der junge Familienvater galt nach einer außergewöhnlichen Siegesserie und als Führender des Gesamtweltcups als heißester deutscher Medaillenkandidat bei dieser WM. Und dann war da ja noch die Rolle als Titelverteidiger. Verrückt machen wollte er sich wegen all dem aber nicht.

Doch dann flog er im Training von der WM-Schanze auf einmal seiner guten Form hinterher. "Das hat uns etwas getrübt", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Frenzel bekam am Vortag des Wettkampfes deshalb frei. Entspannen, Spazierengehen, Kraft tanken. Normalerweise ist er keiner, der an Nervosität zerbricht. Und das zeigte er dann auch beim Springen am Freitag.

Die Besten hatten bei einem von wechselnden Bedingungen geprägten Wettbewerb die schlechtesten Verhältnisse. Frenzel landete von der Normalschanze dennoch bei 99,5 m und ging immerhin als Sechster in das Zehn-Kilometerrennen. "Die Ausgansposition ist gut," stellte er fest. Kircheisen, ein exzellenter Läufer, durfte als Zwölfter starten.

Besserer Ski bei Lamy-Chappuis

Zur Hälfte der Strecke hatte Frenzel die Führenden schon eingeholt. Ein Sextett kämpfte sich die Strecke entlang – und Frenzel lief oft voran. Vielleicht zu oft. Dann schloss auch Kircheisen auf. Aus der Gruppe wurde auf dem letzten Kilometer ein Quartett. "Das war dramatisch", sagte Weinbuch. "Wenn man zwei Leute vorn hat, will man auch zwei Medaillen haben, schade. Man hat in der Strecke gesehen, dass der Franzose einen besseren Ski als wir hatte."

Frenzel und seine Teamkollegen haben noch drei weitere Chancen, sich den Traum von Gold zu erfüllen – die nächste folgt schon Sonntag im Mannschaftswettbewerb. Auf die Unterstützung ihrer Fanklubs können sie in jedem Fall bauen. In Frenzels Fanklub fehlt nur eine: Freundin Laura hat keine Zeit. Und außerdem wollte auch sie mit einer bestimmten Tradition nicht brechen. "Sie ist ein bisschen abergläubisch", sagt Frenzel, "wenn sie dabei ist und es nicht funktioniert, denkt sie, es könnte an ihr liegen – denn in Oslo war sie nicht dabei, und ich wurde Weltmeister." Vielleicht aber ist es nach diesem unglücklichen Platz vier an der Zeit, neue Rituale auszutesten.

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