07.02.13

Doping

Lance Armstrong droht jetzt Gefängnisstrafe

Die Bundesstaatsanwaltschaft startet ihre Ermittlungen gegen Lance Armstrong neu. Der Vorwurf: Der Texaner soll Zeugen beeinflusst und bedroht sowie die Ermittler in ihrer Arbeit behindert haben.

Dass Lance Armstrong vom einflussreichen "Forbes-Magazin" gerade zum "unbeliebtesten Sportler Amerikas" gewählt wurde, kann dem gefallenen Radrennstar mittlerweile eigentlich fast egal sein. Zuletzt hat der 41-Jährige sich schließlich schon daran gewöhnt, dass seine Imagewerte in den Keller gerauscht sind.

Der einstige Held, der den Krebs besiegt hat und dann siebenmal zum Tour-de-France-Triumph durchgestartet ist, hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung längst schon zum Depp der Nation entwickelt.

Nun aber drohen Armstrong nach seiner Dopingbeichte noch weitaus schlimmere Konsequenzen als nur eine lebenslange Sperre und die Aberkennung seiner Titel. Im schlimmsten Fall landet der Texaner im Gefängnis.

Der US-Fernsehsender ABC meldet auf seiner Website, dass die Bundesstaatsanwaltschaft im Fall Armstrong erneut ermittelt. Der Vorwurf: Der entlarvte Betrüger habe über Jahre möglicherweise Zeugen beeinflusst und sogar eingeschüchtert. Die Meldung sickerte am Rande einer Pressekonferenz durch, die Staatsanwalt Andre Birotte in Washington abhielt.

Birotte war es, der vor knapp einem Jahr ein damals eingeleitetes Betrugsverfahren gegen Armstrong nach zweijährigen Ermittlungen durch den Bundesagenten Jeff Novitzky ohne Ergebnis und völlig überraschend eingestellt hatte. Er hatte sich hernach harscher Kritik ausgesetzt gesehen, weil es hieß, die Behörde beschütze ihren großen Sporthelden und sei nicht an einer umfassenden Aufklärung der Causa Armstrong interessiert.

Birotte spreche nicht für den Justizapparat

Seit dem TV-Geständnis des Texaners in der TV-Show von Oprah Winfrey hatte sich Birotte nicht zu Armstrong geäußert. Als er jetzt von einem Journalisten auf den gefallenen Radstar angesprochen und gefragt wurde, ob dessen Geständnis nun nicht eine erneute Untersuchung rechtfertigen würde, sagte er: "Wir haben damals eine Entscheidung in dem Fall getroffen. Die jüngsten Äußerungen von Mr. Armstrong haben meine Sichtweise nicht beeinflusst. Natürlich heißt das nicht, dass wir die Situation nicht weiter beobachten."

Kurz nach dieser Aussage wurde eine ungenannte "hochrangige Justizquelle" in US-Medien mit der Einschätzung zitiert, dass "Birotte nicht für den gesamten Justizapparat spreche" und mit seiner Entscheidung vor einem Jahr, die Ermittlungen gegen Armstrong einzustellen, auch hausintern "zuständige Ermittler überrascht" habe.

Der TV-Sender ABC will wissen, dass Armstrongs Wirken und Handeln sehr wohl weiter untersucht werden und eine mögliche Anklage kurz bevor stehe. Die Quelle wird auf der ABC-Seite mit den Worten zitiert: "Agenten untersuchen weiterhin sehr aktiv, ob Armstrong Zeugen beeinflusst und sogar bedroht" habe.

Ein weiterer Bestandteil der Untersuchung: Hat Armstrong absichtlich die Justiz bei ihrer Arbeit behindert? ABC berichtete am Mittwoch mit Berufung auf die "hochrangige Justizquelle", dass "Bundesbeamte gegen Armstrong wegen Behinderung der Justiz, sowie Einschüchterung und Manipulation von Zeugen" ermitteln würden.

Verfahren gegen Sportstars sind schwierig

Die Bundesstaatsanwaltschaft zögert im Moment vielleicht auch noch deshalb mit einer sofortigen Anklage gegen Armstrong, weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass Verfahren gegen ehemalige Sportler meist von Misserfolg gekrönt sind. So wurde der einstige Baseball-Profi Barry Bonds des Dopings angeklagt, musste seine zwei Jahre Bewährungsstrafe aber niemals antreten, da er sich in der Berufung durchsetzte. Und auch Baseball-Legende Roger Clemens – er sagte sogar vor dem Kongress aus – wurde freigesprochen.

Bei Lance Armstrong allerdings könnte der Fall anders laufen. Da er bekanntlich zugegeben hat, über Jahre leistungssteigernde Dopingmittel genommen zu haben, liegt das Vergehen inzwischen klar auf der Hand.

Der Texaner hat nach einer Fristverlängerung um zwei Wochen nun noch bis zum 20. Februar Gelegenheit, unter Eid den Ermittlern alle noch offenen Fragen zu beantworten, um seinem lebenslangen Bann von allen sportlichen Aktivitäten durch die US-Antidopingbehörde Usada zu entkommen. Armstrong erhofft sich durch eine mögliche Kooperation eine Verringerung seiner lebenslangen Sperre auf acht Jahre. In der TV-Show von Oprah Winfrey hatte der inzwischen auf den Triathlon umgestiegene Sportler die verhängte Sanktion als "Todesstrafe" für ihn bewertet.

Armstrong soll Prämien zurückzahlen

Derweil wurde jetzt auch bekannt, dass die Firma SCA Promotions mehr als zehn Millionen Dollar an gezahlten Prämien von Armstrong zurückverlangen will. Der Nachrichtensender CNN berichtet, dass es sich dabei um Bonuszahlungen handelt, die Armstrong in den Jahren von 2002 bis 2005 von SCA kassiert habe. Diese Zahlungen will die Werbefirma nach den jüngsten Geständnissen des einstigen Radprofis und der Aberkennung der Tour-Titel jetzt einklagen.

SCA Promotions hatte bereits 2005 versucht, das Geld zurückzuhalten, als Doping-Vorwürfe gegen Armstrong laut wurden. Armstrong sagte damals unter Eid aus, nicht gedopt zu haben. In diesem Jahr hat er dies zugegeben, seine Titel wurden ihm aberkannt. Möglicherweise muss sich Armstrong deshalb auch noch wegen Meineids verantworten.

Armstrong-Anwalt Mark Fabiani behauptete am Mittwoch zwar, die Forderung der Firma auf Rückzahlung der Beträge sei ungerechtfertigt. Fest steht im Moment allerdings schon jetzt: Der Doping-Albtraum scheint für Lance Armstrong noch längst nicht vorbei zu sein.

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