14.02.13

Fußball

Kritik an Bayern-Star Schweinsteiger wird immer lauter

Zu langsam, zu defensiv, zu oft verletzt: Bastian Schweinsteiger steht in der Kritik. Die Fakten sprechen jedoch für den Fußballspieler.

Von Julien Wolff
Foto: Getty Images

Wegweiser: Bastian Schweinsteiger ist Schlüsselspieler bei den Bayern und in der Nationalmannschaft
Wegweiser: Bastian Schweinsteiger ist Schlüsselspieler bei den Bayern und in der Nationalmannschaft

Lukas Podolski saß in London vor dem Laptop und spottete über seinen Kumpel. "Von 300 Versuchen ist einer reingegangen. Das können nur wenige", sagte der Offensivspieler des FC Arsenal über das Freistoßtor von Bastian Schweinsteiger beim 4:0 gegen den FC Schalke 04 am Wochenende. Podolski und der Profi des FC Bayern lachten. Im Videochat unterhielten sich beide über ihre Form und das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen Arsenal und den Münchnern am Dienstag.

In Deutschland gibt es dagegen ernst gemeinte Kritik an Schweinsteiger. Zu einem überraschenden Zeitpunkt: Der 28-Jährige führt mit dem FC Bayern mit 15 Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund die Bundesligatabelle an und ist so torgefährlich wie seit Jahren nicht: Er hat in dieser Saison bereits fünf Treffer erzielt und damit seine Bestmarke aus der Spielzeit 2008/2009 eingestellt. Und doch sehen Größen des deutschen Fußballs ihn über dem Zenit, und auch bei den Fans scheiden sich an ihm die Geister.

Franz Beckenbauer, Ehrenpräsident des FC Bayern, fehlen bei dem Mittelfeldspieler die Pässe in die Spitze. Günter Netzer moniert unnötige Querpässe und sieht wegen der starken Form des Dortmunders Ilkay Gündogan den Platz Schweinsteigers in der Nationalelf gefährdet. Weltmeister Olaf Thon spricht sogar davon, dass sich Schweinsteiger vielleicht noch bis zur Weltmeisterschaft 2014 retten könne: "Es wird ähnlich geschehen wie bei Ballack, dass andere nachrücken. Er kann keinen Mann mehr überspielen. Er ist ein Spieler, der immer weiter zurückgehen wird, weil er die Schnelligkeit nicht mehr hat."

Schweinsteiger ist stellvertretender Kapitän des FC Bayern und der Nationalmannschaft. Er hat seit seinem Karrierestart 2002 knapp 300 Ligaspiele und 97 Partien für Deutschland absolviert, je fünf Mal die Meisterschaft und den DFB-Pokal gewonnen. Erstaunlich, wie kritisch die Branche mit so einem umgeht. Es wirkt, als habe Schweinsteiger einen Teil seiner Lobby verloren. Die Erwartungen an ihn sind sehr hoch. Bayern-Trainer Jupp Heynckes sagt, er sehe Schweinsteiger auf einem Niveau mit den Stars Andres Iniesta und Xavi vom FC Barcelona. Daran wird Schweinsteiger gemessen.

Die Entwicklung der Nationalelf ist in seiner aktuellen Bewertung ein entscheidender Faktor. Spieler wie Marco Reus, Mario Götze, Mats Hummels und zuletzt Gündogan haben ihr ein neues Gesicht gegeben. Während dieses Prozesses hat Schweinsteiger verletzungsbedingt oft gefehlt, er nahm an keinem der vergangenen neun Testspiele teil. Zudem gehört er zu den Spielern, die bei der WM 2010 und EM 2012 die Mannschaft zum Titel führen sollten – und ohne nach Hause kamen. Er hat keinen Bonus mehr. Als Gündogan beim 2:1 im Länderspiel gegen Frankreich überzeugte, kam gleich die Frage auf: Ist er der bessere Schweinsteiger?

Fleißiger Sprinter

Fakten zeigen: Ein Großteil der Kritik ist unberechtigt. In seinen 20 Ligaspielen in dieser Saison sprintete er im Schnitt 14 Mal pro Partie, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 32,4 Kilometern pro Stunde. Gündogan kam lediglich auf zwölf Sprints und 29,9 Kilometer pro Stunde. Schweinsteiger hat zudem wie in der vergangenen Spielzeit die meisten Ballkontakte aller Bundesligaspieler (im Schnitt 94 pro Partie). Er schoss selbst 30 Mal auf das Tor, bereitete 20 Torschüsse vor und spielte 103 lange Pässe. In den meisten Kategorien ist er Gündogan überlegen.

Schweinsteiger ist jetzt 28 Jahre alt. Die "Schweini"-Zeiten waren einmal. Er tritt ruhiger und reifer auf, hat sein Spiel entwickelt und der Mannschaft angepasst. Das Mittelfeld vor ihm ist mit Thomas Müller, Toni Kroos und Franck Ribery so offensiv, dass er sich nicht immer nach vorn einschalten kann. Für die Abstimmung mit seinem Nebenmann Javi Martinez brauchte es Zeit, inzwischen harmoniert das Duo. Die kritisierten Querpässe sind in dem auf Ballbesitz ausgelegten Bayern-Spiel hin und wieder sinnvoll. Schweinsteiger bestimmt den Rhythmus.

Dem Markenwert des Nationalspielers schadet die aktuelle Diskussion nach Meinung eines Fachmanns offenbar ohnehin nicht. "Die Diskussion spiegelt seine Bedeutung wider. Die Leute reiben sich an ihm", sagt Philipp Kupfer, Fußball-Experte bei Sport+Markt. Das Beratungsunternehmen ermittelt regelmäßig bei Fans die Beliebtheitswerte der Spieler. Die Marke Schweinsteiger sei konstant auf Topniveau, so Kupfer. Schweinsteiger stehe für sportliche Qualität, Vereinstreue und Glaubwürdigkeit. "Er ist für viele ein Spieler, den sie gern zum Kumpel hätten."

Das weiß Lukas Podolski schon lange.

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