12.02.13

Profi-Fußball

Wie Paris St. Germain in Europa nach der Krone greift

Paris St. Germain gilt als Geheimfavorit in der Champions League– vor allem wegen Ibrahimovic – und der Kaufrausch des Klubs geht weiter.

Von Florian Haupt
Foto: Getty Images

Torgarant: Zlatan Ibrahimovic hat für PSG in 21 Spielen ebensoviele Treffer erzielt
Torgarant: Zlatan Ibrahimovic hat für PSG in 21 Spielen ebensoviele Treffer erzielt

David Beckham, so viel zur sportlichen Bedeutung seines jüngsten Wechsels zu Paris St. Germain, wird am Dienstagabend nicht dabei sein. Nicht auf dem Rasen des Estadio Mestalla, wo sein neuer Arbeitgeber zum Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Valencia antritt (20:45 Uhr, Sky und im Liveticker der Berliner Morgenpost).

Und wohl nicht einmal in der Delegation des französischen Hauptstadtklubs. Beckham hängt im verschneiten New York fest, wo er am Wochenende dem Defilee der neuesten Kollektion aus dem Hause seiner Frau Victoria beiwohnte. Fashion Week, Champions League, Mailand und Madrid – irgendwie sowieso alles dasselbe.

Sein Verein jedenfalls darf auch ohne den 37-Jährigen optimistisch in das Aufeinandertreffen mit den Spaniern gehen. PSG hat schließlich nicht nur einen Adonis aus Hollywood zurückgeholt, sondern in den vergangenen anderthalb Jahren auch noch 253 Millionen Euro in Fußballspieler investiert, die in Valencia auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Ibrahimovic und so.

300 Millionen Euro pro Saison

Dank der Aufnahme ins Portfolio des katarischen Königshauses hantiert der zuvor eher erratische Hauptstadtklub jetzt mit einem 300-Millionen-Euro-Budget pro Saison. Die ganzen Stars wollen ja auch noch entlohnt sein – und zwar so, dass von den gefürchteten französischen Steuersätzen nicht ein Cent durchgereicht wird.

Dem europäischen Fußball beschert das Phänomen PSG einerseits die Debatte, wie er mit dem wachsenden und quasi institutionalisierten Einfluss Katars auf das Spiel umgehen soll: Der Europa-Chef der Investmentgesellschaft, mit der die Scheichs das Engagement bei PSG steuern, heißt Laurent Platini und ist Sohn des Uefa-Präsidenten.

Zum anderen tritt ein Player auf den Plan, der den etablierten Großklubs ihren heiligsten Gral streitig macht. Das Ziel der Scheichs ist, auf kurz oder lang, der Gewinn der Champions League.

Mannschaft inzwischen fest auf Meisterschaftskurs

Bald wird der PSG selbst zum Establishment zählen. Mindestens diese Saison aber wohnt der Truppe noch der Charme des Parvenüs inne: Sie entzieht sich verlässlichen Prognosen, ja keine Mannschaft in der K.o.-Runde ist annähernd so schwer einzuschätzen.

Angesichts der ständigen Großtransfers präsentierten sich die Pariser in den vergangenen anderthalb Jahren als permanente Baustelle. Allerdings spricht einiges dafür, dass sich das Puzzle just in diesen Wochen allmählich zusammenfügt.

Erst vor zehn Tagen, beim 4:0 in Toulouse, sah Trainer Carlo Ancelotti "zweifelsohne unsere beste Saisonleistung". Der italienische Startrainer ist seit Anfang 2012 beim PSG zu Gange – nachdem ihm in seiner ersten Halbserie die Peinlichkeit unterlief, eine von seinem entlassenen Vorgänger geerbte Tabellenführung an die Provinzkombo Montpellier zu verspielen, steuert die Mannschaft in seiner ersten vollen Spielzeit inzwischen fest auf Meisterschaftskurs.

Hochwertige Offensivreihe mit Pastore und Lavezzi

Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf das zweitplatzierte Lyon, nach holprigem Saisonstart gab es zuletzt einen Lauf von acht Siegen und einem Remis. Am Freitag beim 3:1 gegen Bastia kassierte Torwart Sirigu erstmals nach 948 Minuten überhaupt wieder einen Treffer.

Paris' neuer Liebling heißt fürs Erste denn auch nicht Beckham, sondern Lucas Moura. Der 19-jährige Brasilianer kam in der Winterpause für 40 Millionen Euro aus Sao Paulo und bereite seither schon vier Tore vor. Mit den beiden Argentiniern Javier Pastore (Sommer 2011 für 42 Millionen aus Palermo) und Ezequiel Lavezzi (Sommer 2012 für 26 Millionen aus Neapel) bildet er eine Offensivreihe, deren Potenzial höchsten Ansprüchen genügt.

Was für den Mann, der vor ihnen stürmt, natürlich erst recht gilt: Zlatan Ibrahimovic ist seit seinem sommerlichen Wechsel vom AC Mailand mit 21 Toren in ebenso vielen Ligaspielen und sieben Scorerpunkten in der Champions League nichts schuldig geblieben.

Tiefenentspannung nach acht Jahren Berlusconi

Im Rahmen des Irrsinns gibt PSG sein Geld bislang ziemlich vernünftig aus: Manager Leonardo konzentriert sich auf wenige hochpreisige Transfers, statt blind zusammenzuraffen, was nicht bis Drei den Berater gewechselt hat. Dabei hat er sein Revier klar definiert, der Brasilianer konzentriert sich auf das lateinische Milieu.

Wie Ibrahimovic, Lavezzi und Pastore kommen auch Torwart Sirigu, Abwehrchef Thiago Silva (derzeit verletzt) und der hoch veranlagte Mittelfeldstratege Marco Verratti aus Italien, wo Leonardo selbst die meiste Zeit seiner Karriere verbrachte – beim AC Mailand, unter Trainer Ancelotti.

Der hat in Paris nichts von seiner Tiefenentspanntheit verloren. Wer es acht Jahre unter Silvio Berlusconi ausgehalten hat, den können ein paar ambitionierte Scheichs nicht schocken. "Um ein solides Haus zu bauen, brauchst du Zeit", philosophierte er vor Weihnachten, "vielleicht auch viel Zeit, aber am Ende ist es ein gutes Haus."

Weniger Geld, weniger Stars

Dass für die neue Saison ausdauernd der Name Jose Mourinho gehandelt wird, bringt "Carletto" schon gleich gar nicht um den Schlaf. "Ich bin sehr glücklich hier, aber wenn der Klub nicht zufrieden ist, habe ich überhaupt kein Problem damit, woanders hinzugehen", erklärte er jüngst.

Tatsächlich ist Ancelotti eines der Hauptargumente dafür, warum mit PSG schon in dieser Champions League zu rechnen sein könnte – in seiner Zeit bei Milan konnte er Europapokal immer besonders gut. Andererseits gibt es Zweifel in punkto Stressresistenz seiner oft launischen Elf, zumal diese aus dem ausgeglichenen französischen Championat zwar viele solide, aber keine exzellenten Gegner gewohnt ist. Die Ligue 1 befindet sich momentan in einer Phase des Abschwungs. Es gibt immer weniger Geld und immer weniger Stars.

Beckham kommt im Privatjet

Außer in Paris natürlich, das nicht umsonst rund 60 Prozent der gesamten Transferausgaben der Liga verantwortet. Ein Ende der Shoppingtour ist nicht in Sicht. Gespannt wartet die Öffentlichkeit auf Details eines angekündigten Vertrags zwischen Klub und katarischer Tourismusbehörde, der die Geschenke aus dem Morgenland formalisieren soll – auf rund 200 Millionen Euro jährlich. Das Financial Fair Play der Uefa läuft so ins Leere.

Gute Nachrichten für Fans gab es im Übrigen auch von Beckham. Victorias Modeschau wurde von der Fachwelt gefeiert. Und David will alles versuchen, um im Privatjet noch rechtzeitig in Valencia zu landen.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
17 Meter lang Hier wird ein Wal zerlegt
Kalifornien Start-up präsentiert erste schwebende Lautsprecher
Baumkronenpfad Hier gibt es Konzerte in luftiger Höhe
Kompliziert Dieses Sofa möchte nicht einsteigen
1. Bundesliga Spielplan
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Hüllenlos

Schöne Strände für ungetrübten FKK-Genuss

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote