11.02.13

Erfolgstrainer

Wie Pesic Bayerns Basketballer an die Spitze führt

In Windeseile hat Trainer Svetislav Peisc aus Bayerns Basketballern ein Spitzenteam geformt. Der Serbe lobt die Zusammenarbeit mit Klubchef Hoeneß: "Er will jedes Detail wissen, uns unterstützen."

Foto: picture alliance / Eibner-Presse

Mit Svetislav Pesic kam der Erfolg zu Bayerns Basketballern
Dieser Mann war schon Weltmeister: Mit Svetislav Pesic kam der Erfolg zu Bayerns Basketballern

Er ist 63 Jahre alt, kann sich aber noch immer freuen wie ein Kind. Beim Sieg seiner Bayern über Alba Berlin hüpfte Svetislav Pesic schon vor der Schlusssirene am Spielfeldrand umher und klatschte alle seine Spieler ab. Das Erfolgsgefühl, vor allem, wenn alles wie von ihm geplant läuft, ist noch immer einzigartig für ihn. Nach weit mehr als 30 Jahren an den Seitenlinien dieser Welt, in denen er schon weit größere Triumphe errungen hat.

Pesic gewann WM-Gold, übrigens in den USA, und ist der einzige Trainer, der mit zwei verschiedenen Nationen Europameister wurde, u.a. 1993 mit Deutschland. Auch als Vereinstrainer hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nichts Neues also, dass da, wo er wirkt, auch der Erfolg ist. Dennoch staunt Basketball-Deutschland über den Meistermacher, besser über die Geschwindigkeit, mit der er jetzt aus dem FC Bayern München ein Spitzenteam formt.

Als der Serbe vor weniger als drei Monaten die Mannschaft übernahm, dümpelte sie nach fünf Siegen und fünf Niederlagen auf Platz neun der Bundesliga. Jetzt behaupten die Bayern nach elf Siegen in 13 Spielen Platz zwei. Zuletzt warfen sie in nur vier Tagen ganz souverän Seriensieger Bamberg aus dem Pokal, dann wurde in Alba Berlin ebenso deutlich ein weiteres Spitzenteam bezwungen. Wie schon zuvor in Barcelona, bei Alba Berlin, der deutschen und der jugoslawischen Nationalmannschaft: Mit Pesic kam der Erfolg.

"Basketball ist nicht Fußball"

Generell möchte der Meistertrainer dieser Feststellung nicht widersprechen, im Fall seines Engagements bei den Bayern sei das allerdings zu früh. "Im Spitzensport werden am Ende der Saison Erfolge und Misserfolge bilanziert", sagt der Trainer und bietet an: "Wir können gern über die Entwicklung der Mannschaft sprechen." Wird das Angebot angenommen, ist dann aber doch so etwas wie Zufriedenheit durchzuhören.

Gleich zu Beginn seines Wirkens hatte er alle, die den permanenten Titelanspruch der Fußballspieler des Klubs auf sein Team übertragen, wissen lassen, dass "Basketball nicht Fußball" sei. Es ginge erst mal darum, dass er die Spieler kennen lerne, dann würden sie ihn schon auch noch kennen lernen. Dieser Prozess liegt jetzt offenbar hinter ihm und seinem Team.

"Die Situation war kritisch", erinnert sich Pesic, "die Mannschaft hatte schon dreimal zu Hause verloren und in der Öffentlichkeit und unter den Fans wurde schon diskutiert, ob es überhaupt sinnvoll sei, in München ein Spitzenteam im Basketball aufzubauen." Er habe dann gespürt, dass nicht allen Spielern bewusst war, das Emblem einer Weltmarke des Sports auf der Brust zu tragen, und habe ihnen erklärt, dass "sie jeden Morgen aufstehen und Verantwortung übernehmen müssen".

Selbstvertrauen wächst

Mit dem neuen Selbstverständnis wurden dann auch die ersten Siege erkämpft, und in der Folge wuchs das Selbstvertrauen. "Ein guter Trainer war er immer schon", erklärt Marko Pesic, der einstmals als Spieler in kurzen Hosen vor seinem Vater stand und jüngst vom Sportdirektor zum Geschäftsführer der Basketballabteilung des FC Bayern aufgestiegen ist. "Mit seiner großen Erfahrung ist er aber noch viel besser geworden und vor allem ein Basketballlehrer, und das ist genau das, was wir gebraucht haben."

Dass Marko so oft nach seinem Vater und der nach seinem Sohn gefragt wird, amüsiert Pesic senior. "Unsere Familie freut sich natürlich sehr über das Interesse", witzelt er. "Aber wir sehen uns nicht oft. Marko macht anderswo einen guten Job, ich stehe in der Halle, um die Spieler besser zu machen."

Stephan Baeck, 1993 unter Pesic Europameister und heute als Fernsehkommentator aktiv, hat sich mal bei der Frage, wie es denn so sei als Spieler unter Pesic, mit dem Finger in Höhe der Fontanelle auf den Kopf getippt. "Hier dreht er dir am ersten Tag eine blitzsaubere Titanschraube rein, und dann dreht er sie jeden Tag ein Stückchen weiter." Mal von heftigen Beschimpfungen oder Provokationen begleitet, mal als väterlicher Freund. Die Zahl der Spieler, die er nicht auf seine Seite ziehen konnte, lassen sich an einer Hand abzählen.

"Ein einzigartiges Fingerspitzengefühl"

"Ein einzigartiges Fingerspitzengefühl" habe er, sagt Demond Greene, 113-maliger Nationalspieler und mit 33 Jahren einer der Routiniers im aktuellen Bayern-Team. "Er ist eben Pesic, er weiß, wie er mit jedem einzelnen Spieler und der Mannschaft am besten umgeht. Er ist Perfektionist und erwartet das auch von uns Spielern. Im Training herrscht sehr, sehr viel Disziplin, aber davor und danach ist er einer mit einem Riesenherz und viel Humor." Nach dem Sieg über Berlin, verrät Greene soll sein Trainer bezüglich der Verteidigung seiner Mannschaft sogar das Wort "zufrieden" gebraucht haben, "und das kommt so gut wie nie vor".

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis Pesics dürfte sein, dass er alles, was sich dem Erfolg entgegenstellt, persönlich nimmt. Fehlt beim Training in fremder Halle der Tisch, auf dem er seine handschriftlichen Unterlagen nebst Lesebrille abzulegen pflegt, steht für eine Minute die ganze Saison auf dem Spiel, und er lässt es auch alle lautstark wissen. Der Trainer weiß auch, dass es nicht ganz den Regeln entspricht, wenn er zwei Schritte jenseits der Seitenlinie mit ausgebreiteten Armen über das Spielfeld tänzelt. Wird er von den Schiedsrichtern zurecht gewiesen, steht emotional eher im Vordergrund, dass ihn jemand auf der ewigen Suche nach dem Optimum behindert.

Sich entwickeln, immer besser werden, Titel holen – kein Wunder, dass Pesic und Uli Hoeneß einander in den höchsten Tönen loben. "Wir sehen uns oder telefonieren einmal die Woche", erzählt Pesic über die "sehr produktive Kommunikation" mit seinem Klubpräsidenten. "Er will jedes Detail wissen und uns unterstützen, fragt bei Problemen immer, ob er bei der Lösung helfen kann." Hoeneß freut sich bei jeder Gelegenheit, dass sein Trainer "die Mannschaft im Griff habe" und träumte nach dem Sieg über Alba schon davon, nicht nur für die Fußballspieler der Bayern eine Meisterschaftsfeier ausrichten zu dürfen. Pesic hat nichts gegen Träume, spricht aber lieber von einer "sicherlich positiven Entwicklung".

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