08.02.13

Ski alpin

Höfl-Riesch – Mit Pragmatismus zur WM-Medaille

Vom missglückten WM-Auftakt im Super-G lässt sich Maria Höfl-Riesch nicht beeindrucken. "Da war ich nicht Favoritin." In der Super-Kombination am Freitag aber rechnet sie sich sehr wohl Chancen aus.

Von Jens Hungermann
Foto: Getty Images

Beim WM-Auftakt im Super-G schied Maria Riesch noch aus, in der Super-Kombination soll alles besser werden
Beim WM-Auftakt im Super-G schied Maria Riesch noch aus, in der Super-Kombination soll alles besser werden

Pragmatismus ist ein hohes Gut, zumal im Leistungssport, der zuweilen einem Hamsterrad gleichen kann. Maria Höfl-Riesch (28) hat sich Pragmatismus angeeignet im Laufe von zwölf Jahren im Ski-Weltcup. So sehr sie Irrfahrten wie im ersten WM-Wettbewerb am Dienstag auch wurmen – ihr Ausscheiden hat sie flink abgehakt, versichert sie glaubhaft. Ein frustrierendes Ergebnis dieser nur gut 20 Sekunden währende Super-G? I wo: "Es war halt ein Ausfall. Das kann passieren, wenn man attackiert."

Wenn man sehe, "was an dem Tag passiert ist, war der Ausfall das kleinste Übel", findet Höfl-Riesch im Nachhinein und spielt damit auf Lindsey Vonns Sturz am Dienstag samt Kreuzbandriss und Hubschrauber-Abtransport an. "Und im Super-G war ich eh nicht als Favoritin am Start. Jetzt in der Super-Kombi zähle ich sicherlich zum engeren Favoritenkreis."

Die neue, nächste Aufgabe – die zweite von voraussichtlich fünf in Schladming – wartet am Freitag auf die beste deutsche Skirennläuferin. Dieses Mal in Form einer Abfahrt (10.00 Uhr) und eines Slalomlaufs (14.00 Uhr, ARD und Eurosport jeweils live). Super-Kombinations-Gold hat Maria Höfl-Riesch schon 2010 bei den Olympischen Spielen in Vancouver geholt.

"Konzentriere mich aufs Skifahren"

Bei der WM allerdings sieht sich "nicht als die Top-Favoritin", wie sie sich ohnehin "nicht darauf konzentriert auf irgendwelche Medaillen, die vielleicht gewonnen werden können, sondern aufs Skifahren. Ich versuche mein Bestes zu geben. Alles andere kommt dann von alleine – oder auch nicht".

Die Super-Kombination ist eine besondere Herausforderung. Sich innerhalb weniger Stunden von den langen Abfahrtslatten am Morgen auf die kurzen Slalomskier am Nachmittag umzustellen, das liegt längst nicht jeder Rennläuferin. Als Allrounderin ist Höfl-Riesch im Vorteil.

Nach ihrem fünften Platz im abschließenden Abfahrtstraining am Donnerstag ist ihre Zuversicht "um einiges größer geworden. Ich hatte zwar leider nicht so viel Zeit, Slalom zu trainieren, auch aufgrund von gesundheitlichen Problemen in den letzten zwei, drei Wochen. Aber Mittwoch konnte ich zumindest noch ein paar Läufe absolvieren".

Männer-Trainer Waibel ist wenig erfreut

Die Kombination aus Speed- und Technikdisziplin an einem einzigen Tag finden dabei im Alpinzirkus bei weitem nicht alle super. Karlheinz Waibel etwa, der Cheftrainer der deutschen Männer, sagt: "Generell habe ich Probleme mit dieser Disziplin und kann mich nicht mit ihr identifizieren: Super-Kombi..." Das Wort spuckt Waibel fast ein bisschen verächtlich aus.

Gefördert werden soll die Disziplin bei den Männern im deutschen Skiverband DSV nicht speziell – was nicht nur daran liegt, dass Waibel das geeignete Spitzenpersonal dafür fehlt. Der Sauerländer Andreas Sander (23) konnte sich wegen eines Fingerbruchs und Haarrisses im Handgelenk gar nicht erst für diese WM qualifizieren. Stephan Keppler (30) und Tobias Stechert (27) waren ohnehin nur für Super-G und Abfahrt vorgesehen. Wobei für Stechert genau wie für seine nach Schladming gereiste Schwester Gina (25) die WM verletzungsbedingt vorzeitig beendet ist.

Männer-Trainer Waibel begründet seine Abneigung so: "Ich glaube nicht, dass die Super-Kombi den besten Skifahrer fordert und fördert." Es gewinne für gewöhnlich der beste Slalomfahrer, "der das über die Jahre am besten in sein Training integriert und die Abfahrt irgendwie überlebt. Diese Philosophie teile ich nicht, darauf lege ich keine besonderen Wert".

"Gute Slalomfahrerinnen immer im Vorteil"

Auch die derzeit inaktive Riesenslalom-Weltmeisterin von 2009, Kathrin Hölzl (28), ist "kein Freund der Kombination. Die guten Slalomfahrerinnen werden wie immer im Vorteil sein: Sie werden auf der Abfahrt nie so viel Zeit verlieren, dass sie sie nicht im Slalom wieder aufholen könnten. Und abgesehen von den ungleichen sportlichen Voraussetzungen: Ich finde, der Wettbewerb dauert zu lange und ist auch für die Zuschauer nicht interessant genug", schreibt Hölzl in einer Kolumne für den "Sportinformationsdienst".

Maria Höfl-Riesch ist neben Veronique Hronek (21) am Freitag die einzige deutsche Starterin. Sie sieht die Sache naturgemäß etwas anders. Karlheinz Waibels Abneigung gegen die Disziplin führt sie darauf zurück, "dass einerseits keiner von unseren Männern vorn mitmischt. Und andererseits, weil es bei den Herren nur ganz wenige gibt, die Abfahrt und Slalom fahren können. Noch weniger als bei den Damen".

Trotzdem, insistiert die Bayerin: "Es ist eine weitere Medaillenchance. Ich finde nicht, dass man den Bewerb herunterreden braucht. Die Super-Kombi ist auch sehr schwer." Und im Erfolgsfall, das kann sie ganz pragmatisch sehen, fragt hinterher sowieso kaum jemand, wie genau eine WM-Medaille eigentlich zustande gekommen ist.

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