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Neuaufstellung

Herthas Problemzone ist die Abwehr

Nach zehn Tagen Trainingslager in Österreich hat Herthas Trainer Lucien Favre noch keine Abwehr zum Ligaauftakt gefunden. Klar ist nur: Favre will weiter Viererkette spielen. Und einen Stammplatz hat auf jeden Fall Kapitän Arne Friedrich. Alle anderen Defensiv-Plätze sind noch völlig offen.

Friedrich Hertha BSC Berlin
Foto: ddp
Auf jeden Fall als Stammspieler in der Abwehr dabei: Arne Friedrich

Maximilian Nicu konnte einfach nicht anders, als seinen Kollegen aufzuziehen. Arne Friedrich hatte beim Torschusstraining mehrfach eine gelbe Metallfigur angeschossen, die einen Abwehrspieler simulieren sollte. „Der ist ein starker Verteidiger, der Gelbe“, rief Herthas Mittelfeldspieler seinem Kapitän zu. Beide lachten.

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Eine Alternative für die Bundesliga ist die Figur natürlich nicht. Dafür ist sie zu unbeweglich. Außerdem verfügen die Berliner über sieben Abwehrspieler: Friedrich, Steve von Bergen, Marc Stein, Lukasz Piszczek, Christoph Janker, Rodnei und Kaka. Im Trainingslager in Stegersbach wollte Trainer Lucien Favre herausfinden, wer von ihnen es verdient hat, zum Ligaauftakt der Startelf anzugehören. Und vor allem: Wer dafür sorgen kann, dass möglichst wenig Gegentore fallen. In der vergangenen Saison war die Abwehr Herthas Prunkstück, die Berliner ließen lediglich 41 Gegentore zu. Besser waren in der Verteidigung nur Dortmund und Schalke.

Doch auch nach den zehn Tagen im Burgenland ist noch offen, wie sich die Defensive künftig zusammensetzt. Klar ist nur eines: „Wir werden auf jeden Fall weiter Viererkette spielen“, sagt Favre. Das System werde entweder 4-4-2 oder 4-3-3 sein.

Nur Friedrich hat seinen Platz sicher

Einzig Friedrich hat seinen Stammplatz sicher. Als Kapitän und 66facher Nationalspieler verfügt er über die nötige Erfahrung und hat sich in der Vorbereitung gut präsentiert. Nach dem Abgang von Josip Simunic (zur TSG Hoffenheim) ist er der Abwehrchef. Offen ist, wer neben ihm in der Innenverteidigung spielen wird. Die besten Chancen hat Steve von Bergen, wenngleich seine Fehler aus der Vorrunde der vergangenen Saison nicht vergessen sind. Der Schweizer musste wegen Oberschenkelbeschwerden zwar fast eine Woche pausieren, erhält von Mitspielern allerdings viel Lob. „Steve spricht auf dem Spielfeld viel und hat sich gut entwickelt“, sagt Friedrich. Manager Michael Preetz glaubt, dass der 26-Jährige den Sprung zum Stammspieler schaffen kann.

Hertha fehlt es an Alternativen. Bis Weihnachten wird der Klub 28 Pflichtspiele bestreiten, da braucht es drei oder vier gute Manndecker. Kaka indessen hat sich in der Vorbereitung nicht aufgedrängt. Sein Problem ist vor allem das Stellungsspiel. Er schafft es nicht, vorausschauend zu agieren, wie Favre es sich wünscht und strahlt zu wenig Sicherheit aus. Gleiches gilt für Rodnei. Der Brasilianer hat zwar mit die besten Fitnesswerte im Team, aber nach wie vor technische und taktische Mängel. Beide müssen sich auf eine Reservistenrolle einstellen. Unter Umständen wird einer von ihnen zum Ende der Transferperiode (bis 31. August) abgegeben. Das gilt auch für den total unauffälligen Bryan Arguez.

Mit Gojko Kacar, der in der serbischen U21 hin und wieder in der Innenverteidigung spielte, plant Favre im defensiven Mittelfeld. Fabian Lustenberger hatte Favre im Freundschaftsspiel bei Ferencvaros Budapest überraschend als Innenverteidiger getestet. Er habe sich taktisch ausgezeichnet verhalten, lobte der Trainer. Doch auf Lustenberger kann der Schweizer in den nächsten Monaten nicht setzen: Er zog sich in Stegersbach einen Ermüdungsbruch im linken Fuß zu. Eine Alternative weniger.

Keine Einigung mit Rad Belgrad

Preetz und Favre hoffen daher, bald Nemanja Pejcinovic (21) als dritten Zugang begrüßen zu können. Der Serbe kam als Testspieler nach Stegersbach und überzeugte im Training und im Test gegen Bursaspor. „Er kommuniziert gut und hat sich taktisch vernünftig verhalten“, sagte Favre. Eine Einigung mit Pejcinovics Verein FK Rad Belgrad gab es aber auch gestern nicht. Die Berliner bemühen sich um ein Ausleihgeschäft oder einen Kauf zu günstigen Konditionen.

Deutlich größer als in der Innenverteidigung ist die Konkurrenz auf den Außenpositionen. Dort kämpfen Piszczek, Janker und Stein um ihren Platz in der Mannschaft. Aktuell haben Stein und Piszczek die besten Chancen, beim Ligaauftakt gegen Hannover 96 am 8. August im Olympiastadion der ersten Elf anzugehören.

Stein hat in den Testspielen seine Qualitäten in der Defensive bewiesen und in der vergangenen Saison Erfahrung gesammelt. Allerdings macht er der Meinung der sportlichen Führung nach noch zu viele Fehler im Aufbauspiel und könnte für mehr Druck nach vorn sorgen. Bei Piszczek verhält es sich umgekehrt. Der gelernte Stürmer schlägt gute Flanken, ist schnell und leitet viele Angriffe ein. Dafür hat er Schwächen im Abwehrverhalten und wird zu oft überlaufen.

Christoph Janker hat sich nach seinem Wechsel von der TSG Hoffenheim zu Hertha schnell integriert. In den Testspielen war er unauffällig. Er dürfte es schwer haben. Talent Shervin Radjabali-Fardi spielt in den Planungen der sportlichen Leitung noch keine Rolle. „Wir haben noch viel zu tun“, sagt Favre. Die Zeit läuft. In zwölf Tagen, am 1. August, steht im DFB-Pokal bei Preußen Münster das erste Pflichtspiel an.

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