10.02.13

Sieg in Dortmund

Fink jubelt über "glücklichsten Tag als HSV-Trainer"

Nach dem klaren Erfolg in Dortmund sieht sich der Hamburger SV spielerisch und kämpferisch auf internationalem Niveau angekommen. Thorsten Fink muss jetzt die Euphorie in Konzentration umwandeln.

Foto: AFP

Thorsten Fink war mit der Leistung seiner Mannschaft in Dortmund sehr zufrieden
Thorsten Fink war mit der Leistung seiner Mannschaft in Dortmund sehr zufrieden

Kurz bevor der für einen Abend vom Rautenexpress zum Partyexpress umbenannte HSV-Mannschaftsbus um Punkt 18.30 Uhr das Westfalenstadion verließ, präsentierte Hamburgs Trainer Thorsten Fink noch stolz seine Trophäe. Mit einem überdimensionalen Tipp-Kick-Spiel unter dem Arm schlenderte der Coach zum Bus und ließ sich vor dem 14 Meter langen, 25 Tonnen schweren und im Gepäckraum bereits mit jeder Menge Bier ausgestatteten Gefährt geduldig von einigen Fans umarmen.

"Das Tipp-Kick-Spiel war der Preis beim heutigen Gewinnspiel unter den Journalisten. Komischerweise hatte niemand auf das richtige Ergebnis gewettet", sagte Fink, der gar nicht erst versuchte, die Bedeutung des 4:1 bei Meister Borussia Dortmund herunterzuspielen: "Heute ist wohl mein glücklichster Tag als HSV-Trainer. Dieses Spiel war etwas Besonderes, das wird keiner so schnell vergessen."

Bereits unmittelbar nach der Partie ließen die euphorisierten Hamburger ihren Gefühlen freien Lauf. Während aus der Kabine lautstark "Call me Maybe" von Carly Rae Jepsen dröhnte, versuchten die Spieler Erklärungen für das eben Erlebte zu suchen. "Ich weiß noch gar nicht so genau, was ich jetzt sagen soll", meinte Doppeltorschütze Heung Min Son, "wir wollten dieses Spiel ganz einfach gewinnen. Das hat man ab der ersten Minute gemerkt." Ähnlich sah es auch Torhüter René Adler: "Unsere junge Truppe war ein paar Prozent konzentrierter als sonst."

Tatsächlich wurde der zweite Saisonsieg gegen Dortmund, für den neben Son auch Artjoms Rudnevs mit einem Doppelpack sorgte, umgehend zu einer der besten Leistungen des HSV der vergangenen Jahre deklariert. "Wir haben in Dortmund auf internationalem Niveau gekämpft, auf internationalem Niveau gespielt und Tore auf internationalem Niveau geschossen", schwärmte Sportchef Frank Arnesen, der sich trotz des zunächst eroberten Europa-League-Platzes vor der logischen Konsequenz drücken wollte: "Nur über internationale Ansprüche will ich noch nicht reden."

HSV nutzt die Abwehrfehler des BVB gnadenlos aus

Dabei hatte es wirklich internationales Format, wie der erstarkte HSV die zahlreichen Abwehrfehler der Dortmunder gnadenlos ausnutzte. Es war ein 90-minüter Festakt vor 80.645 Zuschauern, der dafür sorgte, dass nur noch kurz über das Theater rund um Lewandowskis vertretbaren Platzverweis diskutiert wurde. "Ich habe ein bisschen Theater gemacht, weil der Schiedsrichter die gerechte Rote Karte erst nicht geben wollte", gab Rafael van der Vaart zu, der nach Lewandowskis grobem Foul gegen Per Skjelbred für eine Rudelbildung und hitzige Atmosphäre gesorgt hatte.

Sehr viel mehr Klasse hatte es dagegen, was der niederländische Regisseur auf dem Platz vor und nach dem Platzverweis ablieferte. "Rafa hat auf dem Feld klar gemacht, dass er dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte. Das war schon wieder 80 bis 90 Prozent seiner Topform", lobte Fink. Sicher, van der Vaart konnte verletzungsbedingt seit November nur unregelmäßig trainieren. Der Gelobte, der im Spaß zuvor noch auf ein 4:0 des HSV getippt hatte, freute sich, erinnerte aber daran, dass es nun gelte, die Form zu konservieren: "Leider fehlt uns noch die Konstanz, jetzt müssen wir nächste Woche gegen Gladbach endlich mal nachlegen."

Und wirklich dürfte es wohl Finks schwierigste Aufgabe werden, die Euphorie während dieser Trainingswoche in Konzentration umzuwandeln. "Leider wird meine Mannschaft immer wieder Schwankungen haben. So eine Leistung wie gegen Dortmund ist ganz einfach nicht jede Woche möglich", sagte Fink, der trotz des kurzfristigen Sprungs auf Platz fünf nichts von europäischen Zielen wissen wollte: "Wenn die Zeit kommt, dann dürfen wir auch von Europa reden. Aber noch fehlt uns ganz einfach die Konstanz."

Genug Biervorräte für die Rückfahrt

Gefeiert werden durfte aber selbstverständlich trotzdem. Busfahrer Miroslav Zadach hatte vorsorglich für die vierstündige Rückfahrt Biervorräte besorgt. Viele der rund 10.000 mitgereisten Anhänger pflegten auf der Heimfahrt über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter einen intensiven Kontakt mit ihren Helden. So wurde auch das Jubelbild aus der Dortmunder Kabine, das Marcel Jansen seiner Fangemeinde nach dem Abpfiff präsentierte, umgehend im Sonderzug zwischen Dortmund und Hamburg nachgespielt.

Als der Fanzug gegen 22 Uhr Hamburgs Hauptbahnhof erreichte, war die Party noch lange nicht vorbei, sie wechselte lediglich die Örtlichkeit. Bis in die Morgenstunden wurde die beste Saisonleistung im Schanzenviertel und auf St. Pauli zelebriert. Schlusswort von Mittelfeldabräumer Tomas Rincon: "Heute darf jeder feiern. Es war ein geiler Sieg in einem geilem Stadion."

Welches Team beschäftigte die meisten Trainer in der Bundesliga-Geschichte?
Frage 1 von 20
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
U.S. President Barack Obama and First Lady Michelle wave as they board Air Force One to depart from Berlin
19.06.13Minutenprotokoll
Obama in Berlin – Bye Bye, Mr. President

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia haben in Berlin ein eng getaktetes Programm absolviert. Der Tag der Obamas im Minutenprotokoll. mehr...

Dritter Gang  Königsberger Klopse, Rote Bete und Stampfkartoffel
19.06.13Abendessen
Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten. mehr...

Obama in Berlin
19.06.13Obama in Berlin
Michelle Obama und ihr Gespür für Mode - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...


„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama
19.06.13Häme bei Twitter
"Die kleine Angela möchte aus #neuland abgeholt werden"

Mit einer Bemerkung über das Internet zog Kanzlerin Merkel im Netz viel Spott auf sich. In Sekundenschnelle wurde "#Neuland" zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Multimedia
21. Spieltag

Fünf Tore und zwei Rote Karten in Dortmund

Welches Team beschäftigte die meisten Trainer in der Bundesliga-Geschichte?
Frage 1 von 20
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote