18.02.13

Rennfahrerin

Danica Patrick – die rasanteste Frau Amerikas

Erstmals in der Nascar-Geschichte startet eine Frau von Platz eins. "Ich will als schnelle Pilotin wahrgenommen werden, nicht als schnellste Frau", sagt Danica Patrick, über die ganz Amerika spricht.

Von Frihtjof Bublitz
Foto: REUTERS

Eine strahlende Siegerin: Danica Patrick startet bei den Daytona 500 von der Pole Position.

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Diesen Moment wird die fünfjährige Ella Gordon nicht so schnell vergessen. Nicht, weil es ein so sonniger Tag war in Florida. Auch nicht, weil ihr Vater Jeff Gordon im Qualifying für die Daytona 500 am kommenden Sonntag auf Platz zwei gerast war. Sondern weil sie sich zusammen mit Danica Patrick fotografieren ließ. Die 30-Jährige hatte sich soeben mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von über 316 Stundenkilometern die Bestzeit für das legendäre Rennen in Daytona Beach gesichert.

Damit ist sie die erste Frau in der 65-jährigen Nascar-Geschichte, die auf die Pole Position gefahren ist. "Ich bin einfach nur stolz", sagte das "Supergirl" vom Stewart/Haas-Team, "das Qualifying für die Daytona 500 ist wirklich etwas Besonderes. Ich will als schnelle Pilotin wahrgenommen werden und nicht als die schnellste Frau."

Ihr Teamchef Tony Stewart war glücklich: "Das ist wirklich eine herausragende Leistung. Sie ist ja nicht zum 15. oder 20. Mal in Daytona dabei, sondern es ist erst ihr zweiter Auftritt hier. Wir sind alle extrem stolz auf sie." Bereits in den Trainingsläufen war der Chevrolet vom Stewart/Haas-Team das deutlich schnellste Auto.

"Es ist schön, wenn man sich vorstellt, dass da ein kleines Mädchen zu ihrem Eltern sagt: 'Schau mal, das hat eine Frau erreicht'. Vielleicht gibt es ein Gespräch mit Kindern, in dem man erklärt, dass man alles im Leben erreichen kann", erklärte die Pilotin. "Mir gefällt die Vorstellung gut, dass es solche Gespräche geben wird, weil ich etwas erreicht habe."

Patrick sorgt für Schlagzeilen

Der viermalige Nascar-Champion Jeff Gordon lobte die Siegerin. "Glückwunsch an Danica, die heute Geschichte geschrieben hat. Ich kann immerhin sagen, dass ich der schnellste Kerl da draußen war", sagte der 41-Jährige, der 33 Tausendstelsekunden langsamer war als Patrick, und ergänzte: "Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen froh darüber, dass wir die Pole nicht geschafft haben. Denn dann hätten wir diese ganze Geschichte kaputt gemacht."

Richard "King" Petty, der in seiner 35-jährigen Karriere die Rekordzahl von 200 Siegen einfuhr, jubilierte: "Das bringt uns auf die Titelseiten der gesamten Medienwelt – und nicht nur auf die Sportseiten."

Und damit hatte die 75 Jahre alte Nascar-Legende recht. Patrick wurde am Morgen bei der Sendung "Good Morning America" zugeschaltet, ebenso bei "This Morning" auf CBS, bei ESPN und auch bei CNN.

Händchen halten mit einem Konkurrenten

"Ich diktiere den Medien nicht, was sie schreiben sollen. Ich beantworte nur die Fragen, die mir gestellt werden", sagte eine bescheidene Patrick. "Ich will nur fahren – und das am besten so schnell wie möglich."

Dabei hatte die populäre Rennfahrerin bereits im Vorfeld für viele Schlagzeilen gesorgt. Gerade erst hatte sie sich nach sieben Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt und wurde immer wieder Händchen haltend mit Ricky Stenhouse junior, einem Konkurrenten vom Ford-Roush-Team, gesehen.

Der landete übrigens im Qualifying weit hinter der Schnellsten auf Rang zwölf. Kevin Harvick, ein guter Freund von ihr, hatte vor dem Qualifying gelästert, dass es wichtig sei, Danica und Ricky aus den Medien zu verdrängen. Nach der Pole Position der Dame ruderte er zurück: "Das rückt den Fokus natürlich ganz auf das sportliche Moment. Das ist eine unglaubliche Sache, ein echter Meilenstein für unseren Sport."

Nicht der erste Rekord

Patrick ist ein Zugpferd für die Nascar-Serie, die zu den wichtigsten Sportveranstaltungen in den USA zählt. Die Popularität steigt durch die 30-jährige, die auch einen Rekord bei Werbefilmen für den Super Bowl hält: Insgesamt wirkte sie an elf Spots mit. Dazu kommt, dass die Pilotin nicht nur in der Rennsportszene bekannt ist, sondern auch in einer Folge der amerikanischen Krimikultserie "CSI New York" auftrat und sich auf dem roten Teppich in Hollywood sehr wohl fühlt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Danica Patrick Motorsport-Geschichte schreibt. 2005, in ihrem ersten Jahr in der IndyCar-Serie, war sie die erste weibliche Pilotin, die die Indy 500 anführte. Patrick erzielte in ihrer ersten Saison die beste Startposition (Platz vier) und erreichte auch das beste Endergebnis einer Frau überhaupt (ebenfalls Platz vier).

2008 gewann sie im japanischen Motegi als erste Frau ein IndyCar-Rennen. Nach insgesamt sechs Jahren in der IndyCar-Serie wechselte die nur 1,57 Meter große Rennfahrerin 2012 zu den Nascars.

In der ersten Saison lief es eher durchwachsen – die beste Platzierung bei zehn Starts war ein 17. Platz. Am Sonntag hat sie nun die Möglichkeit, weiter Motorsport-Geschichte zu schreiben. Jeff Gordon ist heiß auf das Rennen: "Ich freue mich auf das Duell mit Danica. Unterm Strich geht es nur darum, die Daytona 500 zu gewinnen."

Wenn Patrick siegt, wird es wohl das nächste Foto für das Familienalbum der Gordons geben.

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