22.02.13

Herbert Laumen

"Ich hoffe, dass Heynckes nicht zu Schalke geht"

Die Bayern-Partie gegen Werder Bremen ist für Jupp Heynckes sein 1000. Bundesliga-Spiel als Spieler oder Trainer. Die Berliner Morgenpost sprach mit seinem alten Weggefährten Herbert Laumen über das Jubiläum.

Foto: dpa

Bayern-Trainer Jupp Heynckes schreibt am Samstag Bundesliga-Geschichte
Bayern-Trainer Jupp Heynckes schreibt am Samstag Bundesliga-Geschichte

Die Welt: 1000 Partien als Spieler und Trainer. Was sagt das über Jupp Heynckes aus?

Herbert Laumen: Dass Jupp nicht zu Hause sitzen kann.

Die Welt: Das müssen Sie erklären.

Laumen: Ich dachte schon so oft: Na, jetzt hat der Jupp genug. Ab auf seinen Bauernhof vor den Toren Gladbachs und das Rentnerdasein genießen. Aber er tauchte immer wieder auf. Lissabon, Schalke, München. Wahnsinn!

Die Welt: Nun sagt er: Höchstwahrscheinlich werde er erst dann was zu seiner Zukunft sagen, wenn er im August auf seinem Bauernhof sitzt.

Laumen: Ruhestand? Kann ich mir nicht vorstellen. Das hätte er schon vor drei oder vier Jahren machen können. Ich hoffe bloß, dass er nicht wieder zu Schalke geht. Dann hat er wirklich keine Ruhe, weil in den Klub einfach keine Ruhe reinkommt.

Die Welt: Erleben wir bei den Bayern gerade den besten Heynckes aller Zeiten?

Laumen: Ja. Die Mannschaft sucht ihresgleichen – und der Trainer seinesgleichen. Was Besseres als ihn konnte den Bayern-Spielern doch gar nicht passieren. Heynckes war genau der Richtige nach van Gaal. Die sind aufgeblüht. Sein Umgang mit den Spielern ist streng, aber von viel Menschlichkeit geprägt.

Die Welt: Es gab andere Zeiten, da galt Heynckes als verbissen. Legendär ist, dass sein ehemaliger Spieler, Wolfram Wuttke, ihn "Osram" taufte. Weil er wie eine Glühbirne rot anlief, wenn er wütend war.

Laumen: Den Spieler Heynckes habe ich so nie erlebt. Als Trainer aber, sagen ehemalige Spieler, soll Jupp einst extrem gewesen sein. Ein Beispiel: Unser damaliger Masseur hatte Jubiläum und Geburtstag. Eine Kultfigur in Gladbach. Aber an dem Tag, es war zur Zeit von Jupps erster Trainerstation bei der Borussia, hatte er gegen Leverkusen verloren. Er kam einfach nicht zur Feier, obwohl er ein guter Freund des Masseurs ist. Er war damals so verbissen, der konnte die Niederlage in Leverkusen nicht verkraften. Aber Jupp hat sich fast um 180 Grad gedreht. Er ist ein anderer Mensch geworden. Und als Trainer hat er sich zum Vorteil verändert.

Die Welt: Wie ist das zu erklären?

Laumen: Ich glaube, das hängt mit seinen Erfolgen zusammen. Er hat bei großen Vereinen wie Real Madrid trainiert und da die Champions League gewonnen. Er braucht sich nicht mehr zu beweisen.

Die Welt: Dabei liegen zwischen ihm und einigen Spielern fast 50 Jahre Altersunterschied. Trotzdem kann er gut mit ihnen.

Laumen: Das dürften Nachwirkungen von Hennes Weisweiler sein. Der konnte auch sehr gut mit jungen Spielern umgehen.

Die Welt: Heynckes war damals in Gladbach unter Trainer Weisweiler selbst einer, gerade mal 20 und Stammspieler in der Bundesliga.

Laumen: Weisweiler war begeistert von dem jungen Jupp, schon als A-Jugendlicher. Ein antrittsschneller Vollblutstürmer. Er kannte wie wir alle nur den Weg nach vorn. Jupp hat zusammen mit jungen Spielern wie Netzer, Rupp und meiner Wenigkeit den Mythos der Fohlen-Elf gegründet. Das ist für die Ewigkeit. Weisweiler war für ihn ein väterlicher Freund. Nur wenn es nicht lief und Weisweiler einen nur mit 'Sie' ansprach, dann wurde es eng für Jupp.

Die Welt: Hat es Heynckes beeindruckt?

Laumen: Jupp hat gemerkt, dass der Trainer auf ihn stand. Der strotzte deswegen nur so vor Selbstbewusstsein und schlug auf Anhieb ein. Jupp hat immer nur die Pfosten gesehen, zwischen denen der Ball rein musste. So ist er geblieben. Er wollte immer nur Erfolg. Für sich natürlich, aber in erster Linie für die Mannschaft. Den Spieler und Trainer Jupp Heynckes unterscheidet da nichts.

Die Welt: Mit Heynckes gelangen vier Meisterschaften, ein Pokalsieg und der Gewinn des Uefa-Pokals ...

Laumen: … an denen Heynckes großen Anteil hatte. Allein für die Stadt war das ein unglaublicher Segen, um an Bedeutung zu gewinnen. Das war eine Sensation, daran hat doch keiner im Traum gedacht.

Die Welt: Wollen Sie ihm zum Jubiläum noch was mit auf den Weg geben?

Laumen: Von Herzen wünsche ich ihm nun, dass er neben der sicheren Meisterschaft auch endlich die Champions League gewinnt.

Die Welt: Ist Heynckes ein Mensch, dem man viel Gutes wünscht?

Laumen: Ja. Denn er hat nie vergessen, wo er her kommt. Da gibt es ganz andere aus der Branche. Und er hat viel Gutes getan. Beispielsweise hat er ehemalige Mitspieler, die finanziell in der Klemme saßen, finanziell unterstützt. Wenn Jupp helfen kann, dann ist er da. Er ist ähnlich gestrickt wie Uli Hoeneß, der ja auch viele notleidende Menschen unterstützt.

Welches Team beschäftigte die meisten Trainer in der Bundesliga-Geschichte?
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