17.02.13

Perfektes WM-Finale

Felix Neureuther feiert sein silbernes Meisterstück

Im Slalom gewinnt Felix Neureuther die erste WM-Einzelmedaille seiner Karriere. Diesmal scheiterte er nicht kurz vor dem großen Ziel – und sorgt damit für die beste deutsche WM-Bilanz seit 1989.

Foto: REUTERS

Geschafft! Im letzten Rennen von Schladming erfüllte sich Felix Neureuther seinen großen Traum von einer WM-Einzelmedaille
Geschafft! Im letzten Rennen von Schladming erfüllte sich Felix Neureuther seinen großen Traum von einer WM-Einzelmedaille

Da stand Felix Neureuther nun im Zielraum, machtlos aber glücklich, und konnte nichts mehr tun. Das Tosen von den Tribünen und Hunderte rot-weiß-rote Fahnen in seinem Rücken, blickte er hinauf zum Hang, wo Marcel Hirscher als letzter Slalomläufer von Stange zu Stange flitzte. Mit jeder neuen Einblendung von Hirschers Zwischenzeit steigerte sich das Gebrüll der österreichischen Fans, bis es im Fortissimo gipfelte: -0,42 wies die Anzeigetafel am Ende aus, damit stand fest: Hirscher Gold, Neureuther Silber, beide überwältigt.

"Endlich geschafft!", japste Neureuther nach dem dramatischen Finale der Schladminger Ski-Weltmeisterschaften, das ihm mit 28 Jahren seine erste Einzelmedaille bei einem Großereignis bescherte. Nie wieder hatte der kernige Bayer ja den Fehler der Vergangenheit wiederholen wollen, in Anbetracht scheinbar blendender Aussichten zu verkrampfen und zu scheitern. Er wusste: "Mit jeder vertanen Chance wächst der Druck immer mehr." Stattdessen "habe ich versucht locker zu bleiben, das runterzubringen, was ich drauf habe". Es ist ihm gelungen.

"Ich weiß, dass viele im Vorfeld gezweifelt haben, dass der Neureuther es wieder nicht schafft. Deswegen ist es eine Riesengenugtuung für mich", sagte er, und dass sich gewissermaßen ein Kreis geschlossen hat: "Ich habe schon die größten Klassiker im Weltcup gewonnen – jetzt habe ich die Einzelmedaille bei einem Großereignis, die ich immer wollte. Meinem Papa zum Beispiel ist das verwehrt geblieben. Für die Familie Neureuther konnte ich also etwas komplettieren."

Fast noch seliger wirkte der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier (52), der den Filius der Garmisch-Partenkirchener Skilegenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther seit Kindesbeinen kennt. "Der Felix", lobte Maier, "hat hier heute sein Meisterstück abgeliefert."

"Die schönste Stille, die ich bisher erlebt habe"

Zumal er als Zweitschnellster des ersten und somit zweitletzter Starter des zweiten Durchgangs unmittelbar hinter dem späteren Bronze-Gewinner Mario Matt (33) antrat. Der erfahrene Österreicher hatte Bestzeit vorgelegt, wie Neureuther unschwer anhand des Fanjubels im Stadion registrierte: "Da ist ein Begeisterungsschwall den Berg hochgekommen! Der hätte mich fast rückwärts wieder aus dem Starthäusl rausgehauen. Ich wusste dann: Wenn's während meiner Fahrt leise ist, bin ich schnell unterwegs – und die waren leise. Das", feixte Neureuther, "war die schönste Stille, die ich bisher erlebt habe."

Während Hirscher (23) wie ein Atlas des Skisports die Erwartungen von Millionen euphorischer Landsleute zu schultern hatte ("Du schaffst das nur, wenn du dir denkst: Das ist bloß ein Spiel, es gibt Wichtigeres"), zerbrach sein Freund Felix dieses Mal nicht an den eigenen Sehnsüchten. Er sagte: "Ich bin ein Kämpfer, ich hab so lange in meiner Karriere gekämpft."

Seine Silbermedaille hinter Hirscher ("Er ist jetzt einer der ganz Großen in unserem Sport") ist nicht nur die erste WM-Einzelmedaille für einen deutschen Mann, seit Florian Eckert 2001 Bronze in der Abfahrt holte. Sie bescherte dem Deutschen Skiverband (DSV) auch die beste WM-Bilanz seit 1989. "Der 'Wolfi' (Alpinchef Maier, d.Red.) hat sich je eine Medaille von einer Frau, einem Mann und im Teamevent gewünscht. Das ist sogar übertroffen worden", sagte Neureuther. Er bilanzierte: "Für uns als Mannschaft war es eine extrem gelungene WM" – einige Enttäuschungen wie die Leistungen von Technikerin Lena Dürr (21) oder Abfahrer Stephan Keppler (30) hin oder her.

Dopfer sehr guter Siebter

Durch die Erfolge der deutschen Männer nicht nur bei dieser enorm stimmungsvollen WM – Fritz Dopfer wurde im Slalom sehr guter Siebter –, sondern gerade im Weltcup, ist der DSV in der Außenwahrnehmung nicht mehr so extrem von Maria Höfl-Riesch (28) abhängig, wie es zunächst schien. Drei Medaillen gewann die Olympiasiegerin in Schladming – eine goldene und eine bronzene solo, eine bronzene mit dem Team. Eine wahrscheinliche vierte gab sie Samstag mit einem Patzer an der achtletzten Slalomstange aus der Hand.

Während Höfl-Riesch schon tags zuvor nach Hause gefahren war, wagte Felix Neureuther einen kleinen Ausblick. Dass die Saison noch weitergehe, sei ja auch irgendwie schön: "Nächstes Wochenende ist Heim-Weltcup in Garmisch. Ich hoffe, dass ich bis dahin zu Hause bin..."

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